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Fachverband Biogas veröffentlicht Branchenzahlen für 2016 - 186 der 205 Neuanlagen sind güllebasiert
Vorgaben zur Flexibilisierung wirken sich aus
Biogas vermeidet 20 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr

Nach den heute vom Fachverband Biogas vorgestellten Branchenzahlen sind im vergangenen Jahr 205 neue Biogasanlagen ans Netz gegangen – und damit etwas mehr als die vom Verband zunächst prognostizierten 150. Allerdings wurden auch zehn Anlagen stillgelegt. In der Summe kommen diese Anlagen auf eine Leistung von 45 Megawatt (MW), wobei 37 MW arbeitsrelevant sind, also tatsächlich Strom erzeugen, und acht MW „überbaut“, also flexibel eingesetzt werden. "Insgesamt ist das Wachstum bei den Neuanlagen im Vergleich zu früheren Jahren nach wie vor sehr gering. Zum Glück investieren viele Betreiber in die Flexibilisierung ihrer Anlagen. Diese Investitionen wie auch das Exportgeschäft ermöglichen den Anlagenbauern derzeit das Überleben“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide.

Vor dem Hintergrund der in dieser Woche vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Zahlen, nach denen die Bundesregierung die bis 2020 selbst gesteckten Klimaziele krachend verfehlt, weist der Präsident des Biogasverbandes auf die Klimaleistung von Biogasanlagen hin: „Wir vermeiden mit unseren Biogasanlagen jedes Jahr CO2-Emission in Höhe von 20 Millionen Tonnen. Dieser Trend wird durch den vermehrten Zubau von Güllekleinanlagen noch ansteigen.“ Denn diese sind bekanntlich besonders effizient bei der Vermeidung von Treibhausgasemissionen. „Wenn wirklich, wie von der Kanzlerin versichert, alles dafür getan werden soll, die Klimaziele zu erreichen, müssen in den Koalitionsvereinbarungen Maßnahmen vereinbart werden, die einen klaren Pfad zur CO2-Vermeidung durch Biogas festlegen“, fordert der Präsident.

Die von Horst Seide erwähnten Investitionen in die Flexibilisierung spiegeln sich im Leistungszubau der bestehenden Anlagen wider. Viele Anlagenbetreiber gehen den Weg der Flexibilisierung und rüsten ihre Bestandsanlagen auf. Dies zeigt sich durch Zusatzinvestitionen in Gasspeicherkapazitäten und BHKW-Leistung. Insgesamt haben die Bestandsanlagen 2016 eine zusätzlich überbaute Leistung von 175 MW installiert. Zusammen mit den Neuanlagen bedeutet das für die Biogasbranche einen Zubau von 219 MW, wovon 183 MW flexibel und damit ohne eine Erhöhung der erzeugten Strommengen betrieben werden.

„Mit dem EEG 2017 haben wir nun komplett neue anspruchsvolle Rahmenbedingungen und auch die administrativen Vorgaben werden immer komplexer. Es ist erfreulich, dass sich die Akteure davon nicht abschrecken lassen. Nichtsdestotrotz müssen wir nach der ersten Ausschreibungsrunde, die am 1. September mit gerade mal 24 Zuschlägen und einem Volumen von 27,5 MW abgeschlossen wurde, nachbessern“, fordert Seide.
Für das laufende Jahr 2017 prognostiziert der Fachverband Biogas einen leichten Rückgang beim Anlagenneubau. Erwartet werden ca. 143 Anlagen, wovon allein 130 Güllekleinanlagen sind. Nach Abzug von Stilllegungen geht der Fachverband von einem Nettozubau von 137 Neuanlagen aus. Bei den Bestandsanlagen verstärkt sich nochmal die Flexibilisierung und führt zu einer prognostizierten Leistungserhöhung um 239 MW. In der Summe mit den Neuanlagen führt dies zu einer neu installierten Leistung von 260 MW.

Damit steht in Deutschland zum Ende dieses Jahres eine Biogas-Leistung von knapp 4.500 MW zur Verfügung. Gemeinsam erzeugen diese Anlagen knapp 33 Terawattstunden Strom und versorgen damit über neun Millionen Haushalte. Darüber hinaus entsteht bei der Stromerzeugung eine extern verfügbare Wärme für die ganzjährige Versorgung von 1,6 Millionen Haushalten. „Die politisch und gesellschaftlich geforderte Sektorenkopplung ist eine Grundeigenschaft der Biogastechnologie“, betont Seide. „Mit Biogas haben wir einen Energieträger, der weit mehr kann als „nur“ klimafreundlichen Strom zu erzeugen. Biogas bietet Lösungsansätze für die dringend nötige Wärmewende, Biogas ist speicherbar – kurzfristig in der Biogasanlage oder langfristig als Biomethan im Gasnetz Mit Biomethan haben wir eine klimafreundlichen und praxistauglichen Kraftstoff - und wir stärken darüber hinaus die Landwirtschaft und die Biodiversität auf den Feldern. Ich bin sicher, dass sich die künftige Bundesregierung von diesen Vorteilen überzeugen lässt und Biogas seinen erfolgreichen Weg fortsetzen wird“, sagt Seide.

erschienen am: 2017-10-12 im europaticker

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