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Verein, der dafür bekannt ist, kräftig auszuteilen, zeigt sich in einer sogenannten "Richtigstellung"
tief berührt und ein "erbärmlich dünnes Fell"
BILD-Zeitung: DUH schickt Kinder zum Betteln auf die Straße

Die Schulaufsicht hat eine Sammelaktion von Gymnasiasten in Radolfzell für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gestoppt. Schulen sei es nach einer Verwaltungsvorschrift nicht erlaubt, erklärte eine Sprecherin des Kultusministeriums, sich als Mittler an Spendenaktionen für Organisationen wie die DUH zu beteiligen. Die DUH war in der vergangenen Woche hart von der "BILD-Zeitung" angegangen worden. Der Verein, der dafür bekannt ist, schon einmal kräftig auszuteilen, zeigte sich in einer Gegendarstellung tief berührt und zeigt ein "erbärmlich dünnes Fell".

Die nichtstaatliche DUH wird immer kritischer beäugt. Nicht, weil man dem Überbringer der schlechten Nachricht ans Leder will, sondern weil dessen Botschaft und auch Geschäftsgebaren durchaus fragwürdig erscheint. Die DUH treibt einen Großteil ihrer Gelder durch Abmahnungen ein, etwa wenn Händler oder Makler die Energiekennzeichnung vergessen oder zu klein anbringen, wie der Tagesspiegel berichtete.

Sammelaktionen, die es seit über 40 Jahren geben soll, sind nach der Satzung der Umwelthilfe eine der Möglichkeiten das Stimmrecht zu erlangen. Nach § 3 deren Satzung sei eine aktive Mitgliedschaft an die Unterstützung der Zwecke der Umwelthilfe gebunden. Sie besteht zum Beispiel aus der aktiven Unterstützung von Projekten, aus ehrenamtlicher Mitarbeit sowie aus Aktionen zur Beschaffung von Finanzmitteln, beispielsweise aus der Tätigkeit bei Haus- und Straßensammlungen. Das aktive Mitglied ist von einem Mitgliedsbeitrag freigestellt. Aktives oder förderndes Mitglied könne jede natürliche oder juristische Person oder eine Untergliederung der letzteren werden. Das Mitglied verpflichtet sich durch seinen Beitritt, für die Ziele der Umwelthilfe einzutreten und den Beitrag zu leisten. Derzeit sind in dem Verein laut Angabe des Präsidenten des Deutschen Bundestages 283 Mitglieder registriert.

Nach eigenen Angaben will der Verein, der beim Registergericht Hannover eingetragen ist und seinen Sitz in der BUND-Geschäftsstelle in Hannover hat, im Jahr 2016 für Kampangen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit gerundet 3.811 Euro ausgegeben. Eingenommen haben die Umwelt- und Verbraucherschützer allein mit ihrer DUH über 8,1 Millionen Euro. Die 100 Mitarbeiter erhalten insgesamt Gehälter in Höhe von knapp 5 Millionen Euro. Was die beiden Bundesgeschäftsführer und die stellvertretende Geschäftsfüherin an Bezügen erhalten, werden nicht veröffentlicht, dürfte aber nach der Veröffentlichung des Jahresberichtes nicht unter 1 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: Die Bundeskanzlerin erhält an Jahresbezüger aus ihrer Abgeordneten- und Kanzlertätigkeit 320 T Euro.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg hatte sich ein Bürger über die Aktion beklagt, als er die Schüler sah. Die Schulaufsicht habe daraufhin die Schulleitung des Gymnasiums auf die Vorschrift hingewiesen. Diese habe die Sammlung dann abgebrochen, bis geklärt ist, ob die Vorschrift missachtet wurde. Die DUH dürfe Flyer an die Schulen geben und auch am Schwarzen Brett aufhängen, hieß es beim Ministerium. Jedoch dürften die Lehrer nicht dafür werben.

Deutsche Umwelthilfe stellt vermeintliche Falschaussagen in der Bild-Zeitung über die Spendenaktion Haus- und Straßensammlung richtig

Der in der Dienstag-Ausgabe der Bild-Zeitung erschienenen Artikel über die Haus- und Straßensammlung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wertet der Verein als haltlosen Versuch, ihre Umwelt- und Verbraucherschutzarbeit und insbesondere ihre Arbeit für saubere Luft und Transparenz beim Dieselabgasskandal zu diskreditieren, schreibt der Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner in einer Presseaussendung. Die BILD hatte getitelt: "Ministerium stoppt Sammel-Aktion der Deutschen Umwelthilfe So schicken die Diesel-Hasser Kinder betteln".

Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Umwelthilfe! Seit Jahren muss sich der Verein gegen Vorwürfe wehren, er bekämpfe als Diesel-Hasser die deutsche Autoindustrie und ließe sich von ausländischen Automobilherstellern sponsern. Doch das Geld allein scheint ihm nicht zu reichen: Der Lobby-Verein hat Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren zum Betteln auf die Straße geschickt, schreibt die BILD.

BILD-Engagement für eine Schmutzkampagne gegen die DUH absolut geschmacklos

„Die Aussagen in dem Bild-Artikel sind irreführend und falsch. Die hinter diesem Artikel steckende Absicht ist ein durchsichtiges Manöver und ein erneuter unglaublicher Versuch, die DUH zu schädigen“, sagt Sascha Müller-Kraenner. „Bei der Haus- und Straßensammlung engagieren sich Schüler und Jugendliche für einen gemeinnützigen Zweck. Dieses Engagement für eine Schmutzkampagne gegen die DUH zu instrumentalisieren, ist absolut geschmacklos“, jammert Müller-Kraenner, der Co-Geschäftsfüher von Jürgen Resch. Müller-Kraenner hat den Job als Nachfolger von dem im September 2014 verstorbenen Michael Spielmann übernommen, der zuvor die Sielmann-Stiftung geleitet hatte. Rainer Baake, zuvor Staatssekretär im Bundesumweltministerium hatte zum Jahreswechsel 2011/12 nach Insidermeinungen die DUH nicht in Freundschaft verlassen und somit den Platz für Spielmann frei gemacht.

Im Dezember 1990 kandidierte Müller-Kraenner für die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Bayreuth als Direktkandidat für den Deutschen Bundestag. 1991 arbeitete Müller-Kraenner als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Naturschutz der Abgeordneten Kornelia Müller (Grüne) im Sächsischen Landtag. Von 1991 bis 1998 war er beim Deutschen Naturschutzring (DNR) verantwortlich für den Aufbau der EU-Koordination. 1998 ging er für die Heinrich-Böll-Stiftung in die Vereinigten Staaten und gründete dort deren erste Niederlassung in Washington, D.C., die er bis 2002 führte. 1995 war er Mitbegründer des „Ecologic Institute“, einer transdisziplinären Forschungsorganisation mit dem Schwerpunkt auf Umweltforschung. Seitdem ist er Gesellschafter und Berater des Institutes.

Nicht Kultusministerium sondern das Regierungspräsidium in Freiburg hat die Sammlung abgebrochen

Mit der jährlich durchgeführten Haus- und Straßensammlung unterstützt die DUH bereits seit 42 Jahren Naturschutzverbände und Schulklassen bei der Realisierung verschiedener Umweltprojekte. Bei der Sammelaktion handelt es sich nicht um eine Spendensammlung zum Nutzen der DUH. Die Aktion findet jährlich in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Saarland mit ca. 75 Sammelgruppen, darunter auch Schulen, statt. Der frühere baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) war mehrfach Schirmherr der Sammlung.

Das Kultusministerium hat die Sammlung nicht abgebrochen – dies bestätigt auch das Kultusministerium. Die Meldung der Bild-Zeitung ist falsch. Die Sammlung, auf die sich die Bild-Zeitung bezieht, fand wie geplant im Zeitraum 20.4. bis 29.4.2018 an vielen Orten in Baden-Württemberg statt. Erstmalig und ausschließlich das Regierungspräsidium in Freiburg hat sich dagegen ausgesprochen, dass Lehrkräfte einer Schule in Radolfzell, des Friedrich-Hecker-Gymnasiums, für die Haus- und Straßensammlung der DUH werben. Sammelaktionen wie die Haus- und Straßensammlung sind in Baden-Württemberg wie in den meisten anderen Bundesländern bereits seit 2013 nicht mehr genehmigungspflichtig.

Es sei ebenfalls frei erfunden, dass die Sammlung kommerziellen Zwecken diene. Die Sammlung ist zweckgebunden für Projekte, die dem Natur- und Umweltschutz zugutekommen. 60 bis 70 Prozent der Einnahmen stehen den Sammelgruppen für die Finanzierung ihrer eigenen Projekte zur Verfügung. Die übrigen Mittel werden von der DUH an Naturschutzprojekte auf Kreis- und Landesebene vergeben. Fünf bis zehn Prozent verbleiben bei der DUH. 90 Prozent der Gelder – und nicht wie im Bild-Artikel behauptet 60 Prozent – fließen somit in die Projekte. Eine Überprüfung für Außenstehenden ist nicht möglich, da die Umwelthilfe den letzten Geschäftsbericht auf das Jahr 2017 veröffentlicht hat, aber mit einem Jahresabschluss auf das Jahr 2016.

Die DUH kümmert sich um die Versicherung für die Gruppen, die nötigen Materialien und informiert die Presse über Sammelaktionen. Die groß angelegte Sammelaktion erleichtert es den Gruppen, Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel für ihre Projekte zu erhalten.

Neben der Umweltbildung soll den Schülern das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ für eigene Belange nähergebracht werden. Zahlreiche Ideen konnten bereits realisiert werden. Dazu gehören die Anschaffung von Mikroskopen, die Gestaltung von grünen Klassenzimmern; auch der Bau einer Photovoltaikanlage oder die Pflege des eigenen Schulwaldes wurden mit Mitteln aus der Haus- und Straßensammlung unterstützt. Die Schüler am Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell haben unter anderem für Schmetterlingsexkursionen auf Streuobstwiesen benötigte Gelder gesammelt.

Aktionen wie die Haus- und Straßensammlung für den Umwelt- und Naturschutz sind weder ungewöhnlich noch fragwürdig. So führen auch viele andere gemeinnützige Organisationen ähnliche Sammlungen durch, rechtfertigt Müller-Kraenner die ungewöhnliche Satzungsbestimmung zur Geldbeschaffung.

Luftverschmutzende Emissionen verursachen in der EU jedes Jahr 400 000 vorzeitige Todesfälle und führen zu Atemwegserkrankungen und erheblichen Gesundheitskosten
Abgastests von Kraftfahrzeugen

Bild: Geschäftsführung Deutsche Umwelthilfe: Jürgen Resch, Barbara Metz, Sascha Müller-Kraenner (v.l.) (c) DUH

erschienen am: 2018-05-13 im europaticker


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