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BUND erwartet Umweltschäden durch Versalzung und fordert Beendigung der Haldenaufschüttung
Erweiterungspläne: K+S beantragt Haldenerweiterung am Konzern-Standort Zielitz 

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S möchte seine Halde am Konzern-Standort Zielitz erweitern, um die Kaliproduktion über das Jahr 2020 hinaus fortsetzen zu können. Hierfür hat K+S nun beim Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) einen Antrag zur Eröffnung des bergrechtlichen Planfeststellungsverfahrens eingereicht. Das Landesamt wird den Antrag in den kommenden zwei Monaten auf Vollständigkeit prüfen. Die Behörde braucht hierfür Zeit, weil allein der Rahmenbetriebsplan, den K+S für den Antrag erstellt hat, 18 Bände umfasst.

Das Kaliwerk in Zielitz gehört seit 1993 zum K+S-Konzern. Mit einer Rohsalzförderung von etwa 12 Millionen Tonnen im Jahr ist das Werk heute eines der größten weltweit, insgesamt beschäftigt K+S am Standort rund 1800 Mitarbeiter und ist damit einer der wichtigsten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts. Die bei der Kali-Produktion anfallenden Rückstände werden am Standort seit jeher aufgehaldet. Die Kapazität der im Oktober 2005 planfestgestellten ersten Erweiterung der Rückstandshalde wird sich jedoch voraussichtlich spätestens im Jahr 2020 erschöpfen.

Zur Weiterführung des Betriebes über das Jahr 2020 hinaus bis zur Erschöpfung der Lagerstätte möchte K+S die Haldenkapazität ein zweites Mal erhöhen. Danach ist beabsichtigt, ab 2020 in einem Zeitraum von circa 34 Jahren die bestehende Halde 2 in nördliche beziehungsweise nordöstliche Richtung um etwa 210 Hektar zu erweitern. Da es sich hierbei um ein Vorhaben handelt, das einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen ist, wird das bergrechtliche Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt.

BUND fordert Beendigung der Haldenaufschüttung

Die vorgesehene Haldenfläche liegt in einem naturschutzfachlich hochwertigen Mischwald innerhalb des LSG „Lindstedt-Ramstedter Forst“ einschließlich des FFH-Gebietes „Bunker Dornberg“ (Fledermausüberwinterungsquartier). In diesem Waldgebiet befindet sich ein Seeadlerbrutplatz. 13 von 21 in Sachsen-Anhalt vorkommenden Fledermausarten sind hier nachgewiesen. Neben den eintretenden Beeinträchtigungen für Natur – FFH- und artenschutzrechtlich – und Landschaft sind Risiken langfristiger Umweltschäden nicht auszuschließen, in erster Linie in Form einer Versalzung des Grundwassers und umliegender Böden.

Die Geschichte des Kalibergbaus bei Zielitz begann 1960 mit dem Bohrprogramm zur Erkundung der Kalilagerstätte „Scholle von Calvörde“. 1963 erfolgte der Beschluss zum Bau des Kalibergwerks und nur ein Jahr später, 1964, der symbolische erste Spatenstich und man begann, die ersten Schächte über der größten Lagerstätte der DDR abzuteufen. Etwa zwei Jahre später war die Endteufe erreicht, die beim Schacht I bei 806 Metern und beim Schacht II bei 740 Metern lag. 1968 wurde der VEB Kalibetrieb Zielitz „Ernst Schneller“ gegründet. Der Volkseigene Betrieb gehörte als jüngster Standort zum Kombinat Kali. 1969 begann man im Bergwerk mit der Rohsalzförderung und dem Aufbau der Infrastruktur untertage. Vier Jahre später begann die Kaliproduktion im Dauerbetrieb. Die Jahresproduktion betrug 1989 etwa 7,4 Millionen Tonnen. Im selben Jahr wurde die 100 millionste Tonne Rohsalz gefördert.

Nach der Wende in der DDR 1989/90 wurde das Bergwerk privatisiert. Zunächst wurde 1990 die Zielitzer Kali AG gegründet, die ein Jahr später in die Mitteldeutsche Kali AG eingegliedert wurde. Nach dem Zusammenschluss der Kalibergwerke 1993 wurde Zielitz Teil der K+S AG beziehungsweise der K+S Kali GmbH in der AG. Seit 1995 werden alte Grubenbaue als Untertagedeponie genutzt

Martin Westphal (rechts) übergab am 1. Juli 2017 die Werkleitung des Kaliwerkes Zielitz an Dr. Holger Hoppe (links).
Dr. Holger Hoppe ist seit Mai 2012 als Leiter der Produktion und Technik über Tage im Werk Zielitz tätig. Der 48-jährige promovierte Chemiker begann 2000 seine berufliche Laufbahn bei K+S in der Forschung und Entwicklung. Danach folgten Tätigkeiten in der Produktion und Technik auf den Kaliwerken Wintershall, Sigmundshall, sowie bei der Compo in Münster und Krefeld. Im Jahr 2012 wechselte der zweifache Familienvater schließlich zum Werk Zielitz. „Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben und sehe der kommenden Zeit positiv entgegen. Es bleibt unser unverändertes Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Werkes auszubauen und gemeinsam mit den anderen Werken den Kalistandort Deutschland zu stärken. Unseren Beitrag dazu wollen wir durch Zuverlässigkeit und hohe Produktqualität dauerhaft leisten.“, so Hoppe.

Sobald das LAGB die Vollständigkeit des Antrages feststellt, wird das Planfeststellungsverfahren durch Einleitung des Anhörungsverfahrens fortgesetzt. Hierzu werden die Antragsunterlagen unter anderem in den Gemeinden ausgelegt, in denen sich das Vorhaben voraussichtlich auswirken wird. Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, hat dann die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben. Die Antragsunterlagen werden dann auch auf der Homepage des LAGB einsehbar sein.

Tiefbohrung in der Gemeinde Westheide - Grundlage für Entwicklung des Bergwerkes in den kommenden Jahrzehnten
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Konsequente Kundenorientierung, Ausrichtung auf vier Produkt-Markt-Segmente: Agriculture, Industry, Consumers und Communities
K+S Gruppe: Ehrgeizige Wachstumsstrategie bis 2030

Bild: K+S

erschienen am: 2017-10-10 im europaticker

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