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Die Energiekonzerne machen sich daran die Energiewende zu kapern
Innogy-Zerschlagung ist gleichzeitig Atomkosten-Desaster
E.ON erzielt grundsätzliche Einigung mit RWE über den Erwerb von innogy

Die E.ON SE hat in Gesprächen mit der RWE AG eine grundlegende Einigung über den Erwerb der von RWE gehaltenen 76,8 %-Beteiligung an der innogy SE erzielt. Der Erwerb würde im Rahmen eines weitreichenden Tauschs von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen erfolgen. Vor Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung bedarf es noch der Zustimmung der Gremien von E.ON und RWE. Die Innogy SE ist eine börsennotierte Tochtergesellschaft des deutschen Energieversorgers RWE, die zum 1. April 2016 startete. Sie betreibt Verteilnetze, vertreibt Energie und erzeugt Strom aus erneuerbaren Energien. Innogy ist vorrangig in Europa aktiv, mit Schwerpunkten in Deutschland, Großbritannien (Übernahme der Aktivitäten von RWE npower), Frankreich, Spanien, Polen, Portugal und Italien. Im Juli 2017 hat Innogy eine Tochtergesellschaft für Elektromobilität in den USA gegründet.

Gemäß der Einigung würde E.ON im Tausch gegen die 76,8 %-Beteiligung an innogy zunächst RWE eine Beteiligung an der E.ON SE in Höhe von durchgerechnet 16,67 % gewähren. Die Aktien würden im Rahmen einer 20 %-Sachkapitalerhöhung aus bestehendem genehmigten Kapital ausgegeben. Zudem würde E.ON an RWE einen weitgehenden Teil des erneuerbaren Energiegeschäfts und die von der E.ON-Tochter PreussenElektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen übertragen. Des Weiteren würde RWE das gesamte erneuerbare Energiegeschäft von innogy sowie innogys Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag erhalten. Die Übertragung der Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen würde mit ökonomischer Wirkung zum 1. Januar 2018 erfolgen. Die Transaktion sieht ferner eine Barzahlung von RWE an E.ON in Höhe von EUR 1,5 Milliarden vor.

Den Aktionären der innogy SE würde E.ON ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar unterbreiten. Dieses Angebot würde für die Aktionäre von innogy zum heutigen Tag einen Gesamtwert in Höhe von EUR 40 je Aktie beinhalten. Dieser Gesamtwert setzt sich aus einem Angebotspreis von EUR 36,76 je Aktie, sowie den Zahlungen aus den unterstellten Dividenden der innogy von insgesamt EUR 3,24 pro Aktie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen. RWE würde sich an dem Angebot nicht beteiligen.

Nach erfolgreicher Durchführung der Transaktion ist eine volle Integration der innogy in den E.ON Konzern vorgesehen. Durch die Transaktion würde E.ON zu einem fokussierten, kundenorientierten Energieunternehmen, das sich auf Energienetze sowie Kundenlösungen konzentriert. Die erneuerbaren Geschäfte von E.ON und RWE wären dann unter dem Dach von RWE vereint. Die Durchführung der gesamten Transaktion ist in mehreren Schritten geplant und stünde unter dem Vorbehalt üblicher kartellrechtlicher Freigaben.

Im Falle der Gremienzustimmung beider Unternehmen könnte kurzfristig die Unterzeichnung der entsprechenden Vereinbarung erfolgen.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), fordert eine verbraucherfreundliche Fusion: „Die Übernahme der RWE-Anteile an Innogy durch E.on wird zu einer stärkeren Konzentration von Versorgern auf dem deutschen Energiemarkt führen. Das soll sowohl die Strom- und Gasnetze als auch erneuerbare Energien betreffen.

Das Bundeskartellamt muss jetzt genau prüfen, welchen Einfluss die Fusion auf private Verbraucher hat. Es geht dabei um zwei Punkte: Die Strompreise für Verbraucher dürfen nicht noch weiter ansteigen. Sie sind ohnehin zu hoch. Zudem darf sich die Teilhabe von privaten Verbrauchern an der Energiewende nicht verschlechtern. Beispielsweise sollten Bürgergenossenschaften bei der Ausschreibung von Wind- und Solarparks nicht benachteiligt werden dürfen.“

Hat RWE die Politik bei den Atom-Folgekosten ausgetrickst?

Zur Zerschlagung von Innogy erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: Die Geschichte von Innogy ist ein Desaster für die Atommüll-Politik der Bundesregierung. Vor zwei Jahren, als es um die Finanzierung der Folgekosten der Atomkraft ging, hieß es immer, RWE könne nur begrenzt haften, da der Konzern sonst pleitegehen würde. Damals haben wir der Atomfinanz-Kommission vorgeschlagen, Teile von RWE an andere Energieversorger zu verkaufen, um mehr Geld für die Atommüll-Lagerung bereithalten zu können. Das wurde als nicht durchführbar abgelehnt.

Jetzt, etwa ein Jahr nachdem sich RWE mit einer geringen Einmalzahlung aus der Atom-Haftung freigekauft hat, werden große Teile der Konzerntochter Innogy verkauft. Doch das Geld kommt nicht dem Atommüll-Fonds zugute, sondern den Anteilseignern des Unternehmens.

Mir wird alleine schon davon ganz schlecht, wenn ich mir vorstelle, was die gigantische Werbekampagne verschlungen hat, um den Markennamen Innogy bekannt zu machen, der jetzt aller Voraussicht nach sang- und klanglos wieder verschwinden wird. Dieses Geld wäre im Atommüll-Fonds besser angelegt gewesen.

Wenn sich dann in einigen Jahren oder Jahrzehnten herausstellt, dass die Atommüll-Lagerung doch deutlich teurer wird und das Geld im Fonds nicht ausreicht, muss die Allgemeinheit haften und nicht mehr die Verursacher des strahlenden Erbes. Die Bundesregierung hat extrem schlecht verhandelt. Nutznießer sind die Stromkonzerne und ihre Anteilseigner."

Die Energiekonzerne machen sich daran die Energiewende zu kapern.

Lorenz Gösta Beutin, klima- und energiepolititischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag: „Wenn die Stromkonzerne mit Milliardengeschäften pokern, heißt das nie was Gutes für die Verbraucherinnen und -verbraucher. Das geplante Tauschgeschäft von RWE und Eon führt zu einer Machtkonzentration in den Bereichen Energieerzeugung und Netze. Dass diese Aufteilung der Märkte die Strompreise senken wird ist naiv , weil die Stromkonzerne die gesunkenen Börsenstrompreise seit Jahren nicht an die Privathaushalte weitergeben. Die privaten Haushalte werden den Deal am Ende bezahlen. Es ist schon absurd, dass ausgerechnet der Kohlekonzern RWE, dessen Vorstandschefs bis vor wenigen Jahren die Energiewende belächelt und bekämpft haben, damit zum drittgrößten Ökostromerzeuger Europas wird. Das wird nicht ohne Folgen für die gesamte Ökostrombranche bleiben.

Der Kauf des Stromnetzes durch Eon führt auch in dieser Sparte zu neuer Konzentration. Eon hofft auf die Garantierenditen im Netzbereich. Die Bürgerenergie als Garant für eine Energiewende der vielen Kleinen wird einer Energiewende der wenigen Großen weichen.

Künftig wird die Bundesnetzagentur hier genauer hinsehen müssen. Ich hoffe, dass hier eine intensive und kritische kartellrechtliche Prüfung stattfinden wird.“

erschienen am: 2018-03-13 im europaticker


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