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Bei Hochwasserschutzmaßnahmen deutlich höhere Gefahren einplanen
Klimawandel: Extreme Ereignisse werden sich häufen

„Extreme Wetterereignisse mit schlimmen Folgen für die Wasserwirtschaft werden aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufiger passieren", betonte Umweltminister Stefan Wenzel anlässlich der Eröffnung des Niedersächsischen Gewässerforums. Der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) hat zusammen mit dem Umweltministerium daher das Projekt KliBiW initiiert, in dem die Folgen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft untersucht werden. Neben dem NLWKN und in einigen Projektabschnitten auch den Harzwasserwerken waren die Technische Universität Braunschweig und die Leibniz Universität Hannover mit ihrem Expertenwissen beteiligt.  

„In dem Projekt wird empfohlen, alle Hochwasserschutzbauten mit einem Sicherheitsfaktor zu bauen, der den Klimawandel berücksichtigt. Diese Empfehlung für einen niedersächsischen Klimabeiwert von 15 Prozent werden wir gründlich beraten." Konkret hieße das, bei allen Hochwasserschutzmaßnahmen zu prüfen, wie die erwartete Verschärfung der Hochwassserlage und damit die deutlich höheren Gefahren künftig aus Vorsorgegründen berücksichtigt werden können. „In dem Projekt KliBiW (Globaler Klimawandel - Wasserwirtschaftliche Folgenabschätzung für das Binnenland) arbeiten Forschung und Praxis Hand in Hand", erläuterte NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer.

Für den Hochwasserbereich wurde jetzt rechtzeitig zum Gewässerforum der Abschlussbericht veröffentlicht und ist auf den Internetseiten des NLWKN verfügbar ( http://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/ ). Die Ergebnisse des Projektes zeigen auf, dass sich die Hochwasserverhältnisse zukünftig verschärfen werden. Mit Hilfe von Klimaszenarien und der Anwendung von hydrologischen Modellen konnten in dem Projekt die Veränderungen der Abflüsse für die Zukunft abgeschätzt werden. Zeigten die Hochwasser in der Vergangenheit bisher nur regional leicht steigende Tendenzen, so können sie in der Zukunft deutlicher zunehmen, vor allem unter dem „weiter-wie-bisher"-Klimaszenario. Prof. Dr. Joseph Hölscher, Leiter der Betriebsstelle Hannover-Hildesheim und einer der Autoren des Berichts, stellte vor Journalistinnen und Journalisten klar: „Die Ergebnisse des KliBiW-Projektes lassen für die im Vorhaben untersuchten Klima-szenarien den Schluss zu, dass die Scheitelabflüsse von Hochwasserereignissen in Niedersachsen in der fernen Zukunft deutlich steigen werden.

Das vom NLWKN veranstaltete Gewässerforum steht im Zeichen dieser „extremen Ereignisse in der Wasserwirtschaft" und befasst sich am Montag und Dienstag hochaktuell mit Ereignissen wie Hochwasser, Starkregen und Sturzfluten sowie Trockenheit und Niedrigwasser. Auf der zweitägigen Veranstaltung in Hildesheim informieren sich Fachleute über die aktuellen Entwicklungen und diskutieren gemeinsam über die Gefahren und möglichen Strategien und Anpassungsoptionen.

Rickmeyer ist sich sicher, dass Informationsvorsorge ein wichtiger Pfeiler beim Umgang mit extremen Ereignissen ist. Der NLWKN informiert umfangreich z.B. über das Internetangebot des NLWKN. So bietet der NLWKN mit seinem Onlineportal https://www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de/Start schnell verfügbare, prägnante und grafisch eindeutige Informationen zur aktuellen Lage. „Gerade im Hochwasserfall sind die aktuellen Daten unverzichtbar und von großer Wichtigkeit". Über die weitere Entwicklung der Wasserstände an den Binnengewässern informiert die Hochwasservorhersagezentrale mit veröffentlichten Wasserstandsvorhersagen und Lageberichten. Mobil lassen sich die Wasserstände auch über eine App für Smartphones abrufen. Aber auch weitergehende Informationen zu Hochwasserereignissen, zu Vorsorgemaßnahmen, Risiko- und gefahrenkarten, Überschwemmungsgebiete, Hintergrundwissen u.a. vervollständigen das Angebot. Rickmeyer: „Mit diesem Informationsangebot ist Niedersachsen gut aufgestellt".

Hölscher verdeutlichte auch, dass der NLWKN dazu beispielsweise mit seinem Messnetz an Flüssen und Bächen und den Messstellen für das Grundwasser in einem umfangreichen Monitoring-Programm eine grundlegende Datenbasis bereitstellt: „Um die Auswirkungen des Klimawandels bewerten zu können, ist dieses Monitoring unverzichtbar".

Neben der Hochwasserthematik wird auf dem Gewässerforum auch das Problem von Starkregen einschließlich damit einhergehender Sturzfluten diskutiert. Hier gilt es sich gemeinsam mit den Kommunen gut aufzustellen, um die gravierenden Schäden, die aus Starkregen und Sturzfluten entstehen können, mindern zu können. „Starkregen kann an jedem Ort auftreten", betonte Hölscher. Daher könne in diesem Fall herkömmlicher Hochwasserschutz wie der Deichbau nur bedingt greifen; es müsse auch über andere Maßnahmen nachgedacht werden. Hölscher: „Mit der Veränderung des Klimas ändert sich auch der Wasserkreislauf mit einer Umverteilung der Wassermengen". Neben Phasen mit Niederschlägen kommt es zukünftig auch vermehrt zu Hitze- bzw. Trockenperioden im Sommer und als Folge zu Niedrigwassersituationen in den Gewässern. Das werde auch negative Auswirkungen auf die Gewässer bzw. die Gewässerökologie, die Speicherbewirtschaftung, die Abwasserbeseitigung oder die Nutzung von Wasserkraft haben, ergänzte Rickmeyer.

Weitere Informationen im Internet:
Den aktuell veröffentlichten Abschlussbericht zum Projekt KliBiW (Phase 4: Hochwasser) finden Sie hier: http://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/ (Meldung auf der Startseite).
Hochwasser kann sich durch den Klimawandel verschärfen. In der Wasserwirtschaft gilt das Vorsorgeprinzip. Informationsvorsorge ist dabei ein wichtiger Bestandteil im Hochwasserschutz. Der NLWKN hat dafür alle wichtigen Informationen für Bürgerinnen und Bürger sowie Akteure im Hochwasserschutz in seinem neuen Info-Portal Hochwasser zusammengestellt.
http://www.nlwkn.niedersachsen.de/hochwasser_kuestenschutz/hochwasserschutz/

erschienen am: 2017-09-11 im europaticker

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