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Neonicotinoide Thiacloprid und Thiamethoxam um weiteres Jahr zugelassen
Landesregierung kann mit Sofortmaßnahmen zur Pestizidreduktion starten

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NABU kritisiert erneute EU-Zulassung für Bienenkiller

In der vergangenen Woche hat die EU-Kommission ihren Beschluss veröffentlicht, die Zulassung für 23 Pestizide um ein weiteres Jahr zu verlängern. Mit dabei sind die Insektengifte Thiacloprid und Thiamethoxam, die zur berüchtigten Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide gehören. „Thiacloprid gilt für Menschen als reproduktionstoxisch und möglicherweise krebserregend. Es schädigt auch Wild- und Honigbienen. Dass Brüssel die Zulassung für das Insektengift um ein Jahr verlängert hat, obwohl es nach den eigenen Kriterien nicht mehr zugelassen werden dürfte, zeigt, dass bei der Pestizidzulassung einiges im Argen liegt“, kritisiert NABU-Landeschef Johannes Enssle den EU-Beschluss. Nicht die Umwelt, sondern die Lobbyinteressen und Umsatzziele großer Konzerne stünden offenbar im Vordergrund. Die Firma BayerCropScience hat ein Monopol auf Thiacloprid und verdient EU-weit jährlich mindestens 50 Millionen Euro mit dem Wirkstoff. „Gifte wie Thiacloprid werden verharmlost und als Bienenunschädlich gekennzeichnet, obwohl sie es nachweislich nicht sind.“

„Für die Landesregierung von Baden-Württemberg erhöht sich damit der Druck, im Rahmen einer ambitionierten Pestizidreduktionsstrategie bis zum endgültigen Verbot von Neonicotinoiden rasch auf anderen Feldern zu handeln, um die Giftmenge nachhaltig zu reduzieren. Sofortmaßnahmen, die einfach umzusetzen wären, sind eine verbesserte, landwirtschaftliche Beratung und eine konsequente Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes im Land“, sagt Enssle.

Im Südwesten werden nach Recherchen des NABU jedes Jahr rund 4,3 Tonnen des Insektengifts Thiacloprid ausgebracht. Das klingt nach wenig, doch es reichen bereits wenige Milliardstel Gramm dieses Wirkstoffes, um Wild- und Honigbienen erheblich zu schädigen.“ In Baden-Württemberg wird das Insektengift Thiacloprid vor allem im Raps-, Weizen-, Apfel- und Kartoffelanbau benutzt – in der Summe aller Anwendungen auf rund 50.000 Hektar pro Jahr.

Kirsten Tackmann: Mehr Transparenz bei Pflanzenschutzmitteln reicht nicht

„Dass die EU-Kommission nun für mehr Transparenz sowohl bei der wissenschaftlichen Bewertung von Pflanzenschutzmitteln als auch im EU-Recht zur Lebensmittelsicherheit sorgen will, ist ein wichtiger Erfolg der Bürgerinitiative für ein Verbot von Glyphosat, reicht aber bei weitem nicht aus. Hier wird lediglich neue Fassadenfarbe aufgetragen, wo eigentlich eine Grundsanierung oder sogar ein Neubau notwendig wäre. Was wir wirklich dringend brauchen, ist ein Zulassungsverfahren, das alle ökologischen, gesundheitlichen und sozioökonomischen Risiken bei Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen unabhängig und vollständig bewertet, damit die Zulassung gefährlicher Wirkstoffe sicher verhindert werden kann“, erklärt Kirsten Tackmann, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Agrarpolitik. Tackmann weiter:

„DIE LINKE fordert schon lange, Langzeit- und kumulative, subklinische oder chronische Effekte in die Bewertung einzubeziehen und auch Risiken für bestehende Ökosysteme vollständig zu erfassen. Außerdem muss die Finanzierung der dafür notwendigen öffentlichen Risikoforschung zwingend auf eine neue Grundlage gestellt werden. Eine Zulassungsentscheidung vor allem auf der Grundlage von Studien der antragstellenden Konzerne ist absurd. Bei einem neu gestalteten Zulassungsverfahren würde Glyphosat mit Sicherheit durchfallen.“

Pestizidbericht des NABU Baden-Württemberg: www.NABU-BW.de/pestizidbericht

erschienen am: 2018-04-16 im europaticker



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