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"Stabile" Ergebnisse bei zunehmenden Herausforderungen - Lesen muss gestärkt werden
Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen

Mit IGLU/PIRLS wird seit 2001 alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich untersucht. Mit der Erhebung im Jahr 2016 hat sich Deutschland das vierte Mal an IGLU beteiligt. Die Leseleistungen der Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland sind seit 2001 stabil über dem internationalen Mittelwert - trotz einer zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft. Dies zeigen die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016, die heute in Berlin vorgestellt wird. Allerdings ist es Deutschland nicht gelungen, seine Position in der internationalen Rangfolge zu halten.

Deutschland nimmt seit dem Jahr 2001 an der Progress in International Reading Literacy Study (PIRLS) bzw. der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) teil, die das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler, ihre Einstellung zum Lesen und ihre Lesegewohnheiten am Ende der Grundschulzeit erfasst. PIRLS/IGLU wird in einem fünfjährigen Rhythmus durchgeführt. Die nächste Erhebung findet im Jahr 2021 statt. An PIRLS/IGLU 2016 haben insgesamt 47 Staaten und 10 Regionen teilgenommen. In Deutschland wurden 4.277 Schülerinnen und Schüler aus 208 Schulen in die Untersuchung einbezogen.

Auf internationaler Ebene ist die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) Initiator und verantwortlich für die Organisation. National wurde PIRLS/IGLU 2016 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wilfried Bos, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund, durchgeführt. 

"Die Ergebnisse bestätigen tendenziell das, was wir aus dem im Oktober 2017 veröffentlichten IQB-Bildungstrend 2016 bereits wissen: Die zunehmend heterogene Schülerschaft stellt die Grundschulen in Deutschland vor große Herausforderungen. Der internationale Vergleich zeigt, dass es einer Reihe von Staaten im Grundschulbereich besser gelingt, die Leseleistungen zu verbessern. Diesen Fortschritt gilt es zu analysieren", so die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Dr. Susanne Eisenmann.

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, stellt fest: "Die Ergebnisse zeigen: Erfolg ist nicht selbstverständlich. Deutschland muss sich mehr anstrengen, damit die Leistungen der Grundschulkinder besser werden. Die Bildungsgerechtigkeit muss gestärkt und die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund verbessert werden."

 
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick


 
Bildungspolitische Folgerungen
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen ein weiteres Mal die Bedeutung von Maßnahmen der Sprachförderung, die im schulischen und vorschulischen Bereich weiter zu intensivieren sind. Lesen muss als Querschnittsaufgabe aller Schulfächer - auch noch in der Sekundarstufe I - verstanden werden. Die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft macht es unabdingbar, alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich individuell zu unterstützen. Dabei bedarf es einer gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen. Gleichzeitig darf auch die Leistungsspitze nicht aus dem Blick geraten. Für den Umgang mit der zunehmenden Vielfalt im Klassenzimmer brauchen Lehrkräfte spezielle didaktische und diagnostische Kompetenzen, die verstärkt nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Fortbildung vermittelt werden müssen.
KMK-Präsidentin Dr. Susanne Eisenmann: "Lesen ist eine grundlegende Kulturtechnik und der Schlüssel zum Bildungserfolg. Dementsprechend werden wir das Lesen innerhalb der Schule und über alle Fächer hinweg weiter stärken. Zugleich gilt es, in der Schule Anregungen zu setzen, dem Lesen auch in Freizeit und Elternhaus wieder einen höheren Stellenwert zu verleihen. Schulen sollten Eltern dabei unterstützen, ihren Kindern Lesegelegenheiten zu bieten."
"Besonders wichtig ist, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, vor allem im Grundschulbereich. Wir müssen die Lehrkräfte so gut wie möglich ausbilden und auf die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen vorbereiten. Der Unterricht ist heute anspruchsvoller als früher, weil die Vielfalt in den Grundschulen größer geworden ist. Außerdem müssen die Eltern konsequent einbezogen werden. Nur so können sie ihre Kinder wirksam unterstützen", sagt Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen.

 
Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU)/ Progress in International Reading Literacy Study (PIRLS) ist eine international-vergleichende Schulleistungsuntersuchung, die von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verantwortet wird. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe, das unter Berücksichtigung zentraler Rahmenbedingungen schulischer Lernumgebungen betrachtet wird. Die Erhebung findet in allen 16 Bundesländern statt. Untersucht wird eine für Deutschland repräsentative Stichprobe von ca. 4000 Kindern der vierten Jahrgangsstufe an 200 Grund- und Förderschulen, die nach dem Zufallsprinzip bestimmt wurden. 
Lesekompetenz wird im Kontext von IGLU als Fähigkeit verstanden, Texte verschiedener Arten zu verstehen und zu nutzen. Untersucht werden die (textimmanenten und wissensbasierten) Verstehensleistungen sowie die Intentionen, mit denen ein Text gelesen wird. Der in IGLU eingesetzte Lesetest besteht aus literarischen und informierenden Texten. Jedes Kind bearbeitet ein Testheft bestehend aus je einer dieser Textart und anschließenden Fragen zum Text. Teilweise sind vorgegebene Antwortalternativen zu den Fragen gegeben, teilweise müssen Antworten selbst formuliert werden.  

Wie schon in vergangenen Zyklen von IGLU werden auch in IGLU 2016 Fragebögen für die teilnehmenden Kinder, ihre Eltern, die unterrichtenden Lehrpersonen im Fach Deutsch und die Schulleitungen eingesetzt. Die Fragebögen dienen dazu, relevante Informationen über den schulischen und familiären Hintergrund der Schülerinnen und Schüler zu sammeln, um die Leistungsergebnisse im Zusammenhang mit den teilweise sehr unterschiedlichen sozialen und schulischen Rahmenbedingungen angemessen interpretieren zu können.  

Ein zentrales Anliegen der Studie ist es, langfristige Entwicklungen in den teilnehmenden Bildungssystemen zu dokumentieren. Die Teilnahme Deutschlands erfolgt als Teil der Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring in Deutschland auf Beschluss der KMK und einer Vereinbarung zwischen der KMK und dem BMBF. 

Veröffentlichung der Ergebnisse

Die Ergebnisse von IGLU 2016 wurden am 5. Dezember 2017 veröffentlicht.

Links zu weiteren Informationen

http://timssandpirls.bc.edu/

IGLU 2001, 2006, 2011:

http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Forschung/AG-Bos/Abgeschlossene-Projekte/IGLU-PIRLS-2011.html

http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Forschung/AG-Bos/Abgeschlossene-Projekte/IGLU-2006.html

http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Forschung/AG-Bos/Abgeschlossene-Projekte/IGLU-2001.html

erschienen am: 2017-12-05 im europaticker

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