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2005 – 2016: Preise für Trinkwasser um 17,6 % gestiegen, Verbraucherpreise insgesamt um 16,1 %
Ohne verstärkten Schutz der Trinkwasserressourcen drohen zukünftig Preissteigerungen

Einige Medien berichten darüber, dass der Preis für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 um 25 Prozent gestiegen sei. Sie beziehen sich hierbei auf eine Auswertung der grünen Bundestagsfraktion, die nach eigenen Angaben auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes basiert.

Bei den von der Grünen Fraktion herangezogenen Angaben handelt es sich nicht um Zahlen aus der Preisstatistik, sondern aus der Umweltstatistik, genauer um die Erhebung der Wasser- und Abwasserentgelte.

Die Erhebung der Wasser- und Abwasserentgelte wird seit 2007 alle drei Jahre für das Berichtsjahr und die zwei vorhergehenden Jahre bei den Unternehmen und Gemeinden durchgeführt, die für die öffentliche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zuständig sind.

Ein Zeitvergleich zwischen den Jahren 2005 bis 2016 kann aufgrund von methodischen Umstellungen im Berichtszeitraum nicht vorgenommen werden. So sind die Daten ab 2014 wegen konzeptioneller Änderungen in der Auswertung mit den Vorjahren nicht vergleichbar. So werden zum Beispiel seit 2014 nur Tarifgebiete mit identischen Tarifsystemen zusammengefasst, während bis 2013 auch Tarifgebiete mit unterschiedlichen Tarifsystemen schwerpunktmäßig zusammengefasst wurden, siehe Qualitätsbericht.

Die Verbraucherpreisstatistik ist für einen Preisvergleich zwischen den Jahren 2005 bis 2016 als Quelle besser geeignet. Die Aussage, Trinkwasser wird immer teurer, ist in der Form für den kompletten Zeitraum 2005 bis 2016 anhand dieser Quelle nicht haltbar:

Im Rahmen der Verbraucherpreisstatistik werden unter anderem auch Preise für die Wasserversorgung privater Haushalte erhoben. Die Verbraucherpreise für Wasserversorgung sind im Zeitraum 2005 bis 2016 um 17,6 % gestiegen. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im gleichen Zeitraum mit + 16,1 % etwas geringer. Für den Zeitraum von 2014 bis 2016 verteuerten sich die Verbraucherpreise für Wasserversorgung um + 4,1 % und damit deutlich stärker als die Verbraucherpreise insgesamt (+ 0,8%). Für die einzelnen Jahre 2014, 2015 und 2016 ergibt sich folgendes Bild: 2014 lag die Teuerungsrate für die Wasserversorgung mit + 0,7 % knapp unterhalb der Gesamtteuerung für die Verbraucher (+ 0,9 %), 2015 und 2016 lagen die Teuerungsraten für Wasserversorgung mit + 1,9 % (2015) und mit + 2,1 % (2016) oberhalb der Gesamtteuerung (2015: + 0,3 %; 2016: + 0,5 %). Allerdings lag im darauffolgenden Jahr 2017 der Anstieg der Verbraucherpreise insgesamt mit + 1,8 % gegenüber 2016 über dem Anstieg der Verbraucherpreise für Wasserversorgung (2017 gegenüber 2016: + 1,3 %). Auch am aktuellen Rand liegen die monatlichen Raten 2018 für die Wasserversorgung im Bundesdurchschnitt unterhalb der monatlichen Inflationsraten.

BDEW zu Trinkwasserpreisen: Entwicklung der Trinkwasserpreise entlang der allgemeinen Teuerungsrate

Im Hinblick auf die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Trinkwasserpreise stellt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fest: „Die Preise für unser Trinkwasser haben sich in den vergangenen Jahren entlang der Inflationsrate entwickelt. Dass dies eine sehr moderate Entwicklung ist, zeigt sich auch daran, dass zeitgleich die Investitionen der Wasserversorger in ihre Infrastruktur in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Allein im Jahr 2018 werden die Wasserversorger voraussichtlich etwa 2,7 Milliarden Euro investieren“, sagte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser heute in Berlin.

Richtig ist jedoch, dass ohne einen konsequenten Schutz unserer Trinkwasserressourcen in Zukunft Preissteigerungen drohen:
„Wenn sich die gängige Düngepraxis nicht ändert, könnten erhebliche Mehrkosten auf die Verbraucher zukommen: Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden. Denn die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordert eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung. Das zeigt ein BDEW-Gutachten zu den Kosten der Nitratbelastung“, so Weyand.

Dass die Situation mit Blick auf die Nitratbelastung besorgniserregend sei, zeige der aktuelle Bericht der Europäischen Union zur Nitratbelastung der Wasserressourcen: Im Schnitt wird demnach an 28 Prozent der Messstationen der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten.

Weyand: „Die Berechnungen des BDEW-Gutachtens zeigen: Eine Nitratentfernung könnte die Jahreswasserrechnung in betroffenen Regionen um bis zu 62 Prozent erhöhen. Bei den betrachteten Wasserversorgern würde die durchschnittliche Jahresrechnung eines 3-Personen-Haushalts (6-Familienhaus) von aktuell 217 Euro auf 352 Euro steigen.“

Ein weiteres Problem, dass angegangen werden muss: Die Überalterung der Gesellschaft und der steigende Pro-Kopf-Verbrauch an Medikamenten führen zu einem Anstieg des Medikamentenverbrauchs um bis zu 70 Prozent bis 2045. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsinstitutes Civity im Auftrag des BDEW. „Zwar gibt es heute keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität. Dennoch sollte alleine aus Sicht eines vorsorgenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt so gering wie möglich sein. Die Hersteller sind gefordert, umweltschädliche Wirkstoffe nach Möglichkeit zu ersetzen. Apotheken sollten auf bedarfsgerechte Verpackungsgrößen achten und Verbraucher ihre alten Medikamente sachgerecht über den Haus- oder Sondermüll entsorgen“, so Weyand.

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erschienen am: 2018-05-15 im europaticker


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