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EnBW ordnet Priorität bei Speicherprojekten neu - Umweltminister: Schritt in die falsche Richtung
BUND: gute Nachricht für Mensch, Umwelt und Natur
Pumpspeicherprojekt Atdorf wird nicht weiterverfolgt

Die EnBW Energie-Baden Württemberg AG verfolgt unterschiedliche Aktivitäten im Bereich der Speichertechnologien. Nach einer intensiven Prüfung aller Projekte und einer Auswertung der Ergebnisse des Erörterungstermins im Planfeststellungsverfahren für das Pumpspeicherprojekt Atdorf hat die EnBW ihre Speicheraktivitäten nun neu priorisiert: Das Neubauprojekt Atdorf wird nicht weiter verfolgt.

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Hotzenwald war ein Projekt der Laufenburger Schluchseewerk AG. Die Pläne wurden Ende September 2008 veröffentlicht. Es dient dazu, zeitliche Schwankungen in der Stromerzeugung und im Stromverbrauch durch Speicherung in Form potentieller Energie auszugleichen. Es wird bei planmäßiger Fertigstellung im Jahr 2019 oder 2021 mit bis zu 1,4 GW maximaler Leistung das größte in Europa sein. Die beiden neu zu bauenden Becken mit einem Höhenunterschied von 600 m sollen 9 Millionen Kubikmeter Inhalt haben. Das entspricht einem Arbeitsvermögen von ca. 13 GWh. Das Kraftwerk wird in einer Kaverne senkrecht unterhalb des Oberbeckens untergebracht.

In den vergangenen Jahren hatten sich weder die energiewirtschaftlichen noch die regulatorischen Rahmenbedingungen für Pumpspeicherprojekte wie Atdorf positiv entwickelt. Trotz dieser herausfordernden Marktbedingungen hatte die EnBW die Entwicklung des Pumpspeicherprojekts stets mit Nachdruck unterstützt und vorangetrieben sowie gleichzeitig ihre Aktivitäten auch auf andere Speichertechnologien ausgeweitet. Mit dem Abschluss des Erörterungstermins war in der Projektentwicklung von Atdorf nun ein weiterer Meilenstein erreicht worden, den die EnBW zum Anlass genommen hat, ihre vielfältigen Speicherprojekte neu zu priorisieren.

„Wir haben in den letzten Monaten die Ergebnisse des dreiwöchigen Erörterungstermins sowie der behördlichen Nacherörterungsgespräche der Schluchseewerk AG umfassend geprüft. Auf Basis der nun vorliegenden abschließenden Bewertung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, das Projekt nicht fortzuführen.“, so Dirk Güsewell, Leiter Portfolioentwicklung Erzeugung bei der EnBW. Zwar habe der Erörterungstermin keinen Ansatzpunkt ergeben, der die Genehmigungsfähigkeit des Projekts grundsätzlich in Frage stellen würde. Dennoch habe sich bei dieser vertieften Prüfung gezeigt, dass mit den weiter anstehenden Projektschritten erhebliche kosten- und zeitintensive Arbeiten zu erfolgen hätten. Diese betreffen unter anderem, umfangreiche Überprüfungen der ökologischen Kartierungen sowie des Flächenausgleichskonzepts. Ein belastbarer Zeitpunkt für die Umsetzung des Projekts bliebe jedoch weiter ungewiss.

Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung für die Systemstabilität und Versorgungssicherheit haben Speichertechnologien unverändert – aber mit neuem Schwerpunkt – einen festen Platz im EnBW Portfolio. Entsprechend groß bleibt das Engagement des Unternehmens in diesem Bereich. So hält die EnBW beispielsweise an ihren Kooperationen zu neuen Speichertechnologien fest, darunter die Entwicklung eines Lithium-Ionen-Speichers mit Bosch am Kraftwerksstandort Heilbronn, das Energiemanagement-Pilotprojekt mit ALDI Süd oder etwa auch weitere Pumpspeicheraktivitäten, etwa mit den Projekten Obervermuntwerk II (im Bau, Inbetriebnahme 2018 geplant) oder Forbach, einem Erweiterungsprojekt einer bestehenden EnBW-Anlage.

Energieminister Franz Untersteller bedauert Ausstieg der EnBW aus dem Speicherprojekt Atdorf
„Aus wirtschaftlichen Gründen ist die Entscheidung der EnBW nachvollziehbar. Aus energiepolitischen Gründen ist es ein Schritt in die falsche Richtung“ 

Als in der Sache sehr bedauerlich, wenn auch nicht gänzlich unerwartet bezeichnete Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller heute (11.10.) die Entscheidung der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, ihr Engagement im Speicherprojekt Atdorf im Schwarzwald aufzugeben. „Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in Pumpspeicherkraftwerke sind seit Jahren schwierig“, sagte Untersteller. „Vor diesem Hintergrund kann ich die Entscheidung der EnBW durchaus verstehen. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass EnBW und Schluchseewerk AG einen Weg finden, den Planungsprozess beim Speicherprojekt Atdorf zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.“

Untersteller bekräftigte erneut die Bedeutung von Speichern für die Energiewende, sagte aber auch, dass die Entscheidung in Bezug auf Atdorf privatwirtschaftlicher Natur und damit Sache der Projektpartner und Investoren sei. „Aus der Perspektive der Energiewende sind Energiespeicher ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Wir brauchen Speicher, um bei volatiler Einspeisung von Strom aus Wind und Sonne die Versorgung ohne Atomkraft und langfristig auch ohne Kohle zuverlässig zu gewährleisten“, so Untersteller.  

BUND zum EnBW Planungsstopp des Pumpspeicherwerk Atdorf

"Dass die EnBW AG davon abgekommen ist, das Pumpspeicherwerk Atdorf inmitten streng geschützte Natur zu bauen, ist eine gute Nachricht für Mensch, Umwelt und Natur vor Ort. Durch den Bau des PSW Atdorf hätten viele sehr seltene Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum unwiederbringlich verloren “, so Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg. Der Landesverband Baden-Württemberg und der Regionalverband Hochrhein des BUND hat den Bauplänen von Beginn an eine klare Absage erteilt, da der Eingriff in Natur und Landschaft in keinem vernünftigen Verhältnis zum gesellschaftlichen Nutzen gestanden hätte: „Ein Pumpspeicherkraftwerk war in der alten Energiewelt vielleicht eine sinnvolle Speicherart. Doch es wird den Anforderungen der Zukunft mit Erneuerbaren Energien nicht gerecht. Wir brauchen keine weiteren Kurzzeitstromspeicher. Wir brauchen Energiespeicher, die mehrere sonnen- und windarme Tage überbrücken können“, so Pilarsky-Grosch.

Zum Auftakt des Erörterungstermins zum PSW Atdorf haben im Januar 2017 BUND-Aktive in einer Aktion vor dem Erörterungsgebäude seltene Tierarten symbolisch zu Grabe getragen.

Der Regionalgeschäftsführer des BUND Hochrhein ist hoch erfreut über den Planungsstopp: „Eines der großen naturzerstörenden Projekte am Hochrhein wurde abgesagt. Dank gebührt allen Ehrenamtlichen des BUND, die mit viel Einsatz, Zeit und Arbeit über zehn Jahre gegen den Bau des PSW Atdorf gekämpft haben. Neben der Naturzerstörung von über 110 Hektar, dem Verlust von Lebensräumen, wäre auch massiv in den Wasserhaushalt im Hotzenwald eingegriffen worden“, so Ulrich Faigle, Regionalgeschäftsführer.

Weitere Informationen:

 

erschienen am: 2017-10-12 im europaticker

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