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Julia Klöckner: Minderungsstrategie soll den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel
deutlich einschränken

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BUND-Kommentar: Klöckner irrt: Nationales Glyphosatverbot möglich

Die Kommission hat Mittwoch (11.04.2018) einen Vorschlag für mehr Transparenz bei den wissenschaftlichen Studien im Bereich der Lebensmittelsicherheit vorgelegt und reagiert damit auf die Bedenken, die von den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen einer erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative geäußert wurden. Der Hintergrund ist der europaweite Streit um die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Insbesondere die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, die wegen der Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der Kritik stand, soll künftig Bürgern leichter Informationen zugänglich machen.

Zum Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner „Ich bin vertragstreu und halte mich an den Koalitionsvertrag. Wir haben vereinbart, mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel deutlich einzuschränken, mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir auch stärker in die Forschung nach alternativen Pflanzenschutzmitteln investieren.“

Zur den Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zum Glyphosat-Verbot erklärt der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Dr. Gero Hocker: „Die Bedenken der Landwirtschaftsministerin gegenüber einem pauschalen Glyphosat-Verbot sind begrüßenswert. Denn ein ideologisch motiviertes Verbot ist wenig zielführend. Das Pflanzenschutzmittel ist für die Arbeit der Landwirte von großer Bedeutung und bei fachgerechter Anwendung aus wissenschaftlicher Sicht unbedenklich. Ein Verbot würde lediglich andere, weniger geprüfte und möglicherweise ineffiziente Mittel zum Einsatz kommen lassen. Wissenschaftliche Erkenntnissen müssen den Vorzug vor politischen Befindlichkeiten haben. Ein Entzweien der Koalitionäre ist bereits jetzt erkennbar. Frau Klöckner versteckt sich mit ihrem Vorstoß hinter der EU, während ihre Bedenken bei den ideologisch festgelegten Sozialdemokraten vermutlich auf wenig Gegenliebe stoßen werden.“

BUND-Kommentar: Klöckner irrt: Nationales Glyphosatverbot möglich. Mehrheit der Bevölkerung für den Komplettausstieg

Zu den Aussagen von Landwirtschaftsministerin Klöckner, sie sehe die Durchsetzbarkeit eines Verbots von Glyphosat skeptisch, kommentierte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND): „Ministerin Klöckner liegt in der Glyphosatfrage falsch. Deutschland sind bei einem Verbot keineswegs die Hände gebunden. Aufgrund der massiven Auswirkungen von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf die biologische Vielfalt könnte Deutschland im Rahmen der nationalen Zulassung Verbote und Auflagen erlassen, um unannehmbare Risiken für die Umwelt abzuwenden. Das bestätigt auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages.

Eine Umfrage* des BUND zeigt: 85 Prozent der Bevölkerung wollen den Komplettausstieg aus Glyphosat. 87 Prozent davon sprechen sich für ein Ende des Totalherbizids innerhalb der nächsten drei Jahre aus. Ministerin Klöckner sollte diesen Wunsch umsetzen, statt sich hinter falschen Behauptungen zu verstecken. Nach wie vor ist die Landwirtschaft der mit Abstand größte Verwender von Glyphosat: 40 Prozent der Ackerfläche werden mit Glyphosat behandelt. Von den 5.000 Tonnen des Ackergifts, die jährlich in Deutschland eingesetzt werden, landen nur 100 Tonnen bei Privatanwendern, 65 Tonnen werden von der Bahn eingesetzt.

Dabei wollen wir keineswegs den Landwirtinnen und Landwirten die Schuld für diese Entwicklungen in die Schuhe schieben. Verantwortlich sind die politischen Rahmensetzungen, die die Landwirtschaft seit Jahrzehnten einseitig auf Kostenführerschaft und Weltmarkt trimmen. Die Politik muss endlich gegensteuern, damit Bäuerinnen und Bauern mit einer umwelt- und tiergerechten Bewirtschaftung gute Einkommen erwirtschaften können.“

 EU-Kommission will künftig mehr Transparenz bei der Bewertung möglicher gesundheitlicher Risiken durch Agrarprodukte sicherstellen

Vertrauen in wissenschaftliche Studien zur Lebensmittelsicherheit

*Die Emnid-Umfrage im Auftrag des BUND (Februar 2018) finden Sie zum Download unter: www.bund.net/glyphosat-umfrage

Aufgeschlüsselt nach Parteineigung ergab sich bei der Frage nach einem festen Zeitpunkt für den Komplettausstieg folgendes Zustimmungsbild: SPD 81 Prozent, CDU/CSU 87 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen 91 Prozent, FDP 73 Prozent, Die Linke 94 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach Parteineigung ergab sich bei der Frage, ob der Komplettausstieg innerhalb der nächsten drei Jahre abgeschlossen sein muss, ebenfalls eine sehr deutliche Zustimmung: SPD 90 Prozent, CDU/CSU 88 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen 92 Prozent, FDP 100 Prozent, Die Linke 99 Prozent.

Weitere Informationen zum Thema Glyphosat finden Sie unter: www.bund.net/umweltgifte/glyphosat/

Zum Thema pestizidfreie Kommune unter: https://www.bund.net/umweltgifte/pestizide/pestizidfreie-kommune/

erschienen am: 2018-04-16 im europaticker



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