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Schrittweises Verbot für quecksilberhaltige Produkte

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EU-Quecksilberverordnung gilt ab 2018

In den kommenden 40 Jahren müssen in der Europäischen Union etwa 11.000 Tonnen metallisches Quecksilber beseitigt werden. Der größte Anteil davon fällt in der Chlor-Alkali-Industrie oder bei der Produktion von Nichteisenmetall sowie der Gasreinigung an.

Der Einsatz von Quecksilber wird in den kommenden Jahren EU-weit auf ein Minimum reduziert. So werden die Ausfuhr bestimmter Quecksilberverbindungen, die Ein- und Ausfuhr bestimmter Quecksilbergemische sowie die Herstellung und das Inverkehrbringen neuer Produkte, die Quecksilber enthalten, bis auf wenige Ausnahmen verboten. Dies regelt die neue EU-Quecksilberverordnung, die ab diesem Jahr gilt. Quecksilber hat Eigenschaften, von denen erhebliche Gefahren für die Gesundheit des Menschen, die natürliche Tier- und Pflanzenwelt sowie die Ökosysteme ausgehen können. Für die endgültige Beseitigung in Deutschland kommen vor allem Untertagedeponien in Frage.

Quecksilber wurde und wird als Metall und in Form von Verbindungen bei zahlreichen industriellen und haushaltsnahen Anwendungen genutzt.

Beispiele für Verwendungen von flüssigem Quecksilber sind: Elektrode in Chlor-Alkali-Anlagen, elektrische Schalter, Thermometer, Baro- und Manometer. Weitere Anwendungen sind Leuchtstofflampen (an das Leuchtpulver adsorbiertes elementares Quecksilber) und Zahnamalgam, das zu etwa 50 Prozent Quecksilber enthält.

In vielen Staaten wird elementares Quecksilber beim kleintechnischen Goldbergbau eingesetzt. Beispiele für die Verwendung von Quecksilberverbindungen sind: Katalysatoren in der chemischen Industrie, Knopfzellen, Farbpigmente, Saatgutbeizen, Konservierungsmittel für Medizinprodukte. Entsprechend vielfältig sind die zu entsorgenden Abfälle.

Anfallendes Quecksilber

Bei mehreren industriellen Prozessen fällt Quecksilber an, das abgeschieden und beseitigt werden muss. Beispiele sind die Verbrennung von Kohle, die Reinigung von Erdgas und metallurgische Verfahren.

Quecksilberhaltige Abfälle

Quecksilberhaltige Abfälle lassen sich je nach Herkunft vielen Kapiteln des Europäischen Abfallverzeichnisses  zuordnen und sind stets als gefährliche Abfälle eingestuft.
Bei der Entsorgung quecksilberhaltiger Abfälle sind vor allem die folgenden Aspekte zu beachten:
• die Flüchtigkeit von elementarem Quecksilber und einigen seiner Verbindungen,
• die Bildung von Amalgamen mit vielen Metallen,
• die Wasserlöslichkeit der meisten Quecksilberverbindungen,
• die Möglichkeit der mikrobiellen Bildung von Methylquecksilber.

In den “Technical guidelines for the environmentally sound management of wastes consisting of elemental mercury and wastes containing or contaminated with mercury,” die von der zehnten Vertragstaatenkonferenz des Basler Übereinkommens verabschiedet wurde, sind die möglichen umweltgerechten Entsorgungsverfahren für quecksilberhaltige Abfälle aufgelistet. Die folgenden nicht vorläufigen Methoden werden dort genannt:

• R4 Verwertung/Rückgewinnung von Metallen und Metallverbindungen;
• R5 Verwertung/Rückgewinnung anderer anorganischer Stoffe;
• R8 Wiedergewinnung von Katalysatorbestandteilen;
• D5 Speziell angelegte Deponien;
• D9 Chemisch/physikalische Behandlung;
• D12 Dauerlagerung (z.B. Lagerung von Behältern in einem Bergwerk usw.).

Beseitigung quecksilberhaltiger Abfälle

Quecksilberhaltige Abfälle müssen dauerhaft in geeigneter Form von der Umwelt ferngehalten und in tauglichen Behältern abgelagert werden. In Deutschland bieten die Untertagedeponien dafür die besten Voraussetzungen. Oberirdisch dürfen nur geringe Mengen Quecksilber enthaltende Abfälle abgelagert werden, wenn sie die Zuordnungswerte nach Anhang 3 der Deponieverordnung einhalten. Die Zuordnungswerte für Quecksilber sind zum Beispiel nach Deponieklassen gestaffelte Grenzwerte für die in einem genormten Schüttelversuch in Wasser gelöste Quecksilbermenge.

In vielen Fällen bietet sich als Vorbehandlung die Abtrennung des Quecksilbers vom übrigen Abfall durch thermische Verfahren an. Das dabei aufgefangene metallische Quecksilber wird dann einer zugelassenen Verwendung zugeführt oder separat beseitigt.

Konkret sieht die EU-Quecksilber-Verordnung folgende Verbote vor:

- ab dem 01.01.2018 gilt ein Verbot von Herstellungsprozessen, bei denen Quecksilber oder Quecksilberverbindungen als Katalysator verwendet werden;
- ab dem 31.12.2018 unterliegen bestimmte Lampen (Kompaktleuchtstofflampen, Hochdruck-Quecksilberdampflampen) dann einem Aus- und Einfuhr- sowie Herstellungsverbot;
- ab dem 01.01.2019 müssen Betreiber zahnmedizinischer Einrichtungen, in denen Dentalamalgam verwendet wird, Amalgamabscheider einsetze, die Quecksilberreste aus Flüssigkeiten und Abwässern sicher auffangen;
- ab dem 01.07.2019 darf Dentalamalgam nicht mehr für die zahnärztliche Behandlung von Milchzähnen, von Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden verwendet werden

Darüber hinaus gibt es weiter Einschränkungen und Verwendungsverbote. Die Verordnung wurde 2017 beschlossen. Sie setzt das so genannte Minamata-Übereinkommen um, mit dem der Einsatz von Quecksilber weltweit drastisch eingeschränkt werden soll. Deutschland ist seit dem 14.12.2017 Vertragspartei dieses Übereinkommens.


Im vom UBA beauftragten Projekt „Verhalten von Quecksilber und Quecksilberverbindungen bei der untertägigen Ablagerung in Salzformationen, insbesondere ihrer möglichen Mobilisierung durch salinare Lösungen“ wurde die Dauerlagerung von metallischem Quecksilber und von chemisch in Quecksilbersulfid umgewandeltes metallisches Quecksilber in Untertagedeponien untersucht. Die Stabilisierung von Quecksilber als Quecksilbersulfid steht inzwischen in großtechnischem Maßstab in Deutschland zur Verfügung. Die Vor- und Nachteile der Dauerlagerung als Flüssigkeit (Quecksilbermetall) oder als Quecksilbersulfid (Feststoff) müssen unter ganzheitlichen Gesichtspunkten gegeneinander abgewogen werden.

Der Originaltext der EU-Quecksilber-Verordnung:
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L:2017:137:FULL&from=DE

erschienen am: 2018-01-06 im europaticker



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