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Schwarz-Grün stellt Weichen für Landeswald - FSC-Zertifizierung ist in Hessen politischer Konsens

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Greenpeace beendet Mitgliedschaft Forest Stewardship Council (FSC)

Greenpeace International gab am 26. März in Amsterdam/Niederlande bekannt, dass es seine Mitgliedschaft im Forest Stewardship Council (FSC), einem globalen Holzzertifizierungssystem, für das die NGO vor 25 Jahren Gründungsmitglied war, nicht verlängert. Unterdessen fordertn die Freien Demokraten gleich die gesamte Abschaffung des FSC-Siegels und auch vom Landesbetrieb Hessen-Forst kommt Kritik. Er hat in einer mehr als 50 Seiten umfassenden, internen Studie die Folgen der Zertifizierung ausgewertet. Das Ergebnis ist vernichtend: Weder aus der ökologischen noch aus der ökonomischen oder sozialen Perspektive seien "signifikante Verbesserung erkennbar", heißt es da. Vielmehr führe FSC zu "finanziellen und volkswirtschaftlich langfristig spürbaren negativen Effekten". Die GRÜNE-Umweltministerin Priska Hinz erklärt indes die Debatte der letzten Monate zur Zertifizierung für den hessischen Landeswald für beendet. Die schrittweise FSC-Zertifizierung des Landeswaldes soll vorangetrieben werden.

Matt Daggett, globaler Kampagnenleiter für die Waldkampagne bei Greenpeace International, sagte: "Wir setzen uns dafür ein, den bestmöglichen Schutz der Wälder für Mensch, Biodiversität und Klima zu erreichen. Wir glauben, dass eine robuste Holzzertifizierung ein hilfreiches, aber unvollkommenes Instrument zum Schutz der Rechte der Menschen und zur Verbesserung der Waldbewirtschaftung ist. Aus diesem Grund wird Greenpeace International weder seine Mitgliedschaft im Forest Stewardship Council verlängern noch an einem anderen Holzzertifizierungssystem teilnehmen.

"Bei einer effektiven Umsetzung kann die Zertifizierung des Forest Stewardship Council die Rechte der Menschen schützen und die Waldbewirtschaftung verbessern, aber wir haben nicht mehr das Vertrauen, dass FSC allein konsequent genug Schutz garantieren kann, insbesondere wenn Wälder mehreren Bedrohungen ausgesetzt sind. FSC wird nicht einheitlich in den Regionen angewendet, insbesondere dort, wo die Governance schwach ist.

"Einige lokale Greenpeace-Büros, die in Ländern mit einer stärkeren Regierungsführung tätig sind, können die FSC-Mitgliedschaft beibehalten, um auf nationaler Ebene eine stärkere Umsetzung zu erreichen.

"Transparenz ist die Grundlage für effektive Rechenschaftspflicht, für Zertifizierungssysteme, Regierungen und Unternehmen. Damit ein Zertifizierungssystem im Jahr 2018 als glaubwürdig angesehen werden kann, muss es meines Erachtens die erfassten Grenzen von Beschaffungsbereichen und Bewertungsberichten transparent veröffentlichen, um eine externe Überwachung und Eingabe zu ermöglichen. Wir fordern den FSC und alle Zertifizierungssysteme auf, dringend zu handeln, um ihre Transparenz zu verbessern.

"Die Holzzertifizierung ist ein hilfreiches, aber nicht ausreichendes Instrument im Kampf um die Rettung unserer Wälder. Wir haben die Unternehmen immer dazu aufgefordert, über alle Grenzen hinaus zu gehen. Wir ermutigen Unternehmen, zunächst den Einsatz von Frischfasern zu reduzieren und recycelte und verantwortungsvolle alternative Fasern zu verwenden, wann immer sie verfügbar sind. Wenn reine Holzfasern benötigt werden, empfehlen wir immer noch die Verwendung von 100% FSC mit zusätzlicher Sorgfalt. "

Schwarz-Grün stellt Weichen für Landeswald - FSC-Zertifizierung ist in Hessen politischer Konsens

Die Debatte der letzten Monate zur Zertifizierung für den hessischen Landeswald wird durch Umweltministerin Priska Hinz beendet, teilte FSC am 24. Januar 2018 in einer Presseaussendung mit. Mit ihrer Entscheidung für die FSC-Zertifizierung der noch verbleibenden Forstämter im hessischen Landeswald kommt ein Prozess zum Abschluss der bereits 2010, durch die CDU Umweltministerin Silke Lautenschläger mit der Einrichtung eines FSC-Pilotforstamtes in Dieburg, begann. CDU und Bündnis90/Grüne hatten 2014 in Hessen vereinbart, die schrittweise FSC-Zertifizierung des Landeswaldes voranzutreiben und den Prozess im Laufe der Legislatur nochmals zu überprüfen. Daraufhin wurden 21 der 41 Forstämter im Jahre 2015 nach den Regeln des FSC zertifiziert. Die Entscheidung der Landesregierung unterstreicht nun den politischen Willen ambitionierte Umwelt- und Sozialstandards in hessischen Wäldern durchzusetzen.

Mit der vollständigen Zertifizierung bekommen Landtagsabgeordnete aber auch die Hessischen Bürgerinnen und Bürger eine neue Möglichkeit sich über die Bewirtschaftung des Waldes im Landesbesitz zu informieren. Die FSC-Regeln schreiben mindestens jährliche Kontrollen für den Forstbetrieb vor, deren Ergebnisse in einem öffentlichen Bericht im Internet zur Verfügung gestellt werden. Hier finden Sie dann zusammengefasst Lob und Kritik zur Arbeit des Landesbetriebes, die den Prüfern aus Sicht der FSC-Waldstandards aufgefallen ist.

Der nun erzielte Konsens über die FSC-Zertifizierung bedeutet Planungssicherheit für die Beschäftigten des Landesbetriebes und für Holzeinkäufer, die bei Hessen Forst Rundholz beziehen. Große Unternehmen wie IKEA und OTTO haben wiederholt ihren Bedarf nach mehr FSC-zertifiziertem Holz für ihre in Deutschland gefertigten Produkte geäußert.

Der Geschäftsführer von FSC Deutschland Dr. Uwe Sayer unterstreicht: "Die flächige FSC-Zertifizierung im hessischen Landeswald wird ein Gewinn für Menschen und Natur sein, davon bin ich fest überzeugt. Dieser gesellschaftliche Gewinn wird sich in der Zukunft bezahlt machen, denn Forstwirtschaft bedeutet langfristig nachhaltig denken und handeln. Dabei ist die Sicherung von Artenvielfalt im Wald ökonomisch kaum messbar. Ein Schwarzspecht im Wald trägt kein Preisschild und bringt der Landeskasse keinen Euro mehr ein. Trotzdem wollen wir, dass er und viele andere Arten in unseren Wäldern eine Heimat finden und behalten. Dafür braucht es weitsichtige Entscheidungen der Politik wie diese, Denn sie ist eine gute Entscheidung für den Wald unserer Enkel".

Freie Demokraten fordern Abschaffung des FSC-Siegels

Anlässlich der Beendigung der FSC-Mitgliedschaft von Greenpeace erklärte die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Wiebke KNELL: „Am Beispiel FSC zeigt sich die ideologische Verbohrtheit der schwarz-grünen Landesregierung par excellence. Während Greenpeace nach einem Viertel Jahrhundert wegen massiver Bedenken am ökologischen Nutzen aus dem FSC aussteigt, will die schwarz-grüne Landesregierung jedem Baum im hessischen Staatswald ein Siegel verpassen und die komplette Zertifizierung durchdrücken. Greenpeace, selbst Gründungsmitglied des FSC, ist inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass die ökologischen Ziele mit dem Siegel nicht erreicht werden können. Damit bestätigt die Umweltorganisation die Kritik, die wir Freie Demokraten immer und immer wieder anbringen. FSC hat weder einen ökologischen noch einen ökonomischen Nutzen – das haben nicht zuletzt auch die eigens von Umweltministerin Hinz in Auftrag gegebenen Gutachten gezeigt.“

Knell weiter: „Die FSC-Zertifizierung ist für Hessen-Forst schon jetzt zur erheblichen finanziellen Belastung geworden. Wenn der komplette Staatswald das Siegel tragen soll, würde das den Landesbetrieb mittelfristig unwirtschaftlich machen und faktische Auswirkungen auf alle anderen Wälder haben.

Besonders problemtisch ist die Stilllegung von Waldflächen und damit einhergehend die geringere Holzproduktion in heimischen Wäldern, was dann durch mehr Holzimporte ausgeglichen werden muss. Für Hessen bedeutet das: Wir gewinnen weniger Holz aus unseren gesunden Wäldern und lassen dafür Holz aus Russland über mehrere tausend Kilometer zu uns karren. Das ist ökologisch der größte Unsinn – und der Verbraucher kann am Ende nicht mal erkennen, ob das Holz aus dem Taunus oder der russischen Taiga stammt.

Wir fordern die Landesregierung erneut auf, die sinnlose FSC-Zertifizierung endlich zu beenden und stattdessen eine Strategie für eine nachhaltige Waldwirtschaft vorzulegen. Solange Schwarz-Grün am Siegel festhält, handelt sie wider besseren Wissens gegen ökologische und ökonomische Vernunft.“

FSC im Hessischen Staatswald

Der Hessische Staatswald soll schrittweise nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert werden. Der hohe Standard der Bewirtschaftung des Staatswaldes in Hessen soll mit der FSC-Zertifizierung einen sichtbaren Ausdruck erfahren. Dafür wird das weltweit anerkannte Gütesiegel des FSC verwendet.

Der Hessische Staatswald umfasst 343.000 Hektar, das entspricht rund 16 Prozent der gesamten Landesfläche. Insgesamt umfasst die Waldfläche in Hessen 894.180 Hektar, das sind etwa 42 Prozent der Landesfläche. Die hessischen Bürgerinnen und Bürger haben eine besonders emotionale Beziehung zu ihrem Wald. Er dient dem Gemeinwohl in vielfältiger Weise als Schutz- und Erholungswald und ist damit ein hohes Gut, gleichzeitig ist er auch ein Nutzwald, der den klimafreundlichen Rohstoff Holz nachhaltig liefert und wirtschaftlich eine bedeutende Rolle spielt. Diese unterschiedlichen Anforderungen sollen gleichermaßen bedient werden. Darüber hinaus ist der Wald ein Garant für Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Mit Hilfe der Zertifizierung nach FSC soll den Bürgerinnen und Bürgern sowohl die nachhaltige Bewirtschaftung als auch die Rolle des Waldes für den Naturschutz und die Biodiversität noch besser dargestellt werden.

Der Zertifizierungsprozess begann im Jahr 2014  in 9 von 41 Forstämtern mit einer Fläche von ca. 55.000 Hektar Staatswald. Für die Erteilung des Zertifikats hat der Landesbetrieb Hessen-Forst einen unabhängigen Zertifizierer beauftragt. Dieser überprüfte die Arbeitsweisen und Ziele in den neun Forstämtern und bestätigte deren Übereinstimmung mit dem FSC-Standard. Nach der erfolgreichen Zertifizierung und Zertifikatserteilung im April 2015 begann im Juli 2015 die 2. Staffel mit weiteren 12 Forstämtern und einer Fläche von 87.000 Hektar (Darstellung auf Hessenkarte). Die Zertifizierung dieser Forstämter wurde im Februar 2016 abgeschlossen. Damit sind rund 140.000 Hektar Staatswald in 21 Forstämtern zertifiziert.

Die Hessische Landesregierung hat im Koalitionsvertrag eine schrittweise Zertifizierung des Hessischen Staatswaldes nach den Kriterien des „FSC Deutschland“ vereinbart und nach Zertifizierung der Hälfte des Hessischen Staatswaldes ein externes Gutachten zur Evaluierung der ökologischen und ökonomischen Auswirkungen anfertigen lassen. Auf Grundlage dieses Gutachtens hat die Landesregierung im Januar 2018 beschlossen, nun auch die noch ausstehenden Flächen des Hessischen Staatswaldes als 3. Staffel nach FSC zertifizieren zu lassen. Dieser Prozess wird voraussichtlich im Sommer 2018 abgeschlossen.

Durch die FSC-Standards soll der Hessische Staatswald künftig ökologischer, stabiler und risikoärmer gemacht werden. So ist zum Beispiel der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich untersagt. Außerdem muss ein Anteil von 5 Prozent der zertifizierten Fläche permanent aus der Bewirtschaftung genommen werden. Bei der Wahl der Baumarten richtet sich FSC nach der natürlich vorkommenden Waldgesellschaft. In Hessen ist diese sehr stark von der Buche geprägt. Nadelhölzer wie die Fichte  oder die Douglasie hingegen werden manchenorts verringert werden. Die Einführung der FSC-Standards kann auch zu Veränderungen der Ziele des Landes Hessen für den Staatswald führen. Allerdings sind mit dem Erhalt des FSC-Siegels auch Chancen für den Verkauf hessischen Holzes verbunden. Denn die Nachfrage am Markt nach FSC-zertifiziertem Holz wächst. Ziel ist es diese Marktchancen für den Landesbetrieb Hessen-Forst zu erschließen.

PEFC-Zertifizierung

Das PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist die weltweit größte unabhängige Organisation, die die Sicherstellung und kontinuierliche Verbesserung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter Gewährleistung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards beurteilt. Weltweit werden bereits mehr als 215 Millionen ha Waldfläche und in Deutschland 7,3 Millionen ha Waldfläche nach den Standards von PEFC bewirtschaftet.

Das PEFC-Zertifizierungssystem basiert inhaltlich auf den Beschlüssen der zweiten Ministerkonferenz in Helsinki 1993. Dort wurde die Waldgrundsatzerklärung von der Umweltkonferenz in Rio 1992 aufgegriffen und für europäische Verhältnisse weiterentwickelt. Auf die folgenden sechs Kriterien haben sich die Staaten verständigt:

  1. Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und ihres Beitrages zu globalen Kohlenstoffkreisläufen,
  2. Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Forstökosystemen,
  3. Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder (Holz- und Nichtholzprodukte),
  4. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Biodiversität in Forstökosystemen,
  5. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktionen bei der Waldbewirtschaftung (vor allem Boden und Wasser),
  6. Erhaltung anderer sozioökonomischer Funktionen und Bedingungen.

Das Gütesiegel sagt nichts über eine evtl. Behandlung des Holzes mit Holzschutzmitteln etc. aus. Es dient dem Nachweis, dass dieses Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.

Hessen ist PEFC-Region - Verein "Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen e.V." gegründet

In Hessen sind 767.964 ha (Stand 2010) bzw. 88,5 Prozent der gesamten Waldfläche nach PEFC zertifiziert. Damit ist PEFC-Hessen bundesweit Spitzenreiter. Im September 2005 hat sich die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen als Verein organisiert. Dieser Schritt war notwendig, damit die Zertifizierung der Forstwirtschaft in Hessen internationalen Anforderungen an akkreditierte Auditoren genügt. Inhaltlich ändert sich für die nach PEFC zertifizierten Forstbetriebe in Hessen durch die Vereinsgründung nichts. Nach der Satzung hat der Verein unter anderem die Aufgaben, Handlungsprogramme und Ziele für die Waldbewirtschaftung in Hessen im Rahmen der Vorgaben von PEFC Deutschland e.V. zu formulieren. Er soll Verfahren entwickeln und umsetzen, die PEFC als stabiles und nachvollziehbares Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft stärken.

Die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen e.V. ist der Zusammenschluss von Vertretern der nach PEFC zertifizierten Waldbesitzern sowie aller am Wald interessierten Gruppen, die sich mit der Zertifizierung der Forstwirtschaft befassen. Dazu zählen insbesondere die Markt- und Geschäftspartner der Forstwirtschaft (Holz- und Papierwirtschaft, Holzhandel), Umweltverbände, Gewerkschaften, Verbraucherverbände, berufsständische Vertretungen und forstliche Unternehmer aus der Region.

erschienen am: 2018-04-07 im europaticker



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