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Bremen: Einigung mit GolfRange ermöglicht Baubeginn ab 2020
Meilenstein für die Entwicklung des Rennbahngeländes

Die geplante Wohnungsbauentwicklung auf dem Areal der Galopprennbahn in der Bremer Vahr ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Betreiber der GolfRange entsprechen dem Wunsch der Stadt Bremen nach frühzeitiger Auflösung des Pachtvertrages und ermöglichen so einen Baubeginn im Jahr 2020. Die GolfRange GmbH erhält für die Abtretung der Nutzungsrechte aus dem bis zum Jahr 2034 laufenden Vertrag eine Entschädigungszahlung in Höhe von 3,89 Mio. Euro. Bis zum voraussichtlichen Baubeginn im Jahr 2020 wird der Spiel- und Übungsbetrieb auf der GolfRange in der Bremer Galopprennbahn ohne Einschränkungen fortgesetzt, so dass für die Mitglieder und Gäste der beliebten Golfanlage aktuell kein Handlungsbedarf besteht.

Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen konnte die Einigung am heutigen Mittwoch (4.10.2017) auf der wichtigsten deutschen Immobilienmesse Expo Real in München verkünden. „Ich freue mich, dass die Einigung mit der GolfRange zustande gekommen ist und wir nun diesen großen und wichtigen Schritt für die Entwicklung wesentlicher Teile des Rennbahn-Areals zu einem modernen Wohnquartier machen konnten. Diese Entwicklung wird einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, mehr attraktiven innerstädtischen Wohnungsbau anbieten zu können und sichert die Entwicklungsperspektiven Bremens als wachsende Stadt“, so der Senator.

Rennbahn-Ablöse: Der Senat legt sich auf Totalbebauung fest, der Flächenausverkauf geht weiter

„4 Millionen Ablöse für die Golf-Range: Damit ist die Fahrtrichtung eindeutig vorgegeben“, so Claudia Bernhard, bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zur Einigung zwischen Wirtschaftsressort und der GolfRange GmbH München, den bis 2034 laufenden Pachtvertrag der Golfrange mit der Stadt für 3,89 Mio. Euro abzulösen. „Mit dieser Entscheidung stellt der Senat die Weichen für eine investorengetriebene Entwicklung des Rennbahn-Geländes, mit einer vollständigen Bebauung der gesamten Fläche und teuren Verkaufspreisen. Er übergeht den Beirat und die Anwohner*innen, die sich gegen ein Herauskaufen der Golfrange mit Millionenbeträgen ausgesprochen hatten. Eine Beteiligung von den Menschen vor Ort sieht anders aus.

Die von der LINKEN in der Deputation kritisierte Orientierung auf Verkauf zum Höchstgebot wird jetzt mit dem Argument vorangetrieben werden, dass die 4 Mio. Euro schließlich aus dem Verkaufsgewinn refinanziert werden müssen. Während das Bau- und das Wirtschaftsressort überall von sich geben, eine hochverdichtete Bebauung mit tausend und mehr Wohneinheiten werde nicht angestrebt, schafft das Wirtschaftsressort Fakten, die genau darauf hinauslaufen. Der Flächenausverkauf geht weiter.“

„Während ohne die Beendigung des Galopp-Betriebs keine Entwicklung des Geländes möglich ist, bestand zur Ablöse des Golfrange-Pachtvertrags keine Eile“, so Bernhard weiter. „Die Entwicklung hätte ohne weiteres vom Rest der Fläche aus begonnen werden können. Die hügelige Golfanlage mit ihren Wasserflächen hätte auch später im Sinne einer öffentlichen Naherholungsfläche weiterentwickelt werden können. Daraus wird jetzt nichts, zumindest nach Willen des Senats: Das Filetstück ist teuer freigemacht worden, nun wird es auch teuer genutzt werden. Von der ursprünglichen, vom Beirat mitgetragenen Orientierung auf günstigen und bezahlbaren Wohnraum in vertretbarer Dichte und mit viel öffentlichem Grün bleibt damit nichts mehr übrig.“

„Nebenbei sind 4 Mio. Euro unverschämt viel Geld. Weder im Rahmen einer Entwicklungssatzung noch einer Enteignung erhalten Nutzer ihren angeblichen projektierten Gewinn für die nächsten 15 Jahre ausbezahlt. Niemand, dessen Eigenheim einer öffentlichen Straße weichen muss, wird bei der Entschädigung derart großzügig behandelt. Aber möglicherweise ist das dem Wirtschaftsressort ja auch egal, denn die hohe Ablöse löst die gewünschten Effekte aus. Der Refinanzierungsdruck lässt Bauinvestoren zum Zug kommen, während Anwohner und Mietsuchende mit geringem Einkommen in die Röhre schauen. Niemand im Stadtteil wünscht sich eine hochverdichtete Siedlung Rennbahn, aber der Senat geht unbeirrt darauf zu“, so Bernhard abschließend.

Neumeyer: „Erwarte vom Senat professionelle Entwicklung der Galopprennbahn“

Zur Einigung mit dem Golfclub auf der Galopprennbahn und der Stadt Bremen erklärt die baupolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Silvia Neumeyer: „Ob der Preis von knapp vier Millionen Euro zu hoch ist, mag dahin gestellt sein. Jetzt gilt es für den Senat seine bisher eher dilettantische Vorgehensweise ad Acta zu legen  und ein abgestimmtes Nutzungskonzept für die Gesamtfläche vorzulegen. Planungs- und Kommunikationsfehler müssen beiseite geräumt werden und Bau- und Wirtschaftssenator müssen zusammen eine genaue Linie für das Wohnquartier erarbeiten. Bis heute ist dies leider noch nicht geschehen und keiner kann sagen, welcher Wohnungsmix überhaupt angestrebt wird. All das muss nun endlich geklärt werden und zwar unter Einbeziehung der Menschen vor Ort, besonders zusammen mit den Beiräten Hemelingen und Vahr. Genauso fordert die CDU-Fraktion familienfreundliches Wohnen und eine integrative Entwicklung für das Quartier. Anders als bei der Überseestadt, muss es von Anfang an eine ausreichende öffentliche Infrastruktur und ein durchdachtes Verkehrskonzept geben.“

erschienen am: 2017-10-10 im europaticker

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