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Recherchen der Bürgerinitiative "IG Tiefenbach" ergaben, dass "Woolit" krebserregend ist
Woolrec-Prozess: Mangels Personal ‚Papierüberwachung‚ anstelle von Kontrollen vor Ort

Rund fünf Jahre nach der Schließung der umstrittenen Recycling-Firma Woolrec bei Braunfels-Tiefenbach (Lahn-Dill) stehen die Verantwortlichen seit Januar vor dem Landgericht Gießen. Ihnen wird nach dem Skandal um krebserregende Stoffe unerlaubter Umgang mit giftigen Abfällen vorgeworfen. Angeklagt sind der ehemaligen Geschäftsführer der 2012 geschlossenen Mineralfaser-Firma Woolrec aus Braunfelsund und ein Gutachter der Universität Gießen. Das Landgericht hat vorerst 20 Verhandlungstage bis Anfang Juli bestimmt. Den Männern drohen bei einer Verurteilung Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren.

Woolrec hatte bis zur Schließung der Firma 2012 künstliche Mineralfasern zu einem angeblich harmlosen Produkt namens "Woolit" recycelt, das bei der Herstellung von Dachziegeln eingesetzt wurde. Recherchen der Bürgerinitiative ergaben, dass "Woolit" krebserregend ist. Der Gießener Professor hatte Proben von "Woolit" als unbedenklich eingestuft.

Von 2004 bis 2012 wurden in ganz Europa Millionen Ziegel mit dem krebserregenden Material "Woolit" in Wohnhäusern verbaut. Neben der Firma Hüning in Olfen (Nordrhein-Westfalen) setzten auch zwei Werke des Ziegelherstellers Wienerberger mit Hauptsitz in Hannover sowie die Ziegelwerke Juwö in Wöllstein (Rheinland-Pfalz) und Lücking in Warburg-Bonenburg (Nordrhein-Westfalen) Woolit ein.

Zu der Zeugenvernehmung eines Mitarbeiters des Regierungspräsidiums Gießen im Woolrec-Prozess‚Regierungspräsidium sparte an Kontrolle‘ -  erklärt  Marjana Schott, umwelt- und verbraucherpolitische  Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag: „Roland Koch, Hessens Ex-Ministerpräsident, hat in seiner Regierungszeit mit der sogenannten Operation sichere Zukunft zahlreiche Menschen in Gefahr gebracht. Das ist nicht neu. Neu ist hingegen, dass Behördenmitarbeiter vor Gericht auf den Personalmangel infolge dieser Koch‘schen Politik hinweisen. Auch aktuell ist die Personaldecke in den Aufsicht führenden Regierungspräsidien sowie den für Umweltfragen, Emissions- und Naturschutz zuständigen Behörden zu dünn. Bereits 2013 musste die damalige Umweltministerin Lucia Puttrich einräumen: eine Überprüfung von aus Kernkraftwerken stammenden Dämmstoffen auf Radioaktivität - die von Woolrec verarbeitet wurden – hat vom RP Gießen nicht stattgefunden.“

Die Erkenntnis, dass der Woolrec-Umweltskandal nicht nur ein Beispiel für unternehmerischen Betrug sei, sondern auch für mangelnde Kontrolle und eklatantes Behördenversagen, müsse auch in diesem Prozess behandelt werden, so Schott. Das Regierungspräsidium Gießen sei in vielen Fragen erst aufgrund der Berichterstattung und der Hartnäckigkeit des Hessischen Rundfunks, nicht aber nach Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern aktiv geworden. Und erst recht nicht durch eigenes verantwortungsbewusstes Handeln.

Schott: „Die Anforderungen an die Umweltüberwachung steigen stetig, aber die hier notwendige Anpassung beim Personal bleibt aus. Das haben auch Grüne und CDU in Regierungsverantwortung trotz zahlreicher Hinweise aus den Umwelt- und Naturschutzverbänden und Klagen von Betroffenen nicht geändert. Die Beschwerden über nicht handelnde Behörden häufen sich, doch Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bleibt leider untätig.“

Die Herstellung von Woolit bei der Firma Woolrec in Tiefenbach hat in der Vergangenheit viele Fragen aufgeworfen und Befürchtungen erzeugt.

Da das Regierungspräsidium Gießen als Genehmigungs- und Überwachungsbehörde in besonderer Weise gefragt ist, hat die Behörde Gutachten beauftragt, deren Ergebnisse wir Ihnen an dieser Stelle zur Verfügung stellen:

 Gutachten_HLUG_Auszug.pdf (PDF / 2.79 MB)
Gutachten HLUG
 Analyseergebnisse_des_Instituts_Fresenius_von_08_2013_Teil_1.pdf (PDF / 1.56 MB)
Analyseergebnisse_des_Instituts_Fresenius_von_08_2013_Teil_1
 Analyseergebnisse_des_Instituts_Fresenius_von_08_2013_Teil_2_Ergebnistabelle.pdf (PDF / 17.09 KB)
Analyseergebnisse_des_Instituts_Fresenius_von_08_2013_Teil_2_Ergebnistabelle
 Gutachten_bzgl_Faserfreisetzung_aus_Woolit-Teil_I.pdf (PDF / 827.14 KB)
Gutachten_bzgl_Faserfreisetzung_aus_Woolit-Teil_I
 Gutachten_bzgl_Faserfreisetzung_aus_Woolit-Teil_II.pdf (PDF / 451.62 KB)
Gutachten_bzgl_Faserfreisetzung_aus_Woolit-Teil_II
 Gutachten_bzgl_freien_Mineralfasern_in_und_an_gebrannten_Ziegelsteinen.pdf (PDF / 8.45 MB)
Gutachten_bzgl_freien_Mineralfasern_in_und_an_gebrannten_Ziegelsteinen
 HLUG_Gutachten_zu_Bodenbelastungen_im_Umfeld_von_der_Fa._Woolrec_-_Nachuntersuchungen_27-03-2013.pdf (PDF / 397.6 KB)
HLUG_Gutachten_zu_Bodenbelastungen_im_Umfeld_von_der_Fa._Woolrec_-_Nachuntersuchungen_27-03-2013
 HLUG_Gutachten_zu_Nachuntersuchungen_vom_27032013_Anlagen.pdf (PDF / 9.74 MB)
HLUG_Gutachten_zu_Nachuntersuchungen_vom_27032013_Anlagen
 HLUG-Gutachten_zu_möglichen_Bodenbelastungen_im_Umfeld_der_Fa._Woolrec_vom_06-11-2012.pdf (PDF / 7.96 MB)
HLUG-Gutachten_zu_möglichen_Bodenbelastungen_im_Umfeld_der_Fa._Woolrec_vom_06-11-2012
 LHL-Gutachten_zu_Boden-und_Pflanzenproben_aus_der_Umgebung_der_Fa._Wollrec_vom_01-11-2012.pdf (PDF / 129.62 KB)
LHL-Gutachten_zu_Boden-und_Pflanzenproben_aus_der_Umgebung_der_Fa._Wollrec_vom_01-11-2012

 

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erschienen am: 2018-02-13 im europaticker

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