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Der Zukunftsrat Hamburg fordert eine offene Debatte um die
Tourismusentwicklung in Hamburg
Wo bleibt das Nachhaltigkeitskonzept der Hamburg Tourismus GmbH?

Der Hamburg-Tourismus boomt, viel Geld fließt in private und öffentliche Kassen, macht die Stadt bekannt. Die Elbphilharmonie, die Musicals sowie die Aufenthalte der großen Kreuzfahrtschiffe ziehen immer mehr Touristen in die Hafenstadt, oft allerdings nur als Tagesgäste. Die Kritik in Bevölkerung und Medien aber wächst. Immer mehr Großevents verärgern die Innenstadt-Bewohner*innen - nicht nur die unmittelbaren Anwohner*innen, sondern auch die durch weitreichende Straßensperrungen Betroffenen. Die Tourismuswerbung setzt nach wie vor auf Wachstum. Bis 2025 sollen weitere 36.000 Hotelbetten in Hamburg entstehen, meist im Zentrum der Stadt. Die ökologischen Lasten des Tourismus werden dagegen nicht thematisiert: Die zusätzlichen CO2-Emissionen – z.B. durch neue Flugverbindungen, alte Stadtrundfahrtbusse und mehr Kreuzfahrtschiffe - werden im Hamburger Klimaplan nicht berücksichtigt. Bau und Betrieb neuer Tourismus-Infrastruktur bedeuten erhöhten Ressourcenverbrauch. Mehr Tourismus heißt mehr Müll, mehr Lärm, mehr Luftverschmutzung, mehr Flächenverbrauch – verschärfte Nutzungskonflikte vor allem im Bezirk Mitte. Die sozialen Kosten des boomenden Tourismus sind illegale Wohnraum-Zweckentfremdung, Hungerlöhne für Beschäftigte auf Kreuzfahrtschiffen, prekäre Arbeitsverhältnisse und Schwarzarbeit in Gastronomie und Hotelerie.

Im Juli entschied der Senat, die Nachhaltigkeitsziele der UN von 2015 auch in Hamburg umzusetzen. Nachhaltigkeitsziel 8.9 fordert, „bis 2030 Politiken zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus (zu) erarbeiten und um(zu)setzen.“ Die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) arbeitet bereits seit Anfang 2016 an einem Nachhaltigkeitskonzept. Noch immer sei die Erstellung des Konzepts nicht abgeschlossen (Antwort auf eine Große Anfrage der LINKEN-Fraktion, Bürgerschaftsdrucksache 21/8526 vom 25.4.2017). In einer Veranstaltung des Zukunftsrats Hamburg zu nachhaltigem Tourismus im Juni 2017 konnte sich die HHT-Vertreterin zum Konzept und seiner Veröffentlichung nicht äußern, sondern verwies auf brancheninterne Bemühungen.

Wann macht die städtische Hamburg Tourismus GmbH ihr Nachhaltigkeitskonzept publik? Wann ermöglicht sie eine offene Debatte über eine nachhaltige Tourismus-Strategie? Der Sprecher des Zukunftsrats, Jochen Menzel: „Senat und Bürgerschaft sollten nicht warten, bis die Akzeptanz des Tourismus in Hamburg der in Barcelona, Mallorca oder Venedig gleicht und der Tourismus zerstört, was er sucht, nämlich eine (auch ökologisch und sozial) attraktive nachhaltige Metropole. Wir brauchen ein Tourismusgremium, das die verschiedenen Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Anwohner*innen an einen Tisch bringt, um eine zukunftsfähige, nachhaltige Tourismusstrategie für Hamburg zu entwickeln und umzusetzen.“

Der Zukunftsrat hat in den vergangenen Jahren bereits einige Veranstaltungen und Analysen zur Tourismusentwicklung in Hamburg organisiert. Seit 2016 ist der Interessensverband forum anders reisen Mitglied im Zukunftsrat Hamburg. Der Verband beschäftigt sich bereits seit knapp 20 Jahren mit der Entwicklung und Verbreitung von nachhaltigen Tourismuskriterien.

„Wir sind gern bereit unsere langjährige Erfahrung und Expertise in der Entwicklung nachhaltige Tourismusangebote in ein gemeinsames Gremium in Hamburg einzubringen“, betont die Geschäftsführerin Petra Thomas.

 

erschienen am: 2017-08-30 im europaticker

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