europaticker:
In der Großregion zwischen dem Saarland, Lothringen, Luxemburg, Wallonien und Rheinland-Pfalz
sind viele Menschen täglich mit Grenzen konfrontiert
Europäisches Zentrum für Grenzraumforschung in der Großregion

Um der Grenzraumforschung in der Großregion zu internationaler Sichtbarkeit zu verhelfen, bauen die sechs Mitglieder des Verbunds Universität der Großregion – UniGR gemeinsam ein europäisches Zentrum für Grenzraumforschung auf. In diesem interdisziplinären Forschungsbereich, der auch im Deutschen meist mit dem englischen Begriff „Border Studies“ bezeichnet wird, arbeiten hauptsächlich Geistes- und Sozialwissenschaftler zum Thema „Grenzen“. Sie forschen etwa über die Bedeutung und die Auswirkungen wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Grenzen. Für das in dieser Form einzigartige wissenschaftliche Zentrum erhalten die Projektpartner von der Europäischen Union eine Förderung von insgesamt etwa 2 Mio. Euro, verteilt über drei Jahre.

In der grenzüberschreitenden Großregion zwischen dem Saarland, Lothringen, Luxemburg, Wallonien und Rheinland-Pfalz sind viele Menschen täglich mit Grenzen konfrontiert: Pendler auf dem Weg zur Arbeit, aber auch Verwaltungen und Wirtschaftsunternehmen. Das neue europäische Zentrum soll helfen, den Austausch zwischen diesen regionalen Akteuren und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Grenzen zu erleichtern. So ist etwa geplant, in einem dreisprachigen Glossar (auf Deutsch, Englisch und Französisch) zentrale Begriffe der Border Studies zu erläutern und in einer Datenbank wichtige Dokumente und Informationen zu grenzüberschreitenden Studien ebenfalls dreisprachig zur Verfügung zu stellen. „Eine systematische Aufstellung von Schlüsselbegriffen der Border Studies in drei Sprachen gibt es so bisher noch nicht. Die Bestandsaufnahme und genaue Erklärung von Termini ist aber für die grenzüberschreitende Arbeit der Regionen wichtig. Zudem schaffen wir auch für die Forschung im Bereich Border Studies eine einzigartige disziplinen- und sprachenübergreifende Grundlage“, sagt Astrid Fellner, Professorin für Amerikanistik und wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts an der Saar-Uni. Weitere Aktivitäten des Zentrums umfassen wissenschaftliche sowie öffentliche Veranstaltungen rund um das Thema Grenzraumforschung.

Auch die Studierenden der sechs Universitäten in der Großregion werden von dem Projekt profitieren. Um die grenzüberschreitende und mehrsprachige Lehre zu vereinfachen, sollen Lösungen im Bereich des Blended Learning entwickelt werden, bei dem Präsenzveranstaltungen mit modernen Formen des E-Learning verknüpft werden. Peter Dörrenbächer, Professor für Kulturgeographie und Koordinator des trinationalen Masterstudiengangs „Border Studies“, erklärt: „Wir verlangen von unseren Studierenden im Master „Border Studies“ sehr viel Mobilität. Mithilfe der digitalen Lehrmaterialien, die wir in diesem Projekt erstellen werden, können wir diese sehr engagierten Studierenden noch besser unterstützen und somit zu einem grenzüberschreitenden Lehr- und Lernraum beitragen.“

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer begrüßt die eingeworbene EU-Förderung des Projekts: „Ich freue mich, dass das Zentrum für Grenzraumforschung in beachtlicher Höhe Unterstützung durch europäische Interreg-Fördermittel erhält. Die systematische Erforschung der Grenzregionen in Europa ist ein absolut wichtiges und zukunftsträchtiges Thema auf der EU-Agenda. Es passt zur Frankreichstrategie des Saarlandes, dem Europaschwerpunkt der Universität des Saarlandes ebenso wie zu den Leuchtturmbereichen der Universität der Großregion, sich diesem wichtigen Thema konzentrierter zu widmen und aus unserer europäischen Grenzregion heraus neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Sie können die Diskussion über die Zukunft Europas und den Beitrag der Grenzregionen dazu substanziell bereichern. Angesichts der politischen Entwicklungen wie dem Brexit, der Unsicherheit über den EU-Haushalt und der Zukunft der Interreg-Programme brauchen wir eine europäische Debatte über den Beitrag der EU und der Grenzregionen heute dringender denn je.“

An der Schaffung des europäischen Zentrums für Border Studies arbeiten rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der sechs UniGR-Hochschulen mit. Getragen wird das Projekt von der Zentrale des grenzüberschreitenden UniGR-Verbunds, der damit seine Bedeutung in der europäischen Hochschullandschaft festigt.

Das Projekt mit dem offiziellen Titel „Border Studies – Europäisches Kompetenz- und Wissenszentrum für Grenzraumforschung (Border Studies)“ startet im Januar 2018 und wird drei Jahre lang durch das Programm Interreg VA Großregion der EU gefördert. Die Fördersumme für alle Projektpartner beträgt rund 2 Mio. Euro über den Zeitraum von drei Jahren. Die Universität des Saarlandes erhält darüber hinaus eine Förderung durch das Saarland in Höhe von 79.000 Euro, was etwa 10 Prozent des Projektanteils der Saar-Uni entspricht.

Hintergrundinformationen zur Universität der Großregion:

Die Universität der Großregion ist ein innovativer Verbund der Universitäten Kaiserslautern (D), Lüttich (B), Lothringen (F), Luxemburg (LU), des Saarlandes (D) und Trier (D). Die Zusammenarbeit der sechs Universitäten der Großregion, 2008 im Rahmen eines EU-Projekts gestartet, wurde nach der Projektlaufzeit verstetigt. Seit 2015 besitzt der Verbund eine eigene Rechtsform, die es ihm ermöglicht, Projekte im Dienste seiner Mitglieder zu tragen und die Koordination der Zusammenarbeit sicherzustellen.

Die geographischen Entfernungen zwischen den Universitäten Kaiserslautern, Lüttich, Lothringen, Luxemburg, Trier und des Saarlandes sind leicht zu überwinden. Bis vor wenigen Jahren gab es jedoch noch große administrative Hürden, die nach und nach aufgehoben wurden. Sobald Studierende sich heute in einer der Partneruniversitäten der „Universität der Großregion“ (UniGR) einschreiben, profitieren sie kostenlos vom Angebot der anderen fünf Universitäten. Dank des UniGR-Studentenstatus ist es möglich, an Kursen und Prüfungen teilzunehmen, kostenlos die Bibliotheken zu nutzen, sowie in allen Universitätsmensen zum Studententarif zu essen. Die Studierenden bereichern ihren Universitätsalltag durch interkulturelle Erfahrungen und die Entdeckung der unterschiedlichen Lehrmethoden der Nachbarländer.

Die Vernetzung der Forscher in der Großregion ist ebenfalls eine zentrale Aktivität der UniGR, insbesondere innerhalb ihrer Leuchtturmbereiche: Grenzraumstudien („Border Studies“), Materialwissenschaft und Ressourceneffizienz sowie Biomedizin. Seminare, wissenschaftliche Workshops oder Konferenzen, bei denen die Wissenschaftler der Großregion sich kennenlernen, haben bereits zahlreiche grenzüberschreitende Projekte hervorgebracht.

Hintergrundinformationen zum Programm Interreg V A Großregion:

Das Programm INTERREG V A Großregion fördert grenzüberschreitende Kooperationen zwischen lokalen und regionalen Akteuren im Gebiet der Großregion. Es führt damit die Zusammenarbeit in der Großregion fort, die bereits im Rahmen der Vorgängerprogramme INTERREG III (2000-2006) und INTERREG IV (2007-2013) bestand.

Mehr Information unter www.interreg-gr.eu.

erschienen am: 2017-12-05 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken