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ISPEX Energiepreisindex: Unternehmen müssen für Strom und Gas auch im September wieder mehr
bezahlen und sollten ihren Einkauf optimieren
Strompreise für Unternehmen erneut deutlich gestiegen

Die Preise bei der Beschaffung von Strom und Gas sind für Industrie und Gewerbe auch im September erneut deutlich gestiegen. Sowohl bei den Großhandelspreisen, als auch bei den mit dem ISPEX Energiepreisindex ermittelten tatsächlich realisierten Beschaffungspreisen, stellten sich Preissteigerungen ein. Das ergab die monatliche Analyse des Energiedienstleisters ISPEX.

Wie von den ISPEX-Experten bereits erwartet, ist das Marktpreisniveau für Strom im September noch einmal deutlich angestiegen. Bereits im vierten Monat in Folge mussten Unternehmen damit erhebliche Preiserhöhungen bei der Strombeschaffung verkraften. Bei den Gaspreisen war für die Einkäufer der Unternehmen im September ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen. Hier fielen die Preiserhöhungen für die Betriebe allerdings etwas moderater aus als beim Strom.

Sprunghafter Anstieg der Strompreise in der ersten Septemberhälfte
In der ersten Septemberhälfte kam es noch einmal zu einem sprunghaften Anstieg des Preisniveaus, nachdem die Börsenpreise für Strom bereits seit einigen Wochen kontinuierlich gestiegen waren. Die Terminmarktnotierungen für die Kalenderjahre 2018 bis 2020 stiegen, gestützt durch hohe Kohlepreise, innerhalb von zwei Wochen um mehr als drei Euro je Megawattstunde an. In der zweiten Septemberhälfte war dann eine Seitwärtsbewegung des Marktes bei relativ hoher Volatilität zu beobachten. Die Preise für das Kalenderjahr 2018 lagen nach wie vor deutlich höher als die Preise für die späteren Lieferjahre. Dies war auch schon in den Vormonaten zu beobachten.

ISPEX-Energiepreisindex: Höchstes Strompreisniveau seit Ende 2014 zu verzeichnen

Die gestiegenen Börsenpreise schlugen sich erwartungsgemäß bei den erzielbaren Strompreisen für die Unternehmen nieder. Der ISPEX-Strompreisindex stieg im September gegenüber dem Vormonat um rund 0,25 Cent je Kilowattstunde. Der Wert liegt nun bei 3,795 Cent je Kilowattstunde. Innerhalb der letzten vier Monate ist damit ein Preisanstieg um über 0,70 Cent je Kilowattstunde eingetreten. Ein derart hohes Niveau hatten die Strompreise zuletzt Ende des Jahres 2014 erreicht.

„Angesichts der Marktpreisentwicklung müssen nahezu alle Unternehmen beim Neuabschluss von Stromlieferverträgen spürbare Mehrkosten verkraften. Damit kommt der professionellen Abwicklung der Strombeschaffung wieder verstärkt Bedeutung zu“, erklärt der Energiemarktexperte Andreas Seegers, Vorstandsmitglied der ISPEX AG. Nach seiner Auffassung sollten die Angebote von Stromlieferanten unbedingt im Wettbewerb geprüft werden.
„Gerade bei einem volatilen Marktpreisniveau treten aufgrund unterschiedlicher Beschaffungsmodelle häufig erhebliche Preisunterschiede zwischen verschiedenen Anbietern auf“, so Seegers. Vor allem energieintensive Unternehmen täten gut daran, ihre bisher genutzten Beschaffungsstrategien einmal grundsätzlich zu überprüfen und sie gegebenenfalls an die aktuelle Marktlage anzupassen.

Für die kommenden Wochen wird überwiegend eine Seitwärtsbewegung des Marktes erwartet. Zwar stellt die von der französischen Atomaufsichtsbehörde angeordnete vorläufige Abschaltung des Atomkraftwerks Tricastin grundsätzlich einen preisstützenden Faktor dar. Allerdings wird dieser Effekt durch das zuletzt gefallene Preisniveau für Kohle überlagert. Der Kohlepreis dürfte derzeit der wesentliche Parameter für die weitere Entwicklung des Strompreisniveaus sein.

Die Gaspreise stiegen im September ebenfalls an

Wie beim Strom gab es auch beim Erdgas in der ersten Septemberhälfte einen Preisanstieg. In der zweiten Hälfte des Monats zeigten die Preise dann eine leicht fallende Tendenz. Die Notierungen für das Lieferjahr 2018 liegen dabei nach wie vor deutlich höher als für die Lieferjahre 2019 und 2020.
ISPEX-Energiepreisindex: Gaspreise liegen etwa auf Vorjahresniveau

Entsprechend der Preisentwicklung an den Großhandelsplätzen war im September auch ein Anstieg der durchschnittlichen Angebotspreise für Industrie und Gewerbebetriebe zu beobachten. Der ISPEX Gaspreisindex stieg daher gegenüber dem Vormonat von 1,728 auf 1,792 Cent je Kilowattstunde. Somit lagen die Preise in etwa auf gleichem Niveau wie im Winterhalbjahr 2016/2017. Gegenüber dem niedrigsten Wert aus dem April des Jahres 2016 mit 1,526 Cent je Kilowattstunde beläuft sich der Preisanstieg mittlerweile auf 0,266 Cent je Kilowattstunde. Insgesamt fallen die Preisschwankungen der letzten Jahre bei Gas damit aber deutlich niedriger aus als beim Strompreis.

Klare Hinweise für steigende oder fallende Preistendenzen ergeben sich derzeit nicht. Aktuell bewegt sich der Gasmarkt eher seitwärts. Zu Beginn der Heizperiode dürfte die weitere Entwicklung der Gaspreise in den kommenden Wochen vor allem durch die aktuellen Wetterprognosen bestimmt werden. Allerdings stellen auch die Preisentwicklungen bei Kohle und Öl wesentliche Einflussfaktoren dar. Eine leichte Unterstützung für die Gaspreise geht derzeit von gestiegenen Ölpreisen aus.

„Für die Mehrzahl der Industrie- und Gewerbebetriebe ergibt sich aus der derzeitigen Marktlage bei der Gasbeschaffung noch kein dringender Handlungsbedarf. Allerdings sollte die weitere Marktentwicklung ständig beobachtet werden, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können“, stellt Andreas Seegers fest. Häufig sei es sinnvoll, vom aktuellen Vertragspreis oder einer Budgetplanung ausgehend, entsprechende Preislimits zu definieren. So könnten allzu große Preis- und Kostenschwankungen für die künftigen Lieferzeiträume vermieden werden.

Zur Methodik
Die ISPEX AG berechnet monatlich den ISPEX-Energiepreisindex Industrie für Strom und Gas. ISPEX analysiert die aktuellen Preisentwicklungen beim Strom- und Gaseinkauf für Industrie- und Gewerbebetriebe. Für den ISPEX-Energiepreisindex Industrie werden die jeweils besten abgegebenen Gebote für Sondervertragskunden im Rahmen von Auktionen und Ausschreibungen für Industriekunden zur Strom- und Gasbeschaffung auf der unabhängigen Plattform energie-handelsplatz.de erfasst. Sie werden anonymisiert und aggregiert monatlich ausgewertet.
Der Preisindex stellt den Mittelwert aller im jeweiligen Monat abgegebenen Gebote dar, unabhängig vom zu Grunde liegenden Zeitraum der Belieferung. Es wird ausschließlich der Preis für Lieferstellen von Sondervertragskunden und nur das jeweils beste Angebot der teilnehmenden Energielieferanten für eine Lieferstelle berücksichtigt. Zusätzlich wird der Preisindex für jedes Kalenderjahr berechnet. Dabei gehen nur Preisstellungen in die Berechnung ein, die scharf abgegrenzt für das bestimmte Lieferjahr gültig sind und imentsprechenden Monat des Index abgegeben wurden.

erschienen am: 2017-10-06 im europaticker

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