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VGT deckt auf und veröffentlicht erschreckende Aufnahmen
SPÖ fordert Konsequenzen nach erneutem Tierquälerei-Skandal
Unversorgt durch Europa – Das Schicksal der Milchkälber

Monatelang waren Tierschutz-AktivistInnen Kälbertransportern auf der Spur. Mit umfangreichem Foto- und Videomaterial dokumentierten sie den leidvollen Weg der Milchkälber von Vorarlbergs Bauernhöfen bis in die riesigen Masthallen Italiens. Damit eine Kuh wirtschaftlich gesehen ausreichend Milch gibt, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Kälber werden meist noch am Tag der Geburt von ihren Müttern getrennt. Die meisten weiblichen Kälber werden später als Milchkühe weitergenutzt, die männlichen sind für die Milchwirtschaft nutzlos. Auch für die Mast eignen sie sich, aufgrund der Züchtung auf Milchleistung, kaum.

Sie werden verkauft, wobei ihr Marktwert bei nur 50 bis 80 Euro liegt. Diese Kälber sind ein ungewolltes Nebenprodukt der Milch-, und Käseproduktion – dementsprechend grob ist auch der Umgang mit ihnen. Tausende Kälber werden jedes Jahr aus Vorarlberg ins Ausland transportiert – mehr als 80.000 aus ganz Österreich.

Brutaler Umgang in Sammelstelle – 148 Anzeigen

In einer Sammelstelle in Schwarzach werden Kälber von Bauernhöfen aus ganz Vorarlberg angeliefert. Sie sind für den Weitertransport nach Italien, Spanien und Polen bestimmt.

Tobias Giesinger, Kampagnenleiter des VGT, beschreibt: Das Videomaterial aus versteckten Kameras zeigt erschreckende Szenen: Bei der Verladung werden die verängstigten Tiere an den empfindlichen Schwänzen und Ohren gezerrt und hochgehoben. Sie werden von Anhängern gestoßen und getreten. Dies sind keine Einzelfälle, sondern stellen die gängige Praxis dar – insgesamt 148 Anzeigepunkte gegen den Sammelstellenbetreiber, Tiertransportfahrer und Viehhändler wurden vom VGT an die Behörden übergeben. Auch die Verwendung von nicht-rutschfesten Rampen, auf denen die Tiere stürzen, oder der Transport von Kälbern in einem VW-Bus wurde zur Anzeige gebracht.

Durstig quer durch Europa

Die Kälber sind zwischen 2 und 8 Wochen alt und noch von der Muttermilch abhängig. Die Tiere müssen während der kompletten Transportzeit Hunger und Durst leiden, denn eine Versorgung auf den Fahrzeugen ist nicht möglich. Da es keine geeigneten Tränksysteme für Saugkälber gibt, dürften die Transporte lt. EU-Verordnung nicht länger als 8 Stunden dauern. Im aktuell dokumentierten Fall betrug die Fahrzeit von Schwarzach zu einer Sammelstelle in Bozen 9 Stunden. Hierbei ist die Transportzeit der Sammeltransporte nach Schwarzach nicht miteingerechnet – der Großteil der Tiere war also noch deutlich länger unversorgt unterwegs.

Kälbermasten in Italien

Jährlich werden etwa 1,5 Mio. männliche Kälber aus allen Ländern der EU nach Italien importiert. Großbetriebe mit bis zu 10.000 Tieren haben sich auf die Mast von Milchkälbern spezialisiert. Die Vorschriften in der Haltung sind im Vergleich zu Österreich niedriger, was das Geschäft noch lukrativer macht.

In großen, oft fensterlosen Hallen werden die Kälber die ersten Wochen in Einzelboxen untergebracht. Mit ihren kleinen Klauen rutschen sie immer wieder in die Spalten ab, mit denen der Boden durchzogen ist. Eine weiche Unterlage wie Stroh oder Heu gibt es nicht.

Tobias Giesinger abschließend: Selbst wenn die Transportfahrzeuge den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen würden und die Behandlung der Tiere korrekt wäre, sind Langstrecken-Transporte von nicht entwöhnten Kälbern nicht tiergerecht durchführbar. Da die Kälber noch von der Muttermilch abhängig sind, können sie während der kompletten Transportzeit nicht versorgt werden. Ein Umstand, der nicht nur eine enorme Qual für die betroffenen Tiere bedeutet, sondern auch gegen die EU-Tiertransportverordnung verstößt. Als VGT fordern wir deshalb ein gesetzliches Transportverbot für Tiere, die noch nicht von der Muttermilch entwöhnt sind.

Besorgniserregende Häufigkeit systematischer Gewalt gegen Tiere in Landwirtschaft

Die SPÖ sieht nach der erneuten Aufdeckung eines Tierquälerei-Skandals in Vorarlberg dringenden Handlungsbedarf in der Tierschutz- und Landwirtschaftspolitik. „Es ist besorgniserregend, wie oft von derartigen Zuständen berichtet wird“, zeigt sich SPÖ-Tierschutzsprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger von den Bildern schockiert. Inzwischen komme im Landwirtschaftsbereich alle paar Monate ein neuer Fall grober Tierquälerei ans Tageslicht; man müsse fast schon annehmen, dass solche Fälle fixer Bestandteil des Systems Landwirtschaft sind. Die Sozialdemokratin drängt daher die Landesregierung zum Handeln: „Es kann nicht sein, dass wir es akzeptieren, wenn in unserem Land wehrlose Lebewesen geschunden und gequält werden. Vom ‚Tierschutzland Nr. 1‘ sind wir weit entfernt. Landwirtschafts- und Tierschutzlandesrat Erich Schwärzler muss jetzt dringend handeln.“

Neue Amtstierarztregelung und Kontrollausschuss
Als erste Sofortmaßnahme möchte Gabi Sprickler-Falschlunger, dass die Amtstierärzte generell beim Verladen der Tiere direkt anwesend sind, nicht eventuell nur vorher: „Es ist wenig sinnvoll, wenn Amtstierärzte bei Auslandstransporten nicht direkt bei der Verladung dabei sind. Das Verladen ist die kritischste Situation für die Tiere. Ich möchte daher, dass die Tierärzte direkt beim Verladen dabei sein müssen.“ Zur Besprechung weiterer Schritte fordert sie Landesrat Erich Schwärzler dazu auf, im Rahmen der Sitzung des Kontrollausschusses am kommenden Mittwoch ausführlich über den bisherigen Wissensstand zu berichten und den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen.  

erschienen am: 2017-11-07 im europaticker

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