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Internationaler Tag des Bodens: Gute Böden sind essenziell für Grundwasserschutz
10 Jahre Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt

Zahlreiche Aktionen machen am heutigen Tag auf die lebenswichtige Bedeutung der Böden aufmerksam, die auch einen unverzichtbaren Beitrag für den Grundwasserschutz leisten. „Am Weltbodentag ist es für uns Kommunale ein besonderes Anliegen, das Augenmerk auf unsere Böden zu richtig. Denn deren Schutz und der Trinkwasserschutz sind eng miteinander verknüpft”, sagt Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).

Der Weltbodentag wurde 2002 beim 17. Weltkongress der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) ins Leben gerufen. Zahlreiche Aktionen machen an diesem Tag auf die lebenswichtige Bedeutung der Böden aufmerksam. So leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für Klimaschutz, Artenvielfalt und Nahrungsmittelversorgung.

Alarmierender Zustand der Gewässer in Deutschland

Wenn die Böden jedoch – etwa in Folge starker landwirtschaftlicher Düngung – zunehmend belastet sind, führt das insbesondere bei einem abnehmenden Nitratabbauvermögen der Böden zu steigenden Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Auch die kürzlich vom Bundesrat verabschiedete Stoffstrombilanzverordnung wird daran nichts ändern, da sie eine Reihe neuer Schlupflöcher aufmacht. Vor allem große Betriebe könnten letztlich sogar mehr düngen als vorher. „Wir verlieren damit erneut wertvolle Jahre für den Gewässerschutz, dabei ist es längst fünf nach zwölf. Die Gewässerqualität kann man sich nicht schönrechnen. Wir brauchen endlich ein echtes Steuerungsinstrument für den Schutz des Wassers. Andernfalls müssten die Verbraucher mit höheren Preisen und zusätzlichen Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung rechnen“, so Reiche. „Böden schützen heißt Trinkwasserressourcen schützen.“

Aus Sicht der kommunalen Abfallwirtschaft ist zu begrüßen, dass in die Stoffstrombilanzverordnung eine sogenannte Länderöffnungsklausel aufgenommen wurde. Damit können die Besonderheiten bestimmter Düngemittel berücksichtigt werden, wodurch die Stoffstrombilanzverordnung mit der Düngeverordnung sinnvoll harmoniert, die bereits eine entsprechende Öffnungsklausel für den Ländervollzug enthält. Die Länder können so den weiteren Einsatz von Komposten aus Bioabfällen ermöglichen, die zum größten Teil nicht auswaschbaren Stickstoff enthalten und zur Bodenverbesserung beitragen. Damit ist die Kreislaufwirtschaft von Bioabfällen gesichert.

Global Nature Fund (GNF): Alarmierender Zustand der Gewässer in Deutschland

Ökologischer Zustand bei 70 % schlecht, 65 % der Feuchtgebietslebensräume sind akut bedroht, mit schlechter Prognose für die Zukunft. Einträge aus der Landwirtschaft und Nutzung durch den Menschen sind dabei die Hauptursachen. Mikroverunreinigungen durch Medikamente, Hormone und Mikroplastik bringen weitere Risiken. 50 Vertreter aus ganz Deutschland fordern von Bund und Ländern mehr Mittel und den Abbau von Subventionen, die für Seen und Feuchtgebiete schädlich sind.

Für den Gewässerschutz und die Biologische Vielfalt unter Wasser fordern Experten aus ganz Deutschland mehr finanzielle Ressourcen und den Abbau schädlicher Subventionen. Zehn Jahre nach Verabschiedung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt der Bundesregierung gibt es für die Biologische Vielfalt am und im Wasser keine Verbesserung: Rund 70 % der Wasserkörper weisen nach Daten des Umweltbundesamtes einen mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand auf und verfehlen damit die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtinie bei weitem.

65 % der Lebensräume (Biotoptypen) am und im Wasser, Seen, Moore, Feuchtwiesen, sind laut Roter Liste der gefährdeten Biotoptypen in Deutschland akut gefährdet bis hin zu ihrer vollständigen Vernichtung bedroht. Seen in Deutschland sind an Tier- und Pflanzenarten verarmt und ökologisch instabil. Wichtige Ökosystemdienstleistungen können nicht erbracht werden oder sind gefährdet. Für einige dieser Lebensräume gibt es kaum Hoffnung auf Regeneration, zu weit fortgeschritten und zu fundamental sind die Schäden. Der Einsatz von Stickstoffdüngern und Pestiziden, Hormonen und Chemikalien in der Landwirtschaft, die Entsorgung von Gülle aus der Massentierhaltung auf Acker- und Grünlandflächen sowie die intensive Nutzung für Sport und wirtschaftliche Zwecke durch den Menschen lassen Tieren und Pflanzen im und am Wasser kaum Platz zum Leben. Arzneimittel, Hormone und Plastikrückstände sind schon heute in vielen Gewässern und in der limnischen Nahrungskette nachweisbar, mit steigender Tendenz. Die möglichen Folgen sind heute noch kaum abschätzbar.

Dieses ernüchternde Resümee ziehen 50 Fachleute und Vertreter von Umwelt- und Naturschutzorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei einer dreitägigen Tagung in Radolfzell am Bodensee zur aktuellen Situation der Feuchtgebiete. Aus unterschiedlichen Fachgebieten wurde dabei deutlich, dass Seen und Feuchtgebiete in Deutschland weiter in der Defensive sind. Während sich der hydrologische und chemische Zustand in den vergangenen Jahrzehnten durch Maßnahmen wie den Bau von Kläranlagen und das Verbot von Phosphat in Waschmitteln deutlich verbessert hat, bleibt die Biologische Vielfalt das Sorgenkind der Gewässerexperten.

Hindergrund: Der Global Nature Fund (GNF) ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung für Umwelt und Natur mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Die Arbeitsschwerpunkte des GNF liegen in den Bereichen Naturschutz, nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, Wasser & Living Lakes, Biodiversität & Unternehmen sowie der Umweltbildung.

Netzwerk Lebendige Seen Deutschland

Das Netzwerk ist verknüpft mit der erfolgreichen internationalen Umweltinitiative “Living Lakes“, die über 140 engagierte Partnerorganisationen weltweit einschließt. Im Mittelpunkt des Netzwerks stehen die dauerhafte und nachhaltige Entwicklung von Seen und Feuchtgebieten. Das Netzwerk schafft eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen, die vor Ort für den Schutz der Seen und Feuchtgebiete aktiv sind. Mehr Informationen unter: www.globalnature.org/Netzwerk-Deutschland

erschienen am: 2017-12-04 im europaticker

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