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Bundeseigenes Unternehmen treibt immer mehr Transporte von der Schiene auf
Deutschlands belastete Straßen
Stahlrecyclingbetriebe: DB Cargo-Probleme noch lange nicht gelöst

Im August 2017 hatte eine Umfrage der BDSV (Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen e. V.) unter ihren Mitgliedsfirmen ergeben, dass 77 Prozent unzufrieden sind mit Service, Preis und Leistung Deutschlands größten Schienengüterverkehrsunternehmens. Auf Nachfrage sagt ein Sprecher des Konzerns, der sich im bundesbesitz befindet, die DB Cargo habe in den letzten Monaten durch schwere Unwetter sowie umfangreiche Baumaßnahmen innerhalb des Streckenennetzes vor besonderen Herausforderungen gestanden. Die Antwort, die Sie von der DB Cargo bekommen haben ist so unverbindlich und oberflächlich wie alles was wir in den letzten fünf Monaten gehört haben, meint indes Bettina Schuler-Kargoll, die Assistentin der Geschäftsführerin der Schuler Rohstoff GmbH.

Die DB Cargo Deutschland Aktiengesellschaft (bis 29. Februar 2016 DB Schenker Rail Deutschland Aktiengesellschaft, bis 15. Februar 2009 Railion Deutschland Aktiengesellschaft) ist das größte europäische Eisenbahnverkehrsunternehmen im Schienengüterverkehr. Sie ist zu 100 Prozent eine Tochter der DB Cargo AG und ist dem Geschäftsfeld DB Cargo innerhalb des Konzerns Deutschen Bahn AG zugeordnet. Die Zentrale befindet sich in Mainz. Die Deutsche Bahn AG ist ein deutsches Verkehrsunternehmen mit Sitz in Berlin. Es entstand 1994 aus der Fusion der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn und Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das zu 100 % bundeseigene Unternehmen ist das größte Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Mitteleuropa und bereits seit mehreren Jahren international tätig

Ein aktueller Fall aus der Stahlrecyclingbranche zeigt, so hieß es in der Aussendung des Branchenverbandes, welche konkrete Auswirkungen die u. a. unzureichende Waggongestellung und organisatorische Defizite bei der DB Cargo auf das operative Geschäft eines Unternehmens haben können. So berichtet die Geschäftsführerin der Schuler Rohstoff GmbH aus Deisslingen, Bettina Schuler-Kargoll, Mitglied im BDSV Präsidium, dass ihr Unternehmen seit Wochen viel zu wenige Güterwaggons von der DB Cargo bekomme. Bei der derzeitigen Hochkonjunktur habe das Stahlrecyclingunternehmen einen monatlichen Wareneingang von 23.000 Tonnen, von denen 60 Prozent im Warenausgang normalerweise mit der DB Cargo transportiert würden. Anstatt der notwendigen 20 Waggons pro Woche habe der Betrieb anfangs nur noch die Hälfte, später so gut wie gar keine Waggons mehr erhalten.

Unternehmenschefin Bettina Schuler-Kargoll: „So kann es nicht weitergehen! Seit vier Wochen erhalten wir so gut wie keine Waggons und werden nur noch vertröstet!“ Sie weist darauf hin, dass die Waggons, die ihr Unternehmen seit Ende August 2017 nicht erhalten habe, für 118 zusätzliche LKWs auf den ohnehin von Staus geprägten Straßen gesorgt haben. „Hinzu kommt, dass unser Unternehmen als Zulieferer von Stahlschrott langfristige Verpflichtungen hat. Mit den Stahlwerken in Italien bestehen Monatsverträge, die uns verpflichten, vereinbarte Stahlschrottmengen innerhalb einer bestimmten Frist zu liefern“, so Schuler-Kargoll weiter. Aufgrund der unzureichenden Waggongestellung würden die Logistikaufwendungen des mittelständischen Unternehmens täglich steigen. „Diese Kosten müssen wir tragen, und leider nicht der Verursacher!“, so das ernüchternde Fazit der Unternehmenschefin. In Protestschreiben hat sich Schuler-Kargoll nun an die Politik gewandt. Große Hoffnung, dass sich die Situation in absehbarer Zeit verbessert, hat sie jedoch nicht.

DB Cargo bedauert die Unannehmlichkeiten, die der Schuler Rohstoff GmbH durch die nicht ausreichende Bereitstellung von Leerwagen entstanden sind.

"DB Cargo stand in den letzten Monaten durch schwere Unwetter sowie umfangreiche Baumaßnahmen innerhalb des Streckenennetzes vor besonderen Herausforderungen, die zu teilweise starken Einschränkungen im geplanten Betriebsablauf geführt haben. Hinzu kam, dass unsere geplanten Betriebsabläufe durch die Sperrung der Rheintalstrecke bundesweit gestört wurden", schreibt uns ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. "Die Zahl unserer Güterwagen ist natürlich für die regelmäßig an uns übertragenen Transportaufträge ausreichend. Die geschilderten Einflüsse auf unsere Produktion führten jedoch dazu, dass Güterwagen aufgrund erforderlicher Umleitungen viel länger gebunden waren, als wir es geplant hatten

Mittlerweile konnten wir die Auswirkungen der geschilderten Einflüsse weitestgehend beseitigen, so dass wir nun wieder an Maßnahmen zur Wiederherstellung der gewünschten Verfügbarkeit für die bestellten Güterwagen arbeiten können.Wir sind zuversichtlich, dass wir so unsere Leistungsqualität erheblich verbessern, so dass wir unser Transporte zukünftig wieder regelmäßig zuverlässig durchführen können.
Grundsätzlich gibt es eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Stahltransporten, auf die wir mit der Beschaffung zusätzlicher Stahltransportwagen reagieren".

Unverständnis bei den betroffenen Unternehmen

Die Antwort, die Sie von der DB Cargo bekommen haben ist so unverbindlich und oberflächlich wie alles was wir in den letzten fünf Monaten gehört haben, meint indes Bettina Schuler-Kargoll, die Assistentin der Geschäftsführerin der Schuler Rohstoff GmbH.

In den Monaten Juni, Juli hatten wir auch eine sehr schleppende Versorgung mit Waggons zu beklagen. Die Aussage damals war, dass durch die gestiegenen Stahlschrottpreise der  Bedarf an Waggons enorm gestiegen sei und deshalb ein Engpass entstanden sei. Im August dann die Schienenabsenkung bei Rastatt und bis jetzt keine Erholung dieser dramatischen Unterversorgung. Die Wahrheit ist, dass es nicht genügend Waggons gibt. Jeder Waggon, der wegen Reparaturarbeiten ausrangiert wird, wird nicht ersetzt. (Hat mir ein Mitarbeiter der Bahn gestanden)

Im Grunde genommen, will die Bahn nur lukrative Streckennetze bedienen und der Einzelwagenverkehr besonders hier im Süden, ist der Bahn seit MORA C ein Dorn im Auge.

Was mich wundert ist, dass nicht noch mehr Kollegen sich beschwert haben. Das Problem haben alle. Ob im Raum Krefeld, München oder bei uns – es kommen zu wenig Waggons. Und die Politiker schauen zu und machen nichts. Ich habe mich nach Stuttgart und Berlin gewandt aber es kam nicht einmal eine Antwort.

erschienen am: 2017-11-13 im europaticker

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