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Umweltminister Lies: „Niedersachsen ist Vorreiter"
Landesweite Untersuchung zu multiresistenten Keimen in Gewässern gestartet

Um die Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern (MRGN) in der Umwelt zu untersuchen, hat das Land Niedersachsen jetzt mit einem landesweiten Sondermessprogramm begonnen. Im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums wurde heute (Montag) an einer Messstelle in Sarstedt an der Innersten eine Wasserprobe entnommen. Insgesamt sollen innerhalb der nächsten Wochen an die 200 Proben an 80 verschiedenen Stellen gezogen werden. Die ersten Proben wurden bereits Anfang Mai in den südlichen und östlichen Regionen Niedersachsens genommen.

Bei Probenahmen des NDR Anfang des Jahres an zwölf niedersächsischen Gewässern wurden erhöhte Konzentrationen multirestistenter Keime gefunden. Die Keime gelten als extrem gefährlich. Wissenschaftler vermuten, dass diese vor allem aus der Nutztierhaltung stammen. Ein Mann fällt in einen Bach, ertrinkt fast. Im Klinikum finden die Ärzte multiresistente Erreger in seiner Lunge. Kurz darauf stirbt der Mann. Die genaue Todesursache bleibt ungeklärt. Klar ist aber: Nach dem Todesfall untersucht das Gesundheitsamt das Bachwasser und entdeckt tatsächlich gefährliche, resistente Keime. Diese Meldung aus Frankfurt vom vergangenen Frühjahr war der Anlass für eine monatelange Recherche und eine Reise quer durch Niedersachsen. Journalisten der NDR Sendung Panorama - die Reporter wollten wissen, ob möglicherweise auch hier solche Keime in Gewässern zu finden sind.

Das Land Niedersachsen beschäftigt sich bereits seit 2016 intensiv mit diesem Thema, hieß es darauf zunächst aus dem Ministerium. Damals habe der Interministerielle Arbeitskreis der Niedersächsischen Landesregierung eine Strategie gegen Antibiotikaresistenz beschlossen und 2017 den Abschlussbericht für eine Antibiotikastrategie vorgelegt (www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de). Die Strategie verfolgt den sogenannten „One-Health-Ansatz", nach dem die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in Beziehung stehen und somit auch gemeinsam betrachtet werden müssen. Die gemeinsame niedersächsische Strategie gegen Antibiotikaresistenz wird fortgeführt und weiterentwickelt.

Die Probenahme an allen 80 Standorten wird voraussichtlich in der Pfingstwoche beendet sein.

Die Untersuchung wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Kooperation mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn durchgeführt. Das Sondermessprogramm soll einen landesweiten Überblick über die Belastungssituation von Flüssen und Bächen mit multiresistenten Bakterien liefern und erste Abschätzungen zu Eintragspfaden und Verbreitungswegen dieser Bakterien in der Umwelt ermöglichen, sowie Wissenslücken schließen. Die Ergebnisse der niedersächsischen Untersuchungen werden im Laufe des Sommers 2018 erwartet.

Minister Olaf Lies: „Wir wissen zur Zeit noch zu wenig über das Vorkommen, die Wirksamkeit und die Verbreitung von multiresistenten Keimen in Gewässern. Auch gibt es momentan keine Kriterien oder Grenzwerte zur Bewertung von multiresistenten Keimen in Gewässern. Nur Badegewässer werden in der Badesaison auf Keime untersucht, Fließgewässer auf Schadstoffe, nicht aber auf multiresistente Keime. Standardisierte Untersuchungsverfahren, wie sie in der Trink- und Abwasseruntersuchung üblich sind, fehlen. Der Gesetzgeber hatte dafür bisher keine Veranlassung gesehen. Wir haben also Wissenslücken, die wir schließen wollen. Niedersachsen ist hier Vorreiter."

Die niedersächsischen Proben werden mit dem sogenannten „HyReKa Methodenspektrum" nach dem aktuellen Stand der Forschung untersucht. In dem deutschlandweiten Verbundprojekt „HyReKa" (Hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern), an dem auch das Universitätsklinikum Bonn beteiligt ist, werden zurzeit unter anderem Standardmethoden zur Untersuchung der Verbreitung von antibiotikaresistenter Bakterien entwickelt und erprobt.

Die Beprobung erfolgt:

Zusätzlich zu der Bestimmung der multiresistenten Keime werden an Gewässerkundlichen Überblicksmessstellen auch Antibiotikawirkstoffe untersucht, da bisher davon ausgegangen wird, dass ein Vorkommen von Antibiotikawirkstoffen im Gewässer ein Selektionsvorteil für resistente Bakterien darstellen können.

Bei der Analytik der Proben kommen drei Hauptmodule zur Anwendung:


Niedersachsen setzt seine bislang nicht bekannte Strategie gegen Antibiotikaresistenz fort
Umweltministerium lässt Gewässer nach multiresistenten Keimen untersuchen

Besorgniserregend ist, dass die Keime sich über das Wasser in der Umwelt ausbreiten können
Multiresistente Keime auch in Bremer Gewässern?

Nach NDR-Recherchen zu resistenten Keimen
Ministerien prüfen Ausweitung der Bädergewässerkontrollen

BUND fordert die niedersächsische Landesregierung zum Schutz der Bevölkerung zu sofortigem Handeln auf
Multiresistente Keime und Co.: Wasser darf kein gesundheitsschädlicher Cocktail sein

In dem Fluss Hase in Osnabrück, kurz hinter dem Auslauf des kommunalen Klärwerks,
fanden die Wissenschaftler Erreger

NDR: Gefährliche Keime in Bächen und Flüssen

Weitere Informationen zu dem Sondermessprogramm und den Messstandorten finden Sie hier: http://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen_im_fokus/multiresistente-keime-164411.html

erschienen am: 2018-05-14 im europaticker


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