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Vorsorglichen Schutz der Bevölkerung vor gefährlicher Chemikalie PFC blockiert

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SPD befürchtet riesigen Umweltskandal in mehreren Regionen Bayerns

Die CSU blockiert Untersuchungen zur Belastung von Blut und Muttermilch auf die schädliche Chemikalie PFC. Ein parlamentarischer Antrag (PDF, 258 kB) der SPD-Fraktion, wonach zumindest in Gebieten, in denen PFC in Boden und Wasser über den entsprechen Orientierungs- oder Leitwerten liegen, die Bevölkerung besser geschützt und die Werte kontrolliert werden sollten, lehnte die CSU-Fraktion im Umweltausschuss ab. „Das versteht doch kein Mensch!“, kritisiert der SPD-Umwelt- und Verbraucherschützer Florian von Brunn. „Die bayerische Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, dass der Staat sie vor solchen Gefahren schützt.“

Per- und polyfluorierten Chemikalien reichern sich in Leber, Niere und Gallenblase an und können diese Organe schädigen sowie Krebs erzeugen. Das Umweltbundesamt hat in diesem Zusammenhang bereits 2016 veröffentlicht, dass zum Beispiel PFC im Verdacht steht, Hoden- und Nierenkrebs auszulösen. Die Übertragung von PFC von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit bewertet die Behörde dabei als besonders kritisch.

Von Brunn ist beim Thema PFC einem riesigen Umweltskandal auf der Spur: „Zunächst sah es danach aus, dass nur der Raum Altötting durch Produktionsrückstände einer Firma, die PFC verarbeitet hat, mit der giftigen Chemikalie belastet sei. Inzwischen ist klar, dass eine Vielzahl weiterer Gebiete drastische Überschreitungen von Leitwerten aufweisen.“ Darunter sind in Oberbayern Landsberg am Lech und Ingolstadt, in der Oberpfalz Grafenwöhr und Neustadt a. d. Waldnaab, in Niederbayern Neustadt a. d. Donau und in Mittelfranken Nürnberg. Zum Teil sind die Werte dort zehntausendmal höher als empfohlen.

Untersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass PFC auch nach einmaligen Brandbekämpfungsmaßnahmen mit AFFF-Schäumen noch Jahrzehnte später im Boden nachweisbar sind und dort zu Verunreinigungen des Grundwassers führen können. Kommen fluorhaltige Löschschäume bei Brandfällen zum Einsatz, muss daher verhindert werden, dass kontaminiertes Löschwasser ungereinigt in Oberflächengewässer gelangt oder in den Boden versickert. Auch eine Einleitung in die Kanalisation muss als kritisch betrachtet werden, da kommunale Kläranlagen nicht auf den Abbau von PFC spezialisiert sind und der Großteil dieser Stoffe dann letztendlich doch in die Oberflächengewässer eingetragen wird. Nach einem Brand muss das kontaminierte Löschwasser folglich durch Rückhalteeinrichtungen, Saugwägen usw. aufgefangen werden. Im Rahmen der Einsatzplanung der Feuerwehren sollte auch festgestellt werden, welche Möglichkeiten bestehen, größere Mengen an kontaminiertem Löschwasser zwischenzulagern. Mit den zuständigen Behörden (in Bayern die Wasserwirtschaftsämter in Absprache mit den Landratsämtern) muss nach einer Analyse der Inhaltsstoffe und deren Konzentration der Verbleib des Löschwassers abgeklärt werden.

Reinigen der Gerätschaften

Aus einigen Schadensfällen in Bayern ist bekannt, dass im Bereich von Feuerwachen erhöhte Kontaminationen aufgetreten sind. Diese sind auf die Reinigung von Fahrzeugen und Gerätschaften nach Übungen und Einsätzen mit PFC-haltigen Schaummitteln zurückzuführen. Es ist daher besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass Fahrzeuge und Gerätschaften nur auf versiegelten Flächen mit einer geordneten Abwwsserentsorgung gereinigt werden. Nach dem Einsatz von AFFF-Schäumen sollte ggf. die betroffene Kläranlage informiert werden, da bereits relativ geringe Mengen ausreichen um im Klärschlamm Werte über dem in Bayern geltenden Richtwert von 125µg/kg Trockenmasse (Summe PFC) zu verursachen. Dieser Klärschlamm dürfte dann nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden.

Entsorgung von PFOS-haltigen Löschschäumen

Seit dem 27.Juni 2011 dürfen PFOS-haltige Feuerlöschschäume weder für Übungszwecke noch zur tatsächlichen Brandbekämpfungen eingesetzt werden. Restbestände müssen fachgerecht entsorgt werden. In Frage kommen hierfür Entsorgungsfachbetriebe.

erschienen am: 2018-04-15 im europaticker



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