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Die Altlastenproblematik ist eng mit der Entwicklung der modernen Industrie- und
Konsumgesellschaft verknüpft
Altlasten in Oberösterreich: Erfolgreiche Sanierung von Umweltsünden

Altlasten zählen zu den gefährlichsten Umweltsünden der Vergangenheit, die jetzt Schritt für Schritt saniert und damit entschärft werden müssen, um eine Gefährdung des Grundwassers und der Umwelt zu verhindern. Insgesamt wurden in Oberösterreich bislang 79 Altlasten, z.B. wilde Deponien oder aufgelassene Tankstellen, ausgewiesen - mit sehr unterschiedlichem Gefährdungspotenzial. Schritt für Schritt werden die Altlasten saniert. Wobei mit den gefährlichsten begonnen und in den vergangenen Jahren dafür bereits hohe Summen aufgewendet wurden. Nun kann erfolgreich Zwischenbilanz gezogen werden: 48 gesicherte/sanierte Altlasten und 171,1 Millionen Euro an Bundesförderung für oö. Projekte, das größte Projekt davon die Atlast „Kokerei Linz“. Weitere 32 Altlasten sind untersucht, bei 25 davon läuft bereits die Vorbereitung bzw. Umsetzung der Sanierung.

Umweltschutz-Landesrat Rudi Anschober: „Wir räumen auf! Vorsorgender Umweltschutz ist inzwischen der Status quo und wird von Beginn an bei Projekten und Betrieben mitbedacht. Für die Altlasten, die in der Vergangenheit produziert wurden, müssen wir aber bis heute Lösungen finden und umsetzen. Das gelingt in OÖ vorbildlich.“

Die Sicherung/ Sanierung von Altlasten und Verdachtsflächen bzw. die Untersuchung von kontaminierten Altstandorten und Altablagerungen hat in Oberösterreich einen hohen Stellenwert. Dies zeigt sich in der großen Anzahl an Erkundungen, bekannten Verdachtsflächen und auch an den bereits gesicherten/sanierten Altlasten.

Anschober: „Mit 48 gesicherten bzw. sanierten Altlasten in Oberösterreich können wir stolz sagen: Wir räumen auf! Heute ist Oberösterreich führend bei der Altlastensanierung und Erhebung und Erkundung von Verdachtsflächen. 171,1 Millionen Euro wurden bisher an Förderungen des Bundes zur Sanierung von Altlasten nach Oberösterreich geholt. Wir gehen einen sehr klaren Weg: eine möglichst umfassende Erhebung von Verdachtsflächen und in weiterer Folge die schrittweise Sanierung bzw. Sicherung von allen Altlasten.“

Versäumnisse und falscher Umgang als Ursache

Die Altlastenproblematik ist eng mit der Entwicklung der modernen Industrie- und Konsumgesellschaft verknüpft, ebenso wie mit der Praxis der Abfallentsorgung in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten und dem damit verbundenen, früher oft sorglosen Umgang mit Chemikalien und Produktionsmitteln in Industrie und Gewerbe. (Quelle: Umweltbundeamt)

Altlasten sind Altablagerungen und Altstandorte, sowie durch diese kontaminierte Böden und Grundwasserkörper von denen – nach den Ergebnissen einer Gefährdungsabschätzung – erhebliche Gefahren für die Gesundheit des Menschen oder die Umwelt ausgehen. Entstehung vor dem 1.7.1989.

Mit dem Altlastensanierungsgesetz (AlSAG) wurde 1989 auch eine bundesweite rechtliche Basis zur Erhebung, Bewertung und Einstufung von Altlasten sowie für die Finanzierung ihrer Sanierung und Sicherung durch Einhebung eines Altlastensanierungsbeitrages geschaffen. Diese Beiträge fließen in den „Altlastentopf“ und werden zweckgebunden für Sanierungen bzw. Verdachtsflächenerkundungen verwendet. Ein Großteil der Mittel konnte in den letzten Jahren nach OÖ geholt werden.

Als Problemlösung kommen Sicherung und Sanierung der Altlast infrage:
Sicherung ist das Verhindern von Umweltgefährdungen, insbesondere der Ausbreitung möglicher Emissionen von gesundheits- und umweltgefährdenden Schadstoffen aus Altlasten.

Sanierung ist die Beseitigung der Ursache der Gefährdung sowie die Beseitigung der Kontamination im Umfeld.

II. OÖ erfolgreich am Weg zu umfassendem Umweltschutz

In Oberösterreich wurden seit Inkrafttreten des Altlastensanierungsgesetzes (ALSAG) am 1. Juli 1989 79 Altlasten in der Altlastenatlasverordnung ausgewiesen, sowie eine weitere Altablagerung bereits als Altlast O 80 beurteilt.

Von den insgesamt 80 Altlasten wurden bisher

175 Millionen Euro Bundesförderung nach OÖ geholt

Die Kosten für die Sicherung/Sanierung von Altlasten und Verdachtsflächen sind in der Regel sehr hoch und stellen eine massive finanzielle Belastung für die Betroffenen dar. Um dennoch Sanierungen/Sicherungen (zT auf freiwilliger Basis) umzusetzen, wurden in Österreich auf Basis des Umweltförderungsgesetzes großzügige Förderungsmöglichkeiten geschaffen.

Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat auf Vorschlag der Kommission für Angelegenheiten der Altlastensanierung für die Sanierung bzw. Sicherung der Altlasten in Oberösterreich seit 1989 für 75 oö. Projekte Förderungen in Höhe von 171,1 Millionen Euro genehmigt.

Auch das Land Oö. stellt für die Sicherung/Sanierung von Altlasten und Verdachtsflächen zusätzlich zum Bund Förderungen zur Verfügung.

"Jeder Euro für die Entschärfung von Umweltsünden der Vergangenheit ist gut investiertes Geld. Es erspart bzw. begrenzt Folgeschäden und Folgekosten. Die Höhe der Förderung seitens des Bundes hängt u.a. von der Frage der Verantwortung für den Schaden ab, z.B. ob es sich um ein genehmigtes Projekt handelte oder nicht. Für die Zukunft muss oberste Priorität sein, erst gar keine Umweltsünden und Altlasten mehr entstehen zu lassen. Gesetzliche Grundlagen und deren Vollzug und Kontrolle sind eine wichtige Voraussetzung dafür, ebenso wie das Bewusstsein über die Verletzlichkeit unserer Ökosysteme, unserer Lebensgrundlagen. Hier sind wir alle gefordert, ob als einfache Bürger/in, als Unternehmer/in oder als Politiker/in“, so Landesrat Anschober.

  Größtes Altlastensanierungsprojekt Österreichs: Altlast Kokerei Linz

Beim Altstandort "Kokerei Linz" handelte es sich um das Areal, auf dem sich die Kokerei des Eisen- und Stahlwerkes Linz befindet. Die Kokerei existiert seit dem Jahr 1942 und wurde nach weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg danach wieder in Betrieb genommen. Das Areal der Kokerei weist eine Fläche von rund 350.000 m² auf. Im Untergrund des Altstandortes liegen, aufgeteilt auf mehrere "Hot Spots", massive Teerölkontaminationen und Kontaminationen durch aromatische Kohlenwasserstoffe. Ausgehend von diesen Untergrund-verunreinigungen findet ein erheblicher Schadstoffeintrag in das Grundwasser statt. Entsprechend der industriellen Nutzung des Altstandortes und seines Umfeldes befinden sich auf dem Altstandort und in seinem Grundwasserabstrom Nutzungen zu Kühl- und Brauchwasserzwecken, jedoch keine Trinkwassernutzungen. Trotz des hohen Schadstoffpotentials im Untergrund besteht jedoch keine unmittelbare Gefährdung für die Donau oder andere Gewässer, da der Bereich der Altlast zur Donau hin umspundet ist.

Die Sicherung/Sanierung der Altlast O76 „Kokerei Linz“ muss aufgrund ihrer Größenordnung und des aufrecht zu erhaltenden Betriebs in Teilmaßnahmen und Teilflächen über einen Zeitraum von rd. 10 Jahren erfolgen (Sanierungsbeginn war Herbst 2012 – Grundwasserabstromsicherung durch das Funnel & Gate-System).

In der letzten Sitzung der Altlastensanierungskommission, in der Landesrat Rudi Anschober seit 13 Jahren Mitglied ist, wurden für die nun anstehende Sanierung des östlichen Teils der Sanierungsteilfläche 6, weitere 18 Millionen Euro Förderung des Bundes genehmigt. Bisher flossen bereits 85 Millionen Euro in die Sanierungsmaßnahmen der Altlast Kokerei Linz.

Die drei größten Sanierungsprojekte Oberösterreichs:

Beispiel für erfolgreiche Sicherung: Altlast Spattgrube in Enns

Bei der Spattgrube in Enns handelt es sich um eine ehemalige Schottergrube, die von den 1960er Jahren bis 1986 mit unterschiedlichsten Abfällen befüllt wurde. Bei den abgelagerten Abfällen handelte es sich um Bauschutt und Aushubmaterialien, gewerbliche und industrielle Abfälle sowie Siedlungs- und Fäkalabfälle. Mehr als die Hälfte der Abfälle wurde als grundwassergefährdend eingestuft, rund ein Drittel der Abfälle wies ein stark erhöhtes Schadstoffpotenzial auf.

Anfang 2013 wurde dieses Gebiet als Altlast ausgewiesen und anschließend Projekte zur Sicherung gestartet. Ziel der Maßnahmen war es, das Risiko einer Verunreinigung des Grundwassers dauerhaft zu minimieren.

Die Bauarbeiten liefen von Sommer 2013 bis Anfang 2014. Die Kosten für die Errichtung des Funnel und Gates betrugen rund 2,7 Millionen Euro und wurden großteils, mit rund 2,1 Millionen Euro aus dem Altlastensanierungsfonds des Bundes getragen.

  III. Aktuelle Sanierungsfälle in Oberösterreich

Nachfolgend ein Überblick über die bereits gesicherten/sanierten Altlasten, die laufenden Sanierungsverfahren, geplante Sanierungen und jene wo aus den verschiedensten Gründen noch keine Maßnahmen veranlasst werden konnten.

Derzeit laufende Sanierungsprojekte bzw. Sanierung in Planung in OÖ:

Insgesamt befinden sich 25 Altlastenprojekte derzeit in Sanierung bzw. ist eine Sanierung in Planung. Nachstehend eine Auswahl der Projekte, die mit Prioritätenklasse 1 (höchste/r Gefährdungsgrad, Umfang, Dringlichkeit) bewertet wurden. 

Sicherungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen sind noch zu veranlassen:

Registrierte Altablagerungen und Altstandorte im Bundesländervergleich

Stand: 1.1.2017 (Quelle: Umweltbundesamt)

erschienen am: 2017-09-08 im europaticker

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