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Auswirkungen auf die EU und Großbritannien und der „Domino-Effekt“

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Brexit-Studie erfasst Reaktionen in Europa

Nachdem der erste Schock über den EU-Austritt Großbritanniens etwas abgeklungen ist, gibt eine aktuelle Ipsos-Studie Einblicke, wie der Brexit in neun EU-Staaten aufgenommen wurde und welche Konsequenzen die Menschen für Großbritannien und die EU erwarten. Für die Onlinestudie wurden Bürger zwischen 16 und 64 Jahren in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Schweden und Ungarn befragt.

Reaktionen zum Brexit

In Europa herrscht eine erkennbar besorgte Stimmung

Auswirkungen auf die EU und Großbritannien und der „Domino-Effekt“

Auch die Auswirkungen des Brexits bereiten den Befragten Sorgen:

Brexit Verhandlungen

Wenig überraschend haben die Briten eine andere Ansicht dazu wie vorteilhaft die Austrittsvereinbarungen für Großbritannien sein sollten: Mehr als die Hälfte der Briten (56%) denkt, die EU sollte vorteilhafte Austrittsbedingungen anbieten, wohingegen nur ein Drittel (30%) der anderen Befragten aus EU-Ländern so urteilen. In Frankreich (19%), Belgien (20%) und Deutschland (25%) denken die wenigsten der Austritt sollte vorteilhaft für Großbritannien verhandelt werden. Knapp vier von zehn (39%) Franzosen wünschen sich sogar nachteilige Bedingungen für das Vereinigte Königreich.

Ohrfeige für Großbritannien?

Es gibt keine Anzeichen für einen konzertierten Boykott gegen Großbritannien oder britische Produkte – jedoch könnten einige Einstellungen der Befragten ein warnendes Zeichen für die britische Wirtschaft sein:

Bobby Duffy, Managing Director des Ipsos MORI Social Research Institute kommentiert die Ergebnisse so:

"Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, war ein Schock für den Kontinent und andere Länder. Diese Studie zeigt, es ist immer noch ein Thema, das viele beschäftigt. Trotzdem greift keine Panik um sich – tatsächlich scheint die Angst vor einem Domino-Effekt unter den EU-Bürgern abgenommen zu haben.

Nichtsdestotrotz lassen die Ergebnisse keinen Zweifel daran, dass die Mehrheit der Europäer den Brexit für einen bedenklichen Schritt hält, der Risiken für Großbritannien, die Europäische Union und ihr eigenes Land birgt. Doch die Studie zeigt auch, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. So sehen viele den Brexit gleichermaßen als Chance und Herausforderung.

Die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens wird jetzt von der EU und anderen Ländern extrem aufmerksam beobachtet werden. Die britische Regierung wird für einen vorteilhaften Vertrag kämpfen – dennoch darf sie dabei die öffentliche Meinung in der EU nicht aus den Augen verlieren, da diese direkte Auswirkungen auf die britische Wirtschaft haben könnte. Es gibt zwar kaum Anzeichen für eine offensichtliche Ablehnung der europäischen Öffentlichkeit gegenüber Großbritannien, jedoch gab eine Minderheit bereits an, es sei wahrscheinlicher, dass sie britische Produkte oder eine Reise ins Vereinigte Königreich vermeiden werden. Eine Scheidung ist hart und Großbritannien hat bereits den Ruf ein unangenehmer Partner zu sein. Eine Gegenbewegung innerhalb der europäischen Öffentlichkeit ist das letzte, was die britische Wirtschaft verkraften kann.“

Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt zur EU-Studie Brexit und seine Folgen u.a. für die Region Darmstadt

Axel Scheer, Außenwirtschaftsexperte der Industrie und Handelskammer (IHK) Darmstadt, zur Studie des Europäischen Ausschusses der Regionen über die Folgen des Brexit für Regionen und Städte in der gesamten EU: „Großbritannien ist das drittwichtigste Exportland für Südhessen. 6,56 Prozent aller Exporte gingen 2017 dorthin. 3,9 Prozent aller Importe kommen aus dem Vereinigten Königreich.  Die vier wichtigsten Wirtschaftszweige für den Handel mit Großbritannien sind die Automobilbranche, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, elektrotechnische Produkte und Maschinen. Diese vier Sektoren machen fast 70 Prozent aller regionalen Exporte aus und sind in Südhessen stark vertreten. Im Importgeschäft sind chemische und pharmazeutische Produkte am stärksten vertreten, gefolgt vom Automobilsektor und Maschinen. Etwa 60 Prozent aller Exporte aus dem Vereinigten Königreich nach Hessen und in die Region stammen aus diesen Sektoren.

Wie der Brexit am Ende aussehen wird, weiß aktuell niemand. Insofern sind auch die Folgen für die regionale Wirtschaft völlig offen. Wünschenswert wäre zumindest ein Freihandelsabkommen. Unternehmen können und sollten sich bereits jetzt auf den Brexit vorbereiten. Bestehen die Voraussetzungen für das Erstellen von Zollanmeldungen? Soll gegebenenfalls ein externer Dienstleister eingeschaltet werden? Gibt es im Unternehmen Kenntnisse über eventuell zukünftig notwendige Dokumente? Müssen künftig besondere Zollverfahren wie aktive und passive Veredelung angewandt werden? Gibt es Genehmigungspflichten für den Export? Diese und andere Fragen sollten sich Unternehmen stellen. Und natürlich müssen sie den Fortgang der Verhandlungen verfolgen. Es geht ja auch um Themen wie Investitionen oder Personenfreizügigkeit. Die IHK Darmstadt unterstützt Unternehmen mit einer Checkliste und berät regelmäßig zu diesen Fragen.“

Steckbrief

Methode: Insgesamt wurden im Rahmen dieser Studie 12.525 Interviews durchgeführt unter Personen zwischen 16 und 64 Jahren (USA und Kanada: 18-64).
Feldzeit: 24. Juni bis 8. Juli 2016
Die Studie wurde über das Ipsos Online Panel in 16 Ländern durchgeführt. Die vorliegende Presse-Informationen befasst sich mit den Ergebnissen aus den neun EU-Ländern: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Schweden, Spanien, Ungarn. Außerhalb der EU wurde befragt in: Australien, Indien, Japan, Kanada, Russland, Südafrika, USA.

erschienen am: 2018-04-06 im europaticker



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