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Exportzahlen im zweiten Quartal erneut gestiegen / Exporte in die USA sinken / China holt auf
IHK Darmstadt Rhein Main Neckar: Regionaler Außenhandel wächst weiter

„Der Außenhandel in Südhessen hat im zweiten Quartal 2017 trotz Unsicherheiten und Krisen nochmals angezogen“, sagt Axel Scheer, Experte für Außenhandel bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar. Von April bis Ende Juni 2017 hat die IHK Darmstadt 10.542 Außenhandelsdokumente ausgestellt. „So viel wie noch nie in einem Quartal. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum verzeichnen wir ein Plus von acht Prozent“, sagt Scheer. Die hessischen Exporte betrugen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes in diesem Zeitraum 15,3 Milliarden Euro (2016: 14,7 Milliarden Euro) und legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent zu. Importiert wurden Waren im Wert von 22,8 Milliarden Euro (2016: 21,7 Milliarden Euro) und damit 5,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Treibende Branchen waren vor allem die chemische und pharmazeutische Industrie, aber auch der Automobilbau, der Maschinenbau sowie elektrotechnische Erzeugnisse sind weltweit gefragt. „Das verarbeitende Gewerbe in Südhessen hat seinen Auslandsumsatz im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent gesteigert. Mit einem Zuwachs von 12,5 Prozent und einem Anteil von rund 41 Prozent am gesamten Auslandsumsatz bleibt die Eurozone weiterhin der wichtigste Zielmarkt der Unternehmen“, so Scheer. Die Exportquote lag in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 bei 56, 4 Prozent und ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozentpunkte angestiegen (2016: 54,9 Prozent). Sie liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 50 Prozent.

Exporte nach USA sinken – China holt auf
Die Exporte in die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) betrugen im zweiten Quartal 2017 1,6 Milliarden Euro und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1,8 Milliarden) um rund 10 Prozent zurückgegangen. Im Halbjahresvergleich fällt der Rückgang mit 6 Prozent moderater aus. Im Gegensatz dazu haben die Importe erneut kräftig zugelegt. Insbesondere in den Branchen chemische und pharmazeutische Industrie. Importiert wurden in diesem Zeitraum Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro (2016: 1,9 Milliarden Euro; Plus 8,5 Prozent). „Donald Trump übt Druck auf die amerikanische Pharmaindustrie aus, damit sie im eigenen Land produziert. Das spüren wir in Südhessen. Pharmaprodukte machten 2016 noch mehr als 45 Prozent der hessischen Lieferungen in die USA aus. Im ersten Halbjahr 2017 ist dieser Wert um 20 Prozent eingebrochen“, sagt Scheer. „Der US-amerikanische Markt bleibt für südhessische Unternehmen exportseitig der mit Abstand wichtigste. Importseitig liegt die USA hinter China ganz klar auf Platz zwei. Allerdings beobachten wir, dass China zwischen April und Juni 2017 sowohl beim Import als auch beim Export wieder deutlich zugelegt hat.“ Die Ausfuhren dorthin betrugen in diesem Zeitraum 0,92 Milliarden Euro (2016: 0,73 Milliarden). Das ist ein Zuwachs von 26 Prozent. Importiert wurden Waren im Wert von 2,65 Milliarden Euro (2016: 2,27 Milliarden Euro; Plus 17 Prozent).

Zweitwichtigster Abnehmer bleibt weiterhin Frankreich. Die Exporte ins Nachbarland haben im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Exportiert wurden Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro (2016: 1,08 Milliarden Euro; Plus 11 Prozent) und für 1,15 Milliarden Euro importiert (2016: 1,19 Milliarden Euro; Minus 3,5 Prozent).

Exporte nach Großbritannien weiter rückläufig
Die Exporte ins Vereinigte Königreich betrugen im zweiten Quartal 1,02 Milliarden Euro (2016: 1,04 Milliarden Euro) und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,0 Prozent zurückgegangen. Damit hält der Abwärtstrend an. Im Gegensatz dazu haben die Importe wie schon zwischen Januar und Ende März im zweiten Quartal mit 0,89 Milliarden Euro erneut deutlich zugelegt (2016: 0,79 Milliarden Euro; Plus 12 Prozent). Großbritannien ist weiterhin der drittwichtigste Handelspartner für Südhessen. Knapp 7,0 Prozent aller südhessischen Exporte gingen 2016 in das Vereinigte Königreich.
Scheer: „Das können schon die Auswirkungen des Brexit sein. Der Warenverkehr läuft zwar nach wie vor reibungslos, weil das Königreich ja noch Mitglied der Europäischen Union ist. Aber natürlich sind die Unternehmen verunsichert. Die Verhandlungen zum EU-Austritt der Briten kommen nicht entscheidend voran. Insbesondere was den Waren- und Dienstleistungsverkehr nach dem Brexit angeht herrscht weiterhin völlige Unklarheit.“
Auch mit der Türkei ist der Handel im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rückläufig. Die Exporte in die Türkei betrugen rund 0,51 Milliarden Euro (Minus 5,3 Prozent). Importiert wurden Waren im Wert von 0,5 Milliarden Euro (Minus 7,1 Prozent). Allerdings haben sowohl der Import (Plus 1,6 Prozent) als auch der Export (Plus 6,1 Prozent) in den Monaten Mai und Juni wieder Fahrt aufgenommen.

Positiv entwickelt sich trotz der seit 2014 bestehenden Sanktionen der Handel mit Russland. Waren im Wert von knapp 0,48 Milliarden Euro (2016: 0,39 Milliarden Euro) wurden in den ersten sechs Monaten aus Hessen in die Föderation exportiert. Das ist ein Plus von 21,6 Prozent. „Die russische Wirtschaft hat sich stabilisiert und 2017 könnten die Exporte erstmals wieder steigen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich die neuen US-Sanktionen gegen Russland auf deutsche und europäische Firmen auswirken“, sagt Scheer.

erschienen am: 2017-09-12 im europaticker

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