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Realer Irrsinn: Bremer Biomüll-Posse - Remondis reagiert auf die Proteste der Bürger vor Ort
Bremen: Suche nach dem besten Standort für den Biomüll-Sammelplatz

In einem aktuellen Antrag hat sich die SPD-Fraktion in der Debatte um den geplanten Biomüll-Sammelplatz klar aufgestellt: „In unseren Augen kann es nicht angehen, dass dieser Sammelplatz, von dem aus der Biomüll dann weiter nach Bohmte gefahren werden soll,  ausgerechnet in einem ohnehin benachteiligten Quartier entstehen soll“, betont die örtliche SPD-Abgeordnete Petra Krümpfer. Die Erwartung der Fraktion ist daher, dass der Bremer Biomüll künftig dort zwischengelagert und letztlich abtransportiert wird, wo er auch bisher weiterverarbeitet wurde: an der Blocklanddeponie.

Realer Irrsinn: Bremer Biomüll-Posse

Eine Bremer Firma sorgt seit 20 Jahren dafür, dass aus Bremer Biomüll Bremer Erde wird. Nun hat die Bremer Umweltbehörde die Verwertung des Biomülls neu ausgeschrieben. Mit absurden Folgen. (Extra 3:Realer Irrsinn: Bremer Biomüll-Posse vom13.09.2017 | 3 Min. | Quelle: NDR)

Für das umstrittene Biomüll-Zwischenlager in Bremen gibt es, nach Informationen von Radio Bremen, offenbar einen neuen Standort. Demzufolge soll der Abfall jetzt auf einem Gelände im Industriehafen gesammelt werden. Doch auch hier gibt es Gegenwind: Der Beirat Gröpelingen lehnt die Pläne ab. "Der Biomüll stellt für die Anwohner eine nicht hinnehmbare Belastung dar", sagte Beiratssprecherin Barbara Wulff: "Durch Staub, Lärm und Gerüche aus den Häfen ist der Ortsteil Oslebshausen ohnehin schon benachteiligt." Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Umweltsenators, sagte zu buten un binnen, aus seiner Sicht sei der Antrag für den Standort Oslebshausen genehmigungsfähig, man werde ihn jetzt prüfen. Bis zum 1. Juli dieses Jahres müsste das Gelände dann noch hergerichtet werden.

Remondis reagiert auf die Proteste der Bürger vor Ort

„Ich fand es sehr gut, dass Remondis auf die Proteste der Bürger vor Ort schnell reagiert hat, als noch Woltmershausen als Standort für den Biomüll-Sammelplatz im Gespräch war. Diese Einsicht muss sich auch bei dem jetzt geplanten Standort im Bremer Westen durchsetzen – denn deutlicher Protest ist auch an diesem Ort programmiert“, sagt Krümpfer. Sie hofft, dass sich sowohl Remondis als Unternehmen, das künftig für die Biomüll-Entsorgung zuständig sein wird, als auch die Firma Nehlsen, die damit bisher betraut war,  ihrer Verantwortung bewusst sind: „Auch wenn der in Oslebshausen geplante Sammelplatz rechtlich wohl nicht zu beanstanden ist, setzen wir darauf, dass unter Vermittlung des Senats Gespräche mit dem bisherigen Biomüll-Entsorger Nehlsen geführt werden, sodass dessen bisherige Fläche zur Bearbeitung des Biomülls auch zukünftig durch den neuen Entsorgungsdienstleister genutzt werden kann. Es kann weder im Interesse des neuen noch des bisherigen Entsorgungsbetriebs sein, die Menschen gegen sich aufzubringen“, so Krümpfer.

Sollten diese Gespräche dennoch nicht zum Erfolg führen, fordert die SPD-Fraktion, dass der Senat den neuen Biomüll-Entsorger bei der Suche nach einer entsprechenden Gewerbefläche außerhalb Bremens an der Fahrtstrecke nach Bohmte nach Kräften unterstützt.

Bremer Biomüll wird zu klimafreundlichem Strom

Die Bremer Umweltbehörde hatte im September des vergangenen Jahres die Verwertung des Bremer Bioabfalls an die Firma Remondis vergeben. Bereits Ende Juni wurde der Zuschlag für Grünabfall an die Nehlsen-Tochterfirma Kompostierung Nord (KNO) erteilt. Die Firma Remondis konnte sich bei der energetischen Verwertung von Bioabfall aus der Biotonne durchsetzen, während die Firma KNO für die Kompostierung der Grünabfälle (Garten- und Parkabfälle) das beste Angebot abgegeben hat. Die Umweltbehörde hat beide Firmen in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ausgewählt; dazu ist die Behörde verpflichtet.

"Aus dem Bremer Biomüll wird klimafreundlicher Strom. Mit dem Strom können über 1.000 Haushalte versorgt werden, das spart rund 2.000 Tonnen CO2", so Umweltstaatsrat Ronny Meyer. Der Bremer Biomüll wird dafür zukünftig in eine rund 90 Kilometer entfernte Vergärungsanlage bei Bohmte-Hunteberg, nahe Osnabrück, gefahren. "Wir können gut nachvollziehen, dass die dadurch entstehenden Mülltransporte in der Öffentlichkeit sehr kritisch gesehen werden. Wir haben bei der Auswahl der Angebote ökologische Kriterien, wie z.B. die Energieeffizienz und die Entfernung der Anlagen, mit berücksichtigt, aber nach geltendem Vergaberecht müssen die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit gewahrt werden. Damit erhält der Preis vergaberechtlich ein sehr hohes Gewicht.", so Meyer. Trotz des LKW-Transportes bleibt die Ökobilanz aufgrund der energetischen Nutzung mit netto rund 1.800 Tonnen eingespartem CO2 deutlich positiv. Das entspricht ungefähr der Menge CO2, die rund 1.100 Bundesbürger durchschnittlich durch Autofahren pro Jahr produzieren. Bisher wird der Biomüll nicht energetisch verwertet sondern lediglich kompostiert.

Der Grünabfall wird weiterhin durch die Nehlsen-Tochterfirma KNO in Bremen kompostiert und zum Teil als "Bremer Kompost" an den Recycling-Stationen an die Bürgerinnen und Bürger verkauft. Durch den Einsatz von Kompost im Gartenbau und in Privatgärten kommt damit ressourcenschonend natürlicher Dünger zum Einsatz.

Die Ausschreibung ist notwendig geworden, weil die bisherigen Verträge von 1998 vertragsgemäß ausgelaufen sind. Die neuen Verträge beginnen ab 1.7.2018 und haben eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren beim Bioabfall und vier Jahren beim Grünabfall. In Bremen fallen jährlich rund 25.000 Tonnen Biomüll und 30.000 Tonnen Grünabfall an. Die separate Erfassung von Bio- und Grünabfällen aus Haushalten erfolgt in Bremen auf unterschiedlichen Wegen. Während die Bioabfälle in der braunen Biotonne gesammelt werden, erfolgt die Einsammlung von Grünabfällen kostenlos auf den Recycling-Stationen. Die Kosten für die Verwertung von Biomüll und Grünabfall werden über die Abfallgebühren abgerechnet.

Remondis plant den Bremer Biomüll mit jährlich rund 1000 LKW in eine Vergärungsanlage
in Osnabrück zu transportieren

Linksfraktion kritisiert geplanten Umschlag des Biomülls in Oslebshausen

Enslein verfügt über langjährige Führungserfahrung in der Entsorgungs- und Energiebranche
sowohl auf privater als auch auf kommunaler Seite

Daniela Enslein steuert als neuer Vorstand die Rekommunalisierung der Bremer Abfallwirtschaft

erschienen am: 2018-05-13 im europaticker


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