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Eine "Müll-Hochzeit" im Kreis Pinneberg sorgt für Aufsehen
Illegale Praktiken eines Müll-Unternehmens

Zum neuen Jahr hat Deutschlands größter Abfallkonzern, die Remondis GmbH Nord, das Unternehmen Optisys mit Sitz in Wedel übernommen, berichtet das "Hamburger Abendblatt". Die 70 Mitarbeiter starke Optisys habe die Entsorgung von Altglas und Verpackungsmüll in 15 Kreisen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern 2018 übernommen Nach Angaben der Geschäftsführung erfolgt in einem Gebiet mit einer Million Menschen die Altglas- und Verpackungsmüllentsorgung.

Der Standort mit der Adresse Kronskamp 101–107 ist umstritten. Lärm, Gestank, Rattenplage: Sowohl bei der Stadtverwaltung als auch bei der zuständigen Aufsichtsbehörde des Landes sind Beschwerden betroffener Anwohner eingegangen, schreibt das Blatt und erinnert, dass bei der zuständigen Aufsichtsbehörde die Unternehmensakte dick sei. Seit mehr als zwölf Jahren bereite der Wedeler Standort bei wechselnden Firmennamen Probleme.

Das Wedeler Problem beschäftige sogar die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Wie Sprecher Peter Müller-Rakow gegenüber dem "Hamburger Abendbaltt" bestätigte, liefe ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Verantwortliche der Firmengruppe – und zwar wegen unerlaubten Betreibens von Anlagen. In einem zweiten Verfahren "haben wir bereits im Juli 2017 Anklage beim Amtsgericht Pinneberg erhoben", so Müller-Rakow weiter. Dort werden sich ebenfalls zwei der Geschäftsführer verantworten müssen – wegen gemeinschaftlicher Urkundenfälschung. Der Vorwurf: Die Firmen sollen sich bei Ausschreibungen mit einem Zertifikat beworben haben, das sich als Fälschung erwies.

Die zwei Unternehmer aus Wedel sollen auch nach Recherchen von Panorama 3 seit Jahren in Geschäfte mit illegalen Mülllagern verwickelt sein, berichtet das politische Magazin aus Hamburg. In einem Fall habe der Steuerzahler einspringen müssen und mehrere Hunderttausend Euro für die Entsorgung des Abfalls übernnommen. Verantwortlich sei ein Firmengeflecht von Vater Wolfgang B. und Sohn Jan Stephan B., das in mehreren Bundesländern aktiv ist, u.a. in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Machenschaften sollen bis nach Brandenburg reichen. Dort seien zwei ihrer Firmen in einen Skandal von illegaler Müllentsorgung verstrickt, den das Landgericht Potsdam im vergangenen Jahr aufgerollt hat. Sie sollen - neben anderen Lieferanten - Lkw-Ladungen mit Hausmüll illegal umdeklariert und in einer Kiesgrube bei Markendorf verklappt haben.

Jahrelang habe das Landgericht Potsdam einen der größten Müllprozesse Brandenburgs vor sich hergeschoben. Im Juli 2016 wurden die vier Haupttäter im sogenannten Markendorf-Komplex zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Hätte sich das Gericht früher mit ihren schmutzigen Geschäften befasst, wären sie wohl nicht so glimpflich davon gekommen, kommentierten der "Tagesspiegel". Freigesprochen wurde ein Beamter von der zuständigen Aufsichtsbehörde, der nach Meinung der Staatsanwaltschaft für ein "Schmiergeld" in Höhe von 5.000 Euro "weggesehen" habe und die Betreiber der Grube vor Kontrollen gewarnt haben soll.

Seit einem Jahr liefe in Potsdam ein weiterer Müll-Prozess wegen illegaler Entsorgung in einer Grube bei Malterhausen. Wieder soll eine Firma der B.s zu den Lieferanten gehört haben. Ein Spediteur, der nach eigenen Angaben allein bis zu 50 Lkw-Transporte von Niedersachsen nach Brandenburg koordinierte, berichtet exklusiv gegenüber Panorama 3: "Der Müll wurde bei Weser Recycling in Drakenburg geladen und ging dann in die Grube Lindower Heide bei Malterhausen. Laut Papieren handelte es sich bei der Fracht um mineralische Abfälle. Doch das war blanker Hausmüll."

Unter besonderer Beobachtung ständen Vater und Sohn an ihrem Stammsitz in Wedel, schreibt "Panorama 3".. Hier verstöße eine weitere Müllfirma Jan Stephan B.s immer wieder gegen Auflagen des Landesumweltamtes Schleswig-Holstein. Die Behörde stößt an ihre Grenzen, wie Amtssprecher Martin Schmidt erzählt. "Wir haben bei diesem Firmengeflecht die höchste Kontrolldichte, die wir überhaupt bei einer Firma in Schleswig-Holstein ausüben", sagt er.

Im mecklenburgischen Barnekow soll jetzt immerhin was passieren. Das Staatliche Amt für Umwelt in Schwerin teilt mit, dass das Gelände bis zum 28. Februar 2018 von Müll befreit werden müsse. Ob die Müll-Unternehmer nun wirklich aufräumen, ist ungewiss.

EUROPATICKER hat REMONDIS um eine Stellungnahme gebten, die aber noch aussteht.

Quellen:
Viele offene Fragen: Das Müll-Geschäft von Wedel(Hamburger Abendblatt)
Illegale Praktiken eines Müll-Unternehmens (Panorama 3)
Mildes Urteil gegen Brandenburger Müll-Ganoven (Potsdamer Neueste Nachrichten)

erschienen am: 2018-01-06 im europaticker

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