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Durch die Verklappung im Küstenbereich werden Feinsedimente in der Wassersäule freigesetzt
Umwelt- und Fischereiverbände fordern besseren Schutz für niedersächsisches Wattenmeer

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, zugleich Weltnaturerbe, dient dem Schutz einer naturnahen, von Gezeiten und natürlicher Dynamik geprägten Meereslandschaft. Gleichzeitig stellt dieser Küstenbereich einen intensiv genutzten Wirtschaftsraum dar. Insbesondere das niedersächsische Wattenmeer mit den Flussmündungen der Ems, Jade, Weser und Elbe wird mannigfaltig genutzt: für Hafenindustrie, Schifffahrt, Pipeline- und Kabeltrassen, Verklappungen, Tourismus, Fischerei und anderes mehr. Dabei wirken sich einige der Nutzungen besonders negativ auf das Ökosystem aus. „Im niedersächsischen Küstenmeer wird doppelt so viel gebaggert und verklappt wie in allen anderen Wattenmeer-Anrainerstaaten zusammen“, kritisieren Naturschutz- und Fischereiverbände heute in einem Offenen Brief an die niedersächsische Landesregierung. „Diese enormen Belastungen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer müssen umgehend gestoppt werden.“

In der Kritik steht neben den fortlaufenden Baggerarbeiten vor allem die Verklappung von Feinmaterial aus angrenzenden Flussmündungen wie der Emsschlick. Diese suspensionsartige Masse legt sich wie ein Leichentuch über das Leben auf dem Meeresboden und beeinträchtigt Tiere und Pflanzen in diesem hochsensiblen Lebensraum stark. Naturschützer und Fischer verfolgen hierbei das gleiche Ziel: der Erhalt eines intakten Wattenmeer-Ökosystems. Denn die Fischerei ist für ihre Erwerbsquelle ebenso auf gute Wasserverhältnisse und stabile Sedimente angewiesen wie die Flora und Fauna des Wattenmeeres. „Die zunehmenden Baggerungen, Sedimentumlagerungen und Verklappungen wirken sich massiv auf die Fischerei aus“, sagt Kapitän Dirk Sander (Vorsitzender des Landesfischerei Verbandes Weser-Ems sowie der deutschen Kleinen Hochsee- und Küstenfischer). In den Mündungsgebieten von Ems, Jade, Weser und Elbe, aber auch in den Fahrwassern zu den ostfriesischen Inseln wird ständig gebaggert. Immer meh  r Bereiche gehen durch die Auswirkungen dieser Eingriffe der Garnelen- und Muschelfischerei verloren.

Fischerei- und Naturschutzverbände fordern angesichts dieser für das natürliche Ökosystem katastro-phalen Situation von der zukünftigen Landesregierung ein Ministerien übergreifendes Konzept zu einem dem Naturraum angepassten Sedimentmanagement, welches die Baggergut- und Verklappungsmengen erheblich reduziert. Zudem fordern sie einen länderübergreifenden Sedimentmanagementplan für die Schutzbereiche des trilateralen Wattenmeergebietes. „Niedersachsen braucht eine Strategie, um Baggerungen zur Unterhaltung und Vertiefung von Fahrwassern im Nationalpark und in den benachbarten Gebieten der empfindlichen Ästuar-Lebensräume in Umsetzung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf das unbedingt nötige Maß zu begrenzen“, sagt Holger Wesemüller, Wattenmeerkoordinator niedersächsischer Umweltverbände.

HINTERGRUND: Durch die Verklappung im Küstenbereich werden Feinsedimente in der Wassersäule freigesetzt, die zu einer großen Feinsedimentverdriftung führen, was das Leben vieler Meeresbewohner beeinträchtigt und damit auch die Fischerei stark behindert. Durch Baggerungen freigesetztes Rollholz aus Torfschichten verunreinigt die Fänge. Insbesondere behindern die Schwebstoffe in der Wassersäule das Wachstum von verschiedenen Muschelarten, welche zur Nahrungsaufnahme das Wasser filtrieren, was damit auch empfindliche Einbußen bei den Muschelfischern bedeutet. Das Baggergut wird auf großen Verklappungsflächen im Wattenmeer ausgebracht, von denen große Strömungsfahnen der Sedimentverfrachtung in die Schutzgebiete hineindriften.

erschienen am: 2017-11-13 im europaticker

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