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IHK-Berater konnten bislang mehr als 100 Flüchtlinge vermitteln
600 Plätze stehen in Unternehmen zur Verfügung
Mehr Flüchtlinge in Ausbildung

Die  Zahl  der  südhessischen  Unternehmen,  die  bereit  sind,  Flüchtlingen eine  berufliche  Chance  zu  geben,  hat  sich seit Ende 2015 mehr als verdoppelt. Inzwischen  wurden  von  der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar in 250 Betrieben 600 Praktikumsplätze, Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungsplätze akquiriert  und registriert. In diesem Jahr konnten bis Ende August 54 Flüchtlinge vermittelt werden. Im gesamten Jahr 2016 waren es 50.  Gute Chancen also, dass bis Ende dieses Jahres noch einige Plätze besetzt werden können. „100 haben wir uns für 2017 als Ziel gesetzt“, sagt Thomas Kratz, Flüchtlingscoach im Team Ausbildung der IHK.  Er und seine Kollegin Katharina Moers informieren und beraten die Betriebe – etwa in Fragen des Asyl- und Arbeitsrechts oder zu Förderungsmöglichkeiten. Zudem vermitteln sie den Unternehmern geeignete Bewerber. Die beiden Stellen für die Flüchtlingscoaches wurden Ende 2015 von der Vollversammlung der IHK Darmstadt zusätzlich bewilligt.

„Integration ist keine Fließbandarbeit“, stellt Katharina Moers klar. Jeder Fall muss individuell  betrachtet  werden. Es  hilft weder den Betrieben noch  den Flüchtlingen, Kandidaten in eine Ausbildung zu vermitteln,  die mit dem Lernstoff  überfordert wären. „Das Schulniveau in den Herkunftsländern ist zum Teil doch ein anderes“,  sagt sie. Dazu kommen die deutlich anderen Berufsbilder in den Heimatländern. Sie entsprechen fast nie den komplexen Anforderungen hierzulande. Das größte Problem stellt aber immer noch die deutsche Sprache dar. Vor allem fehlt es an fachspezifischem Deutsch für den Berufsalltag. Damit die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung gelingt, bietet die IHK für Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte in Unternehmen verschiedene Weiterbildungen an.

Von zehn Flüchtlingen, mit denen die beiden IHK-Flüchtlingscoaches sprechen, kann im Schnitt nur einer vermittelt werden. Das liegt teilweise auch an gesetzlichen Vorgaben, etwa der Wohnsitzauflage. „Wenn ein Asylbewerber beispielsweise in Dieburg wohnen muss, die passende Stelle aber in Heppenheim ist, dann lässt sich das nicht realisieren“, sagt Kratz. Sorgen bereiten den beiden IHK-Beratern auch die geänderten Abschieberegelungen – etwa nach Afghanistan. Sie konnten mehrere junge Afghanen mit guten Voraussetzungen an Betriebe vermitteln – nun droht aber die Abschiebung. „So etwas führt in Unternehmen zu einer enormen Verunsicherung“, so Kratz. Derzeit konzentrieren sie sich auf fünf Herkunftsländer mit guter Bleibeperspektive. Das sind aktuell Eritrea,  Irak,  Iran,  Syrien  und  Somalia.  

Die Spanne der Berufe, in denen Flüchtlinge nun tätig sind, reicht vom Koch über Berufskraftfahrer und Zerspanungstechniker bis hin zum Maschinen- und Anlagenführer oder Fachlageristen. Aus den zahlreichen Gesprächen der beiden IHK-Berater haben sich inzwischen auch zwei Existenzgründungen ergeben.

erschienen am: 2017-08-30 im europaticker

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