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Schmidt: Nachhaltigkeit sichert Ostseefischerei - Schutzmaßnahmen für den Aal wurden abgeschmettert
EU-Fischereirat beschließt Fangmengen für die Ostsee 2018

Der Rat der europäischen Fischereiminister hat sich heute früh in Luxemburg auf die Festsetzung der Fangmöglichkeiten in der Ostsee für 2018 verständigt. Nach deutlichen Absenkungen beim Ost-Dorsch im vergangenen Jahr, reduzieren sich die Fangmengen 2018 beim östlichen Dorsch um 8%, beim westlichen Dorsch bleiben die Fangmengen konstant. Die Gesamtfangmenge für westlichen Hering wird um 39% abgesenkt, für die Scholle sinkt sie um 10%.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein steht der heutigen Entscheidung der EU-Fischereiminister, das Aal-Fangverbot für die Ostsee nicht durchzusetzen, kritisch gegenüber. Ein weiteres Mal sind die EU-Fischereiminister nicht den Empfehlungen der Wissenschaft gefolgt. Der BUND fordert die Bundes- und Landesregierungen auf, die EU-Kommission bei der Ausarbeitung weitreichender Schutzmaßnahmen für den Aal zu unterstützen.

„Ich bin froh verkünden zu können, dass wir den Hering im Golf von Riga und den westlichen Kabeljau zu maximal nachhaltigem Ertrag bringen konnten. Für manche Bestände war eine Reduzierung der Fangquoten notwendig“, sagte Fischereikommissar Karmenu Vella im Anschluss. „Obwohl dieser Kompromiss weniger ambitioniert ist als der Kommissionsvorschlag, konnte sich der Rat auf eine Reduzierung der Fangquoten für bottnischen und westlichen Hering und um -40 und -39 Prozent einigen.“ Für die Bestände des Aals wurde zum Bedauern des Kommissars keine Einigung erreicht.

„Beim Aal zeigt die Wissenschaft klar, dass die Bestände in einem sehr kritischen Zustand sind und, dass wir die Fänge auf Null reduzieren müssen. So wie auch für andere Arten in der Vergangenheit sind kurzfristige Opfer nötig für langfristige Gewinne“, sagte Vella.

 „Die wissenschaftlichen Empfehlungen des internationalen Rates für Meeresschutz sind eindeutig: Die Todesursachen für den Aal müssen soweit wie möglich auf null reduziert werden, wenn der Europäische Aal langfristig eine Chance haben soll. Es ist enttäuschend, dass die Fischereiminister die kurzfristigen Profitinteressen der Fischerei über das Wohlergehen einer ganzen Tierart stellen“, erläutert Claudia Bielfeldt, BUND-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein. „Jetzt ist es kurz vor zwölf, die Uhr droht abzulaufen. Wir brauchen nicht nur Diskussionen zur Zukunft des Aals auf EU-Ebene, wir brauchen Ergebnisse.“

Stefanie Sudhaus, BUND-Meeresschutzexpertin in Schleswig-Holstein ergänzt: „Die Aufgabenstellung an die Politik ist jetzt klar: Bis zum nächsten Treffen der EU-Fischereiminister müssen Vorschläge für weitreichende europaweite Schutzmaßnahmen erarbeitet werden. Denn die bisherigen Aal-Managementpläne haben keine Erholung der Glasaalbestände bewirkt. Eine radikale Reduktion der Fangmengen wäre ein wichtiger Schritt gewesen.“ Nun werden die Fischereiminister andere weitreichende Maßnahmen beschließen müssen. Sonst hätte der Aal keine Zukunft, meint Sudhaus abschließend.

Dazu erklärt Bundesfischereiminister Christian Schmidt: „Nach schwierigen Verhandlungen ist uns ein tragfähiger Kompromiss gelungen. Forderungen nach weitreichenderer Quotenkürzung für Dorsch, Hering und Scholle konnten wir im Fischereirat abwenden. Bei dem Ziel nachhaltiger Bewirtschaftung der Fischbestände in der Ostsee dürfen wir die Existenzsicherung der Ostseefischerei nicht aus den Augen verlieren. Deshalb werden wir auch im kommenden Jahr unsere finanzielle Unterstützung der Fischer fortsetzen. Die notwendigen Quotenkürzungen sind schmerzlich für die deutschen Ostseefischer. Aber: Nur gute Bestände sichern langfristig die wirtschaftliche Perspektive der Ostseefischerei. Mit der heutigen Entscheidung leisten wir einen Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee.“

Backhaus: Begrenzungen der Fischfangmengen erfordern finanzielle Unterstützung

„Ich bin sehr zufrieden damit, dass die grundsätzlichen Voraussetzungen zur finanziellen Unterstützung von Betrieben, die sowohl die Dorsch- als auch die Heringsfischerei ausüben, geschaffen wurden. Damit dürfte es auch im Jahr 2018 möglich sein, bei zeitweiliger Einstellung der Fischerei aus Mitteln des Europäischen Fischereifonds, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Mecklenburg-Vorpommern entsprechende Hilfen zu gewähren“, unterstrich Minister Dr. Backhaus anlässlich der aktuellen Entscheidungen des Rates der EU-Fischereiminister. „Bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischbestände dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass Einschränkungen den Fischereisektor zu einer sozialen und wirtschaftlichen Gefährdung führen“, sagte Backhaus.

Für den für Mecklenburg-Vorpommern wichtigen Heringsbestand der westlichen Ostsee wurde eine Reduzierung um 39 % vereinbart. Das trägt der Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) Rechnung. „Ich begrüße, dass damit die von der Kommission geforderte 54 %- ige Quotenkürzung nicht umgesetzt wurde“, sagte Backhaus.

Die zulässigen Fangmengen für den Dorschbestand der westlichen Ostsee bleiben unverändert, für den Dorschbestand der östlichen Ostsee wurde eine Reduzierung um 8 % festgesetzt. Minister Backhaus brachte jedoch sein Unverständnis zum Ausdruck, dass die Fangmenge für den Dorschbestand der westlichen Ostsee nicht wie vom ICES vorgeschlagen um 8 % erhöht wurde, sondern dass die im Jahr 2017 bereits erheblich reduzierte zulässige Fangmenge beibehalten wird. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen habe der Bestand nach dem extrem schwachen Jahrgang 2015 im Jahr 2016 einen sehr starken Jahrgang produziert. Bereits für 2019 wird eine erhebliche Bestandszunahme prognostiziert. 2017 werde die fischereiliche Sterblichkeit zwar noch höher sein, als im Mehrjahresplan vorgegeben, die Fangmengen könnten im Jahr 2018 jedoch angehoben werden. Auch die Freizeitfischerei hätte entsprechend Berücksichtigung finden können. „Es wäre zu begrüßen, wenn dieser Aspekt unter Berücksichtigung sozioökologischer Belange des Fischereisektors stärker zum Tragen gekommen wäre“, so der Minister.

Zudem zeigte sich der Minister erleichtert, dass ein Aalfangverbot in der Ostsee zunächst abgewendet wurde. Die Kommission wurde beauftragt, bis zum Jahresende Vorschläge zu erarbeiten, die nicht nur die Ostsee, sondern alle relevanten EU- Meeresgebiete und die von den EU- Mitgliedstaaten im Rahmen der von der Kommission genehmigten Aalmanagementpläne bereits ergriffenen Maßnahmen, berücksichtigt. Zwar ist anzuerkennen, dass sich der Bestand des Europäischen Aals in einem kritischen Zustand befindet. „Der Aufbau des Aalbestandes sollte in erster Linie jedoch nicht durch Fangverbote, sondern entsprechend der Zielstellung der Aalverordnung durch konsequente Umsetzung der von der EU- Kommission genehmigten europäischen Aalmanagementpläne erfolgen“, forderte der Minister.

„Dazu hat Mecklenburg-Vorpommern bereits erhebliche Anstrengungen unternommen. So wurden in Binnengewässern des Landes seit 2009 mit einer Förderung von 1,89 Mio. EUR ca. 55,7 t Satzaale ausgesetzt. Des Weiteren wurde für die Küstengewässer des Landes das Mindestmaß für den Aalfang auf 50 cm angehoben“, sagte Dr. Till Backhaus. Seit Implementierung der von der Kommission genehmigten Aalmanagementpläne gibt es in Deutschland einen signifikanten Anstieg der zur Vermehrung aus den Binnengewässern in das Meer abwandernden Aale. „Dieser Ansatz muss im Mittelpunkt der weiteren Verhandlungen zum Wiederaufbau des Europäischen Aalbestandes stehen“, betonte Minister Backhaus. „Außerdem müssen verstärkte Anstrengungen ergriffen werden, um auf internationaler Ebene den illegalen Fang und Export von Glasaalen in Drittstaaten zu unterbinden“, so der Minister weiter.

Zur Festlegung der Fangquoten für die Ostsee durch die EU-Agrar- und Fischereiminister für das Jahr 2018 erklärt der fischereipolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Dennys Bornhöft: „Die Entscheidung der EU-Agrar- und Fischereiminister, die Fangmenge von Dorsch nicht zu reduzieren, ist sinnvoll. Allerdings sollte das Bag-Limit für Freizeitfischer von Dorsch überprüft und leicht erhöht werden. Andernfalls werden die deutschen Kutterfahrer stärker benachteiligt, als die Kutterfahrer unserer Nachbarländer. Die Berufs- und die Freizeitfischer müssen eine Einigung erzielen, damit der Fischerei vor der Küste Schleswig-Holsteins eine nachhaltige Basis gegeben werden kann.

Des Weiteren sorgen wir uns um den kritischen Bestand des Aals. Die EU darf nicht weitere Jahre tatenlos zusehen, dafür steht der Aalbestand insgesamt zu sehr auf der Kippe.“

Hintergrund
Deutschland konnte mit anderen Mitgliedstaaten durchsetzen, dass:

erschienen am: 2017-10-11 im europaticker

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