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Durchbruch bei der Gewinnung von Energie aus Zuckerrohr und Cassava
Addax verkauft Energieprojekt in Sierra Leone

Addax verkauft die Mehrheit am Agrotreibstoffprojekt in Sierra Leone an Sunbird Bioenergy. Diese verspricht den Durchbruch bei der Gewinnung von Energie aus Zuckerrohr und Cassava. Bisher wurde die Bevölkerung vor allem enttäuscht. Es hat sich gezeigt, dass solche Grossprojekte nicht zur nachhaltigen Entwicklung von ländlichen Regionen taugen.

2011 begann der Genfer Konzern Addax Bioenergy in Sierra Leone Zuckerrohr anzupflanzen. Zahleiche Dörfer verloren dadurch grosse Teile ihres Landes. Mitte 2015 hat Addax den Betrieb eingestellt und Ende September 2016 das Projekt an britisch-chinesische Investoren verkauft. Wann und wie der Betrieb neu starten wird und was das für die Bevölkerung bedeutet, bleibt offen.

2009 pachtete der Genfer Konzern Addax Bioenergy in der Region Makeni in Sierra Leone 54‘000 Ha Land, um Zuckerrohr anzubauen und Bioethanol für den europäischen Markt herzustellen. Gleichzeitig sollte aus den Abfällen Elektrizität für das nationale Netz entstehen. Als Vorzeigeprojekt für ein nachhaltiges Investitionsmodell pries Addax das Projekt an. Öffentliche Gelder von acht Entwicklungsbanken finanzierten rund die Hälfte der Investitionen von zuletzt 455 Mio. Euro. Ein Teil davon stammte aus dem Schweizer Entwicklungshilfebudget. Diese öffentlichen Gelder wurden zurückbezahlt – doch die negativen Auswirkungen des Projektes bleiben.

Seit über einem Jahr steht das Projekt von Addax Bioenergy in der Region Makeni in Sierra Leone still. Ein Grossteil der Arbeiter wurde freigestellt und erhielt nur noch einen Teil des Lohnes, Saisonarbeitskräfte verloren ihre Arbeit. «Das brachte viel Not und Mangel», stellte Mohamed Conteh fest, Leiter von Silnorf, der Partnerorganisation von Brot für alle in Sierra Leone. «Den Leuten fehlt das Land zur Sicherung ihrer Ernährung, seit sie es verkauft oder verpachtet haben. Denn die Pachtverträge sind noch immer rechtsgültig. Dazu kommt, dass die Entschädigungen für das Land viel zu tief sind».

Wie schnell jetzt wieder bezahlte Arbeitsplätze angeboten werden, bleibt offen. Von Addax wurden viele Versprechen nicht oder nur teilweise erfüllt. «Das darf sich nicht wiederholen», betont Conteh. Das gelte in den Dörfern, aber auch landesweit: So habe Addax bisher die Energieversorgung von Sierra Leone nicht verbessert, sondern vor allem grosse Mengen Strom verbraucht. Statt das fast 140 Kilometer entfernte wirtschaftlichen Zentrum des Landes, die Hauptstadt Freetown, mit Strom zu versorgen, wurden erst 40 Masten und 10 Kilometer Leitung gebaut.

Brot für alle unterstützt Silnorf weiter

Die Käuferin Sunbird Bioenergy teilt mit, sie wolle den Betrieb «so schnell wie möglich» wieder aufnehmen. Zugleich verspricht sie faire Konditionen für die Bäuerinnen und Bauern. Auch wolle sie «zur Entwicklung der Gemeinden» beitragen. «Brot für alle wird Silnorf und die Bevölkerung weiterhin unterstützen, damit sie sich für ihre Rechte einsetzen können», sagt Silva Lieberherr, Fachperson Landwirtschaft und Land Grabbing bei Brot für alle.

Künftig wird Addax Bioenergy zu 75,1 Prozent von Sunbird Bioenergy kontrolliert. Dafür brachte sie neues Kapital ein. Das Geld stammt von China New Energy und weiteren Investoren, teilte diese chinesische Firma in einer Börsenmitteilung mit. Wie gesichert die Zukunft der Bauernfamilien in Sierra Leone damit wird, bleibt offen. Der von unabhängigen Börsenbeobachtern geführte Dienst Shareprophets setzte China New Energy auf ihre Liste der Firmen mit zweifelhaftem Ruf. Mit dem Kauf sichert sich die Gruppe in Sierra Leone die 23 500 Hektaren Land, die Addax für 50 Jahre gepachtet hat. Davon wurden anfänglich 10 000 ha mit Zuckerrohr bepflanzt. Sunbird Bioenergy will jetzt zusätzlich 2000 ha mit Cassava bepflanzen, einem der Grundnahrungsmittel in Afrika. Nach der Transaktion bleibt die frühere Besitzerin von Addax Bioenergy, die in Genf ansässige AOG, noch mit knapp einem Viertel beteiligt. China New Energy finanzierte bereits andere Projekte von.Sunbird Bioenergy. Diese betreibt in mehreren Ländern südlich der Sahara Projekte, um aus Zuckerrohr und Cassava Energie zu gewinnen.

Entwicklungsbanken beachteten Regeln zu wenig

Addax Bioenergy wurde einige Zeit als Vorzeigeprojekt präsentiert. Es wurde mit dem Label RSB für nachhaltige Energiegewinnung ausgezeichnet und erhielt bedeutende Mittel von Entwicklungsbanken. AOG hat diese zurückbezahlt. Über die Afrikanische Entwicklungsbank (AEB) und den EAIF (Emerging Africa Infrastructure Fund) war auch die Schweiz beteiligt. Entwicklungsbanken investieren auch aufgrund ihrer internen Regeln zur nachhaltigen Finanzierung. Im Fall Addax wurden diese von ihnen ungenügend eingehalten. Das belegt eine von Brot für alle und Brot für die Welt (Deutschland) veröffentlichte Studie. Insbesondere im Hinblick auf Transparenz und Beteiligung der Betroffenen gebe es grossen Nachbesserungsbedarf. Wie viele andere Projekte wurde auch Addax Bioenergy rasch zu einem Fall von Land Grabbing mit negativen Folgen für die Bevölkerung.

Darum fordert Brot für alle, dass die Schweiz und die anderen Geldgeber der Entwicklungsbanken Kredite sorgfältiger vergeben. Es dürfen keine Projekte unterstützt werden, die zu Land Grabbing führen, womit die Bevölkerung ihren Boden nicht mehr nutzen und ihre Ernährung nicht mehr sichern kann. Zu dieser Verantwortung der Schweiz als Kreditgeber von Entwicklungsinstitutionen hat auch Maja Ingold, Nationalrätin und Stiftungsrätin von Brot für alle, mit einer Interpellation in der Herbstsession vom Bundesrat Auskunft und Vorgaben gefordert.

Wir bewegen Menschen

Brot für alle ist die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz. Wir bewegen Menschen im Norden zu einer verantwortungsvollen Lebensweise und engagieren uns entwicklungspolitisch für das Recht auf Nahrung und Ethisch Wirtschaften. Im Süden unterstützen wir Menschen, sich aus Not und Hunger zu befreien und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Gemeinsam mit Partnern vor Ort zeigen wir Missstände auf und setzen uns für die Rechte der Betroffenen ein.

erschienen am: 2017-11-02 im europaticker

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