europaticker:
BUND-Regionalverband Westharz: Auftragsgutachten der Industrie verschwieg die
Schattenseiten des Gipsabbaus
Walkenrieder Gipsindustrie zerstört weiter die Südharzlandschaft,

Es ist inzwischen vor Ort ein offenes Geheimnis: Die Firma Saint-Gobain Formula GmbH hat die Zahlung von Gewerbesteuern am Standort Walkenried auf das gesetzlich unumgängliche Minimum reduziert. Damit kommt die Gemeinde Walkenried in große finanzielle Schwierigkeiten und muss offenbar sogar 600.000 Euro zurückzahlen, vermutet Dr. Friedhart Knolle vom BUND-Regionalverband Westharz. Die Entscheidung ist wohl nicht im Südharz gefallen, sondern in der Zentrale in Aachen. Man kann froh sein, dass sich wenigstens die Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht zur Zentrale des Konzerns verlegen lassen, sonst hätte die Firmenzentrale das womöglich auch noch entschieden…

Am Ergebnis ändert das nichts. Es wird weiter Landschaft zerstört, es werden Straßen zerfahren und verschmutzt, aber Geld gibt es für den Südharz weniger denn je. Wieviel oder wie wenig es am Ende wird, ist allerdings noch offen. Diese Entscheidung der Zentrale steht wohl noch aus, also welcher Standort dann wieviel erhält.

Durch die Entscheidung von Formula ist die Kommune nun in großen Schwierigkeiten und muss eine Bedarfszuweisung beantragen. Ein landschaftszerstörender Betrieb sollte sich gegenüber der zerstörten Region anders aufstellen – und genau ein solches Verhalten hat die Gipsindustrie immer behauptet. Offenbar wollte man damit der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen.

Auftragsgutachten der Industrie verschwieg die Schattenseiten des Gipsabbaus

2016 veröffentlichte die Südharzer Gipsindustrie ein Auftragsgutachten zur Wertschöpfung der Gipsabbaubetriebe, worüber seinerzeit viel diskutiert wurde. Der Zweck des Papiers war aber schon damals offensichtlich: Es werden die Wohltaten angepriesen, die wie das „Sponsoring“ allesamt steuerlich absetzbar sind, es wird die offensichtlich für sich allein nicht wirklich überzeugende Zahl der Arbeitsplätze um fragwürdige Hochrechnungen zu weiteren Jobs ergänzt, die quasi im Schlepptau dieser Industrie entstehen, und dergleichen mehr. Die Argumentationsnot muss groß sein, denn man verteilt quasi nebenher Seitenhiebe, zum Beispiel auf die Tourismusbranche. Die kann natürlich nicht florieren, wenn sich Gäste mit Grausen abwenden und Urlaubstage nicht inmitten von Steinbrüchen und lärmenden Fabriken verbringen wollen…

Kein Wort fand sich in diesem Gutachten allerdings zu den immer größer werdenden Landschaftszerstörungen, zu den um sich greifenden Steinbrüchen, die ganze Ortsbilder wie das von Walkenried irreparabel schädigen, zum immensen, straßenschädigenden Lkw-Verkehr, der sich zwischen Brüchen und Werken durch die Orte wälzt.

Beim Blick auf den Kohnstein, den Röseberg oder den Alten Stolberg, um nur einige durch die Gipsindustrie zerstörte Landschaften zu nennen, klingeln die Alarmglocken. „Mit diesem bestellten Gutachten wird der laufende Frontalangriff auf die Südharzer Landschaft flankiert, um die Politiker gefügig zu machen und deren Zustimmung zu immer neuen Abbaufeldern zu erlangen. Deswegen, nur deswegen ist es ernst zu nehmen. Geht es nach der Gipsindustrie, sollen weite Teile der Südharzer Karstlandschaft für immer verschwinden. Mit Hinweisen auf Arbeitsplätze, Steuern und Vereinssponsoring soll der Anspruch auf diese abermalige Zerstörungswelle untermauert werden. Ist der Gips erst einmal weg, sind es die Arbeitsplätze, die Steuern und die Sponsoringgelder auch. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Dessen ist sich die Politik oft nicht bewusst – der Fall Formula Walkenried zeigt es wieder sehr deutlich.

erschienen am: 2018-03-09 im europaticker


Wichtiger Hinweis:
Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 18. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken