europaticker:
HCB Görtschitztal 2: Ständige Kontrollen der Altlast K20 in Wietersdorf und bei Donau Chemie Brückl
Räumung und Entsorgung der Futtermittel aus Steinbruch Wietersdorf soll in nächsten Monaten erfolgen

Drei Jahre nach Bekanntwerden der Causa bestätigen Probenergebnisse aller Fachabteilungen, dass getroffene Maßnahmen in die richtige Richtung gehen. Als im November 2014 erstmals die HCB Grenzwertüberschreitungen im Görtschitztal publik wurden, hat man seitens der Landes bzw. der zuständigen Fachabteilungen, rasch und unbürokratisch umfangreiche Maßnahmen eingeleitet bzw. in Angriff genommen um die Umweltcausa in den Griff zu bekommen. Seit drei Jahren gibt es seitens des Landes in unterschiedlichen Fachbereichen regelmäßige Untersuchungen, Probenziehungen und Monitorings. Zudem wurden Projekte und Initiativen forciert, um dem Tal bzw. seinen Menschen neue Perspektiven zu geben.

Von der Sanitätsdirektion wurde bis dato das Blut von 303 Personen auf HCB untersucht. Rund 25 Prozent dieser Personen zeigten Werte über der in Österreich anzunehmenden Hintergrundbelastung. In der Allgemeinbevölkerung liegt dieser Anteil bei fünf Prozent. Diesem Personenkreis mit einer messbaren Erhöhung der inneren Belastung wurden Nachuntersuchungen angeboten. Bei den ersten Nachuntersuchungen im Jahr 2016 nahmen 22, bei den zweiten Nachuntersuchungen im Jahr 2017 47 Personen teil. Die nächsten Nachuntersuchungen sind in der ersten Jahreshälfte 2018 geplant. Alle bisher gemessenen Werte lagen in einem Bereich, in dem gesundheitlich nachteilige Auswirkungen nicht zu befürchten sind. Dennoch wurde die Medizinische Universität Wien beauftragt, ein toxikologisches Gutachten zur Abschätzung langfristiger Gesundheitsfolgen zu erstellen. Das Gutachten wird Ende dieses Jahres erwartet.

Von 2014 bis 2017 wurden von der Lebensmittel-Aufsicht 1.151 amtliche Proben gezogen, um diese auf Rückstände von Hexachlorbenzol überprüfen zu lassen. Im Jahr 2017 wurden 97 Proben gezogen. Von den 35 Proben im Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften in der Region Görtschitztal hielten alle den Rückstandshöchstwert und den Vorsorgewert der Med. Univ. Wien für HCB ein.

Die erste Probenaktion für Waren der Direktvermarkter aus der Region Görtschitztal ergab, dass alle 39 Proben den ab 10. Mai.2017 geltenden Rückstandshöchstwert für HCB einhielten. Drei Proben überstiegen den Vorsorgewert der Medizinischen Universität Wien. Die Untersuchung wurde noch auf die Parameter Blei, Cadmium, Arsen, Eisen, Kupfer, Zink, Chrom, Molybdän, Cobalt und Nickel ausgeweitet. Auch hier waren keine Rückstandsüberschreitungen oder Auffälligkeiten feststellbar.

Die zweite Probenaktion im Bereich der Direktvermarktung erfolgte im Oktober 2017. Die Ergebnisse stehen noch aus. Die Lebensmittelaufsicht wird die Untersuchungen in der Region Görtschitztal im kommenden Jahr weiterführen.

Seitens des Instituts für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt des Landes Kärnten (ILV Kärnten) wurde auch im Jahr 2017 die kostenfreie Untersuchung von Privatproben (Eigenproduktion) angeboten.

Für den Veterinärbereich wurde die HCB-Umweltcausa im Jänner 2016 abgeschlossen, da keinerlei Handlungsbedarf betreffend das Veterinärwesen mehr gegeben war.

Von der Landwirtschaftsabteilung wurden heuer insgesamt 110 Futtermittelproben gezogen. Die Proben wurden auf HCB und Schwermetalle (Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber) untersucht.
Alle Frischgrasproben aus dem Umfeld des Wietersdorfer & Peggauer Zementwerkes lagen bezüglich des HCB-Gehaltes unter der Bestimmungsgrenze. Die Schwermetallgehalte waren in Spuren nachweisbar, welche weit unter den gesetzlichen Grenzwerten für Futtermittel lagen. Es wurden insgesamt neun Frischgrasproben im Bereich Zementwerk genommen.

Beim Deponie-Monitoring im direkten Umfeld um die Brückler Kalkdeponie "K20" wurden 41 Vorernteproben und 60 Frischgrasproben gezogen. Alle 101 Futtermittelproben lagen unter dem gesetzlichen Grenzwert für HCB. In drei Proben war HCB nachweisbar, allerdings weit unter dem gesetzlichen Grenzwert.

Die Umweltabteilung führte laufend Untersuchungen und Monitorings in den Bereichen Luft, Grundwasser, Oberflächenwasser und Boden durch.
Die Schwerpunkte der Luftuntersuchungen lagen, abgesehen von der kontinuierlichen Luftgütemessstation am Pemberg, in den letzten Monaten zunehmend im Umfeld der Altlast K20 in Brückl, nachdem die Werte im Bereich Wietersdorf unauffällig waren. Dabei wurden kontinuierliche Luftgütemessungen (Halbstundenmittelwerte) im unmittelbaren Nahbereich der Altlast K20 sowie HCB-Immissionsmessungen an neun Schwerpunktstandorten im Umfeld der Altlast K20 sowie an einem Standort im oberen Görtschitztal (Kl. St.Paul - Pemberg) durchgeführt.

Die Auswertung der Luftqualitätsmessungen (HCB-Passivsammlermessungen) für die Jahre 2015 und 2016 zeigen, dass im gesamten Bereich des Görtschitztales nördlich von Brückl bereits im Jahr 2015 der durch das Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien speziell für das Görtschitztal empfohlene Langzeitimmissionsgrenzwert (Jahresmittelwert) von 2 ng/m³ eingehalten wurde.

Während die Auswertung von Luftimmissionsmessungen an vier Messstellen direkt neben der Altlast K20 in den Monaten Jänner bis März 2017 noch Überschreitungen des Langzeitrichtwertes der Med Uni Wienzeigte, nehmen diese Werte ab April 2017 wiederum deutlich ab. Dieser Datenverlauf ist darauf zurückzuführen, dass die multifunktionale Oberflächenabdichtung der Altlast inzwischen fertiggestellt worden ist. Die Inbetriebnahme der Bodenluftabsaugung und Reinigung mit Aktivkohlefilter ist bereits im Gange.

Mit der Umschließung des Altlastkörpers mittels Dichtwand soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Des Weiteren ist eine Grundwasserreinigung vorgesehen. Durch diese Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass Schadstoffe weder in die Luft, noch in das Grundwasser gelangen können. Die von Seiten der Umweltabteilung auch in den nächsten Monaten und Jahren vorgesehenen umfassenden Untersuchungen und Messungen sollen der Beweissicherung dienen.
Die Fichtennadeluntersuchungen auf HCB und Quecksilber erfolgten unter Mithilfe der Landesforstdirektion an 24 Standorten im Görtschitztal sowie an einem Hintergrundstandort im Lesachtal. Von der Umweltabteilung wird zudem das Bioindikatormessnetz unter Berücksichtigung der Messergebnisse permanent angepasst.

Einen wesentlichen Erfolg konnte mit der Änderung der EU RückstandsVO erzielt werden. Aufgrund der an das EU-Parlament am 15.10. 2015 gerichteten Petition des Landes Kärnten kam es zu einer europaweiten Herabsenkung der meisten Grenzwerte für HCB in Lebensmitteln.

Neben einer umfassenden Informationskampagne für die Bevölkerung des Tales gab es in den letzten drei Jahren ein engmaschiges Umwelt-Bio-Monitoring, eine regelmäßige Beprobung der Milch und aller Milchprodukte, von Fleisch, Obst, Gemüse, pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln und von Honigprodukten. Weiters erfolgten Immissionsmessungen von Hexachlorbenzol (HCB), Hexachlorbutadien (HCBD), Trichlorethen (Tri), Tetrachlorethen (Per) und Schwermetalle sowie Fichtennadeluntersuchungen auf HCB und Quecksilber (Hg) - in den letzten Monaten mit dem Schwerpunkt "Umfeld Altlast K20 der Donau Chemie".

Um festzustellen, ob die durch die Abteilungen der Kärntner Landesregierung gesetzten umfassenden Monitoringmaßnahmen ausreichend sind, und wie lange diese fortzusetzen sind, wurde das Umweltbundesamt mit dem Projekt "Evaluierung des Bio-Monitorings" durch das "Zukunftskomitee "Görtschitztal" beauftragt. Dafür sind Mittel von 90.000 Euro vorgesehen, die je zur Hälfte vom Bund (Lebensministerium) und vom Görtschitztalfonds finanziert werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Drei Jahre nach Bekanntwerden der Causa bestätigen die Probenergebnisse von Lebensmittelaufsicht, Veterinärwesen, der Gesundheits-, Landwirtschafts- und der Umweltabteilung, dass die getroffenen Maßnahmen in die richtige Richtung gehen.

HCB Görtschitztal 2: Altlast K20 - Dritte Stufe des Sicherungsprojektes in Umsetzung

Ein Kontroll- und Untersuchungsschwerpunkt des Landes in den vergangenen Monaten galt der Altlast K20 der Donau Chemie und dem Wietersdorfer Zementwerk". Die dabei im Laufe des Jahres gemessenen Daten zeigen eine deutliche Abnahme der Werte, zurückzuführen ist dies auf die gesetzten Sicherungsmaßnahmen. Zusätzlich findet ein erweitertes Grundwasseruntersuchungsprogramm statt.

Die im UVP-Bescheid der Kärntner Landesregierung (Abteilung 7 - Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und Mobilität) im Jahr 2003 verankerten Emissionsgrenzwerte waren bereits strenger als es die Regelungen der Abfallverbrennungsverordnung für Zementwerke vorsieht und werden gegenwärtig auf der Grundlage der behördlichen Kontrollen durch über 20 externe Sachverständige der Abfallwirtschafts- und UVP-Behörde im Zusammenhang mit den vorgelegten Messberichten von der w&p Zement GmbH ständig auf ihre Einhaltung überprüft und im Falle der Feststellung von Mängeln Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Durch entsprechende Verfahrensanordnungen werden die Mängel beseitigt.

Überdies wurden mit einem Bescheid vom Juni 2016 für einige Schadstoffe strengere Emissionsgrenzwerte durch geeignete technische Maßnahmen und Vorkehrungen zusätzlich aufgetragen. Zudem wurde das Verbot der thermischen Behandlung bestimmter Abfallarten verfügt und die Grundlagen der Rechtsordnung für diese Maßnahmen zugunsten der Bevölkerung ausgereizt.

Mit der heuer in Betrieb genommenen Nachverbrennungsanlage werden Grenzwerte verankert, die deutlich über den verpflichtenden aktuellen Stand der Technik hinausgehen. Diese macht Wietersdorf unter Berücksichtigung der bereits behördlich genehmigten Quecksilberreduktionsanlage zum modernsten und schadstoffärmsten Zementwerk Mitteleuropas. Es bleiben die behördlich genehmigten Gesamtabfallmengen von 100.000 Tonnen, wie sie im UVP-Bescheid 2003 festgelegt wurden unverändert. Zudem verzichtet W&P aktuell auf das Einbringen gefährlicher Abfälle.

Aufgrund der von den Behörden gesetzten Schritte hat das Umweltministerium im Wege der Kommunalkredit auch eine Förderung für die Quecksilberreduktionsanlage zugesichert und dabei eine für die Bevölkerung des Görtschitztals, die Umwelt und den Wirtschaftsstandort wichtige und zukunftsträchtige Investition unterstützt.

Aber nicht nur in Wietersdorf, sondern auch im Bereich der Altlast K20 der Donauchemie wurden die entsprechenden behördlichen Schritte der Altlastensanierungsbehörde gesetzt. Das nunmehr von der Donauchemie vorliegende Sicherungsprojekt wird in drei Stufen umgesetzt.

Nunmehr befindet sich Stufe drei in Umsetzung. Sie umfasst die Grundwasserhaltung samt Grundwasserreinigungsanlage mit Aktivkohlefilter (Umschließung des Altlastenkörpers mittels Schlitzdichtwand und die Errichtung einer Grundwasserreinigungsanlage) und soll bis Jahresende 2017 umgesetzt sein. Stufe eins und zwei zur Sicherung der Altlast sind bereits abgeschlossen. Stufe 1 umfasste: a) Die Errichtung einer multifunktionalen Oberflächenabdichtung inklusive horizontaler Saugleitungen. b) Die Errichtung einer Oberflächenentwässerung zur kontrollierten Fassung und Ableitung von Niederschlagswässern. c) Die Rekultivierung der Oberfläche und d) die Errichtung einer Bodenluftabsauganlage. In der Stufe 2 wurde die Abluftreinigungsanlage mit Aktivkohlefilter mit der geplanten Einreichung durch die Donauchemie im Frühjahr 2017 umgesetzt und das Projekt für die Ummantelung der Altlast K20 ausgearbeitet.

Ziel der Sicherung ist es, durch Maßnahmen wie das Abdichten des Deponiekörpers, die Emissionen von Schadstoffen über die Luft wie auch über das Wasser (Grundwasser) zu verhindern bzw. zu minimieren. Durch ein begleitendes umfassendes Monitoring der Umwelt (Boden, Luft, Grundwasser, Gurk etc.) wird die Wirkung der Sicherung kontrolliert und laufend bestätigt.

Im Wesentlichen wurde ein Luft-Monitoring (dauerregistrierende Luftgütemessungen, HCB-Passivsammlermessungen, Bioindikatormessungen) sowie ein Futtermittel-Monitoring im Umfeld der Altlast(auf Grundlage der Empfehlungen des Umweltbundesamtes), aber auch Kontrollen im Grundwasser vorgeschrieben. Damit ist sichergestellt, dass Schadstoffe weder in die Luft und noch durch die Ummantelung in das Grundwasser gelangen.

Die Maßnahmen und Schritte im Görtschitztal sind auf der Homepage des Landes unter http://www.ktn.gv.at/302398e_DE-HCB abrufbar.

Bezüglich der derzeit noch im Steinbruch Wietersdorf gelagerten mit HCB belasteten Futtermittel teilt die Bezirkshauptmannschaft St. Veit/Glan mit, dass seitens der Betriebsinhaberin bereits mehrere Varianten für die Durchführung einer ordnungsgemäßen, dem Gesetz sowie den Erfordernissen des Umweltschutzes entsprechenden Entsorgung konzipiert und der Abfallwirtschaftsbehörde der Bezirkshauptmannschaft vorgelegt wurden. Sie wurden bereits beurteilt. Angesichts der Komplexität der Angelegenheit bedarf die letztgültige Festlegung eines Entsorgungsplanes jedoch noch weiterer konzeptiver Maßnahmen. An ihnen wird gearbeitet. Mit einer Umsetzung der Entsorgung und damit einer Räumung der Lagerplätze ist nach derzeitigem Stand im Laufe der nächsten Monate zu rechnen.

FPÖ: Die Kontrolle von Mastbetrieben wurde dem Tierschutzreferenten bewusst entzogen
Kärnten: Sofortmaßnahmen nach Anzeige von Unregelmäßigkeiten in Schweinemastbetrieb

Ergebnisse der Funk-Arbeitsgruppe in nächster Regierungssitzung Thema
Maßnahmenkatalog der interdisziplinären Arbeitsgruppe wurde weitgehend umgesetzt

Kärnten: HCB-Skandal im Görtschitztal

„Schandfleck des Jahres“ ging an die w&p Zement GmbH und an das Bundesministerium
für Inneres (BMI)

Kärtner Initiative bringt strenge HCB-Grenzwerte für Lebensmittel in ganz Europa

Österreich: Netzwerk Soziale Verantwortung verleiht Schmähpreis an verantwortungslose
Unternehmen und Institutionen

„Schandfleck des Jahres“ geht an die w&p Zement GmbH und an das Bundesministerium für Inneres (BMI)

60 Aktenordner an Unterlagen und Beweismitteln untersucht und Ergebnisse in einem
über 200 Seiten starken Bericht zusammengefasst

Kärnten: Ausschussvorsitzender Korak legt HCB-U-Ausschuss-Bericht vor

erschienen am: 2017-11-12 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken