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Feinstaubbelastung selbst in Nichtraucher-Bereichen von „gemischten Lokalen“ 4fach höher als auf der Straße
Sima fordert Umsetzung des generellen Rauchverbots

„Während wir als Stadt Wien seit vielen Jahren erfolgreich gegen die Feinstaubbelastung im Freien kämpfen, will die FPÖ nun das beschlossene generelle Rauchverbot kippen und nimmt mit dieser populistischen Forderung eine enorme Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub im Innenbereich in Kauf“, kritisiert Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima. Die FPÖ rüttelt laut Medienberichten am im Jahr 2015 beschlossenen generellen Rauchverbot, das im Mai 2018 in Kraft treten soll. „Das ist völlig inakzeptabel, denn die Feinstaubbelastung ist selbst im Nichtraucherbereich von sogenannten `gemischten‘ Lokalen enorm und um ein Vielfaches höher als auf der Straße“, warnt Sima.

Sie verweist in diesem Zusammenhang auf mehrere Mess-Serien, die der renommierte Umwelthygieniker Professor Manfred Neuberger in über 100 Wiener Gastronomiebetrieben durchgeführt hat. Untersucht wurden dabei die für Zigarettenrauch relevanten Feinstaubpartikel.

Dramatische Feinstaub-Werte sogar im Nicht-Raucherbereich

Die Ergebnisse waren eindeutig: Während in reinen Nichtraucherlokalen im Mittel 10 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen wurden, waren es in den Raucherräumen von sogenannten ,gemischten‘ Lokalen 321 µg/m³ mit Belastungsspitzen bis zu 3082 µg/m³. (!)

Doch nicht nur das: Sogar in den Nichtraucherbereichen dieser gemischten Lokale wurden hier Werte von durchschnittlich 68 µg/m³ gemessen. „Eine räumliche Trennung zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich ist nicht zielführend, stehen doch meist Türen offen oder sind so undicht, dass der Zigaretten-Rauch ungehindert in die Nichtraucherräume strömt“, so Sima.
Zum Vergleich: Draußen, im Freien, lagen die Messwerte von Prof. Neuberger bei rund 15 µg/m³. Somit sind die Werte im Nichtraucherbereich von gemischten Lokalen über viermal so hoch wie im Freien.

„Unsere jahrelangen Anstrengungen im Kampf gegen den Feinstaub im Außenbereich zeigen längst Wirkung, wir haben in allen Verursacherbereichen – vom Winterdienst, über die Raumwärme, über Baustellen bis hin zum massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs – angesetzt und schützen die Wienerinnen und Wienern vor der Feinstaubbelastung“, so Sima. Wien hält die EU-Grenzwerte für Feinstaub seit vielen Jahren ein. Dass die Menschen nun im Innenbereich weiter belastet werden sollen, sei laut Sima „schlichtweg unfassbar“.

FPÖ kritisiert Feinstaubbelastung und belastet weiter im Innenraum

„Dass nun gerade jene, die immer groß dran sind, wenn es um die winterliche Feinstaubbelastung geht, nun die ganzjährige Belastung im Innenraum prolongieren, ist mehr als zynisch“, so Sima. Für sie ist die Umsetzung des beschlossenen generellen Rauchverbots in Lokalen unabdingbar. Auch im Sinne des ArbeitnehmerInnen-Schutzes, da das Personal in diesen Lokalen ja auch ständig in den Raucherzonen arbeiten muss. „Die Einführung von generellen Nichtraucherlokalen jetzt wieder zu kippen, nur um kurzfristig ein bisschen politisches Kleingeld abzukassieren, wäre ein fataler Rückschritt“, so Sima. Sie pocht auf die Umsetzung des vor drei Jahren beschlossenen Gesetzes. Kontrolliert wird dieses dann in Wien von der MA 59 - Marktservice, die im Zuständigkeitsbereich von Sima liegt. Die Abteilung bereitet sich auf intensive Schwerpunktkontrollen ab Mai 2018 vor.

Breite Allianz für allgemeines Rauchverbot

Sima unterstützt auch den Appell von hochrangigen Vertretern des österreichischen Gesundheitswesens, die ÖVP-Chef Sebastian Kurz kürzlich aufgefordert haben, am beschlossenen Rauchverbot in der Gastronomie nicht zu rütteln: Denn Österreich habe laut zweier internationaler Studien derzeit die schwächsten Nichtrauchergesetze Europas. Dabei belegt eine weitere Analyse von Nichtraucherschutzgesetzen in 21 Ländern, dass nach der Einführung von Nichtraucherschutzgesetzen sich die Zahl der Herzinfarkte, aber auch der Frühgeburten sowie Asthmaerkrankungen bei Kindern zurückgingen.

Die Folge des schwachen Nichtraucherschutzes in Österreich ist: Während im OECD-Durchschnitt rund 18 Prozent der Erwachsenen täglich rauchen, sind es in Österreich immer noch über 24 Prozent. Die Folge ist: Das Institut für Höhere Studien (IHS) errechnete eine durch das Rauchen verursachte jährliche Belastung von 750 Millionen Euro für die österreichische Volkswirtschaft. Diese enormen Kosten entstehen unter anderem durch Arbeitsausfälle, Krankenbehandlungen und Invaliditätspensionen.

erschienen am: 2017-12-04 im europaticker

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