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Eines der größten Braunkohlekraftwerke in Deutschland und Anfang der 1970er Jahre
das größte der Welt geht vom Netz
Braunkohlenkraftwerk Frimmersdorf wird abgeschaltet

Am 1. Oktober gehen die letzten beiden Blöcke P und Q des RWE-Braunkohlenkraftwerks Frimmersdorf (Grevenbroich) in die so genannte "Sicherheitsbereitschaft" und werden abgeschaltet. Das Kraftwerk Frimmersdorf ist ein Braunkohlekraftwerk in der Stadt Grevenbroich. Zwischenzeitlich war es eines der größten Braunkohlekraftwerke in Deutschland und Anfang der 1970er Jahre das größte der Welt. Es liegt unmittelbar am Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier und verfügte ursprünglich über 16 Kraftwerksblöcke. Das Kraftwerksgelände erstreckt sich über eine große Fläche: Die Kraftwerksfront in Richtung der Energiestraße (L375) hat eine Länge von etwa 900 m, das gesamte Werksgelände ist 1,5 km lang und 450 m breit. Die beiden Maschinenhallen gehören aneinandergereiht (ca. 650 m) nach dem Kernkraftwerk Greifswald zu den längsten der Welt. Die Zahl der Kühltürme betrug ursprünglich 36 Stück; auf Luftaufnahmen war das Kraftwerk Frimmersdorf dadurch gut zu identifizieren.

Aufgrund von Stilllegungen zwischen 1988, 2005 und 2012 sind inzwischen nur noch die beiden 300-MW-Blöcke am Netz, deren endgültige Abschaltung war für den 1. Oktober 2021 vorgesehen ist

BUND: Ein guter Tag für Grevenbroich

Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht das mit einem lachenden und einem weinendem Auge. „Dem Klima werden damit mehr als 4 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr erspart“, sagte BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. „Allerdings sollten die Uralt-Blöcke eh stillgelegt werden. Dass der Stromkunde dieses goldene Ende mit bis zu 360 Millionen Euro vergütet, bleibt ein Skandal.“

Die Braunkohlenblöcke wurden in den Jahren 1966 und 1970 in Betrieb genommen. Selbst RWE geht inzwischen davon aus, dass die Blöcke während der vier Jahre dauernden Sicherheitsbereitschaft nur in seltenen Ausnahmefällen wieder hochgefahren werden. Der BUND bezweifelt indes, ob das überhaupt jemals der Fall sein wird. „Bei einer Vorlaufzeit von 10 Tagen können eventuell kurzfristig auftretende Bedarfe durch die Kraftwerk-Dinosaurier eh nicht abgedeckt werden“, so Jansen.

Die Überführung von insgesamt 2,7 Gigawatt an Kraftwerksleistung in die Sicherheitsbereitschaft reicht allerdings nach BUND-Auffassung nicht ansatzweise aus, die Klimaschutzziele zu erfüllen. „Will Deutschland sein 40 Prozent-CO2-Minderungsziel erreichen, müssen deutschlandweit alle Kohleblöcke, die vor 1990 in Betrieb gingen, bis 2020 vom Netz gehen“, so die BUND-Forderung.

Auch für die Bewohner der Stadt Grevenbroich und das Umland bringt die Kraftwerksabschaltung einen Zugewinn an Lebensqualität. „Das Kraftwerk Frimmersdorf hat jährlich fast 100 Kilogramm des Nervengiftes Quecksilber, 80.000 Kilogramm gesundheitsgefährdender Feinstäube und weitere Schadstoffe in die Luft geblasen“, sagte Rolf Behrens von der BUND-Ortsgruppe in Grevenbroich. „Wenn die Verschattung durch die Kraftwerksschwaden aufhört, sehen wir auch wieder häufiger die Sonne. Insofern ist das ein guter Tag für Grevenbroich.“
Nach Abschluss des 2022 beginnenden Rückbaus der Anlagen soll das frei werdende Areal nach BUND-Ansicht einer zukunftsfähigen gewerblich-industriellen Nutzung zugeführt werden. Dem Umweltverband schweben dabei etwa die Ansiedlung einer Elektroauto- (Stichwort: „Streetscooter“) oder Energiespeicher-Produktion vor. Kohlebasierte Technologien und Folgenutzungen hält der BUND dagegen für nicht zukunftsfähig.

Mehr Infos: www.bund-nrw.de/braunkohle

erschienen am: 2017-09-28 im europaticker

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