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Ursache dieser Spuren von radioaktivem Ruthenium-106 ist immer noch unbekannt
Ursprungsort im südlichen Ural vermutet
Spuren von Ruthenium-106 in der Luft in der Südschweiz und in Europa gemessen

Seit Ende September werden in der Südschweiz und in mehreren europäischen Ländern Spuren des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 in der Luft gemessen. Die nachgewiesenen Konzentrationen stellen keine Gefährdung für die Gesundheit dar und sind am Sinken. Die Quelle des Ausstosses ist aber nach wie vor unbekannt.

Ruthenium (v. lateinisch Ruthenia „Ruthenien“, „Russland“) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ru und der Ordnungszahl 44. Es zählt zu den Übergangsmetallen, im Periodensystem steht es in der 5. Periode und der Gruppe 8 (früher Teil der 8. Nebengruppe) oder auch Eisengruppe. Es ist ein silberweißes, hartes und sprödes Platinmetall. Ruthenium wurde 1844 vom deutsch-baltischen Chemiker Karl Ernst Claus in sibirischen Platinerzen entdeckt. Es ist sehr selten und wird nur in geringen Mengen genutzt. Die Hauptanwendungsgebiete des Metalls liegen in der Elektronikindustrie beim Perpendicular Recording, einem Datenspeicherverfahren für Festplatten, und als Katalysator in verschiedenen chemischen Verfahren wie Hydrierungen, Methanisierung oder bei der Ammoniaksynthese.

Einige Rutheniumverbindungen, z. B. die Grubbs-Katalysatoren, spielen ebenfalls eine Rolle in chemischen Synthesen. Ruthenium besitzt keine bekannten biologischen Funktionen, jedoch werden einige Komplexe des Metalls hinsichtlich ihrer Wirkung als Mittel gegen Krebs erforscht. Ruthenium ist als Metall ungiftig. Im Gegensatz zu Osmium bildet sich auch das giftige und leicht flüchtige Tetraoxid nicht durch Reaktion mit Sauerstoff bei Raumtemperatur, sondern nur bei der Reaktion mit starken Oxidationsmitteln. In Pulverform ist Ruthenium brennbar, bei Bränden darf nicht mit Wasser, sondern nur mit Löschpulver oder Metallbrandlöschern gelöscht werden

Seit Ende September wurde in mehreren Ländern im Osten und Süden Europas wie Tschechien, Österreich, Polen und Italien Ruthenium-106 in der Luft nachgewiesen. In der Südschweiz hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Rahmen der Überwachung der Radioaktivität in der Luft ebenfalls Spuren von Ruthenium-106 bei Cadenazzo im Tessin gemessen. Das BAG hat auf der Website regelmässig darüber informiert. Im Osten Österreichs wurden Werte bis zu 40‘000 micro-Bq/m3 festgestellt.

In der Schweiz waren die Konzentrationen schwächer als in den anderen betroffenen Ländern. Der Höchstwert, der zwischen dem 2. und 3. Oktober im Tessin nachgewiesen wurde, betrug 1’900 micro-Bq/m3. Dieser Wert ist 350 mal kleiner, als der für dieses Radionuklid in der Strahlenschutzverordnung festgelegte Immissionsgrenzwert in der Luft (667‘000 micro-Bq/m3). Daher besteht für die Gesundheit der Bevölkerung kein Risiko. Seither sind die Konzentrationen am Sinken. An den anderen Messorten in der Schweiz, auf der Alpennordseite gelegen, konnten für den gleichen Zeitraum keine Spuren von Ruthenium-106 nachgewiesen werden.

Die Ursache dieser Spuren von radioaktivem Ruthenium-106 ist immer noch unbekannt. Berechnungen des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz und des französischen Strahlenschutzinstitutes IRSN weisen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Ursprungsort im südlichen Ural hin. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk kann als Ursache ausgeschlossen werden, da ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde.

Obwohl von einer vergleichsweise hohen Abgabe von Ruthénium-106 ausgegangen werden muss, liegen zurzeit keine Informationen aus Russland vor. Auch die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA – welche über die Messwerte orientiert wurde – hat sich bisher nicht geäussert.

Ruthenium-106 ist ein Radionuklid, welches zum Beispiel in der Medizin zur Strahlenbehandlung von Augentumoren verwendet wird. Eine weitere, seltenere Anwendung findet Ruthenium-106 in Radionuklidbatterien, die der Stromversorgung von Satelliten dienen.

Das BAG überwacht fortlaufend die Radioaktivität in der Luft (Spurenmessungen) und publiziert die Resultate auf www.radenviro.ch, sobald die Werte verfügbar sind.

erschienen am: 2017-10-10 im europaticker

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