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Hat ReFood den Stadtwerken bewsusst einen anderen Anteil auf dem Lieferschein mitgeteilt?
Deutlich mehr Plastik in der Schlei als vermutet!

Weltweit entnehmen wir den Medien eine steigende Verschmutzung unsere Gewässer mit Plastik. Seit Anfang des Jahres ist bekannt, dass auch die Schlei hierdurch betroffen ist. An den Ufersäumen und Stränden wurden vermehrt kleine Plastikteilchen entdeckt. Mit der Kläranlage der Stadtwerke Schleswig konnte inzwischen ein Verursacher ausgemacht werden. Über das Schleswiger Klärwerk sind wahrscheinlich erheblich mehr Plastik-Schnipsel in den Ostsee-Arm gelangt als bisher bekannt. Denn es gibt Hinweise darauf, dass der Anteil an geschredderten Kunststoffverpackungen in den Speiseresten, die in den Faulturm der Kläranlage gegeben wurden, deutlich höher war als bisher vom zuständigen Fachdienst Umwelt des Kreises Schleswig-Flensburg angenommen.

Sie wurde Anfang des Jahres mit kleinsten Kunststoffteilchen verunreinigt: die Schlei.

Seit Wochen werden Uferbereiche und Wasser abgesucht und nicht nur von den Plastikschnipseln gereinigt. Auch viel anderer Müll sammelt sich dabei an. Über die Kläranlage der Schleswiger Stadtwerke sind die Plastikpartikel in den Meeresarm gelangt. Seit einigen Wochen sind Mitarbeiter der Stadtwerke sechst Stunden täglich damit beschäftigt, mit einem extra angefertigten Katamaran mit Siebvorrichtung die unabsichtlich eingeleiteten Kunststoffteile aus dem Wasser zu filtern. Doch nun scheint die Situation an der Schlei noch schlimmer zu sein, als bisher angenommen. In den Essensresten, die die Firma Refood anlieferte, könnte ein weitaus höherer Plastikanteil enthalten sein, als bisher bekannt und in den Lieferbedingungen festgelegt. Gutachten scheinen diesen Verdacht zu bestätigen.

Die ReFood GmbH & Co. KG ist eine Tochterfirma der Saria Bio-Industries AG & Co. KG, neben Remondis und Rhenus einer der drei Geschäftsbereiche des Rethmann-Konzerns. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Einsammlung und Verwertung von Küchen- und Speiseresten, gebrauchten Speiseölen sowie Lebensmittelresten aus der Nahrungsgüterproduktion und dem Handel. ReFood betreibt insgesamt 16 Logistik- und Produktionsbetriebe in Deutschland mit einem Rohwarenumschlag von ca. 400.000 Tonnen pro Jahr (Stand: 2008). Das Unternehmen veröffentlicht keine aktuellen Umsatzzahlen, laut Medienberichten betrugen die Umsätze im Jahr 2007 bei einem Entsorgungsvolumen von 350.000 Tonnen 80 Millionen Euro

Mehr dazu in der Sendung des SH-Magazins.
Zur Berichterstattung des SH-Magazins vom 11.05.2018 und den neuen Entwicklungen der Plastikverschmutzungen in der Schlei erklären die örtliche Abgeordnete, Birte Pauls und die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Sandra Redmann: „Die Berichterstattung legt nahe, dass deutlich mehr Plastik in die Schlei gelangt ist als bisher angenommen. Dies ist ein weiterer Wermutstropfen für die Schlei und beschreibt einmal mehr, wie groß und katastrophal das Ausmaß ist. Die Werte der Proben, die ReFood alle paar Monate im Labor prüfen lässt, weichen signifikant von den Werten ab, die ReFood den Stadtwerken mitgeteilt hat. Dies wirft zwei Fragen auf:

Der Minister kann die Verantwortung hier nicht von sich schieben und wir erwarten einen erneuten Bericht in der Sitzung des Landtags und im Ausschuss. Den Antrag hierzu werden wir stellen.“

„Jetzt gilt es, schnell zu handeln und das Ausmaß der Belastung festzustellen.“, betont Landrat Dr. Wolfgang Buschmann. Der Kreis hat daher beschlossen, die Ufersäume der Schlei auf abgelagerte Kunststoffpartikel hin zu untersuchen. Ziel der Untersuchung ist es, die Verschmutzung durch Plastik einzugrenzen und die Reinigung durch die Stadtwerke anschließend koordinierend zu begleiten. 

„Wir haben hierfür eine ganz neue Systematik entwickelt. Die gesamte Schlei wird anhand eines Rastergitters eingeteilt und landseitig untersucht. Wir erhalten hierdurch fundierte Kenntnisse über das Ausmaß der Verschmutzung und können den Stadtwerken so genau sagen, wo, wie und wann sie zu reinigen haben.“, führt Thorsten Roos, Leiter des Fachbereiches Kreisentwicklung, Bau und Umwelt aus. 

Seit Mitte März sind vier Mitarbeiter der unteren Wasserbehörde mit den Kontrollarbeiten an der Schlei beschäftigt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Ufersäume der Schlei bis nach Arnis betroffen sind. 

Plastik in der Schlei: Viele Bürger wollen helfen.
Werner Kuhr, Schutzgebietsreferent für die Halbinsel Reesholm, warnt allerdings eindringlich vor unbeaufsichtigten Säuberungsaktionen im Naturschutzgebiet Reesholm. Er betont, dass durch die aufgeweichten Gräben im Naturschutzgebiet Lebensgefahr besteht.

„Nach Rücksprache mit unserem ehrenamtlichen Naturschützer können wir daher vor alleinigen Säuberungsaktionen im Naturschutzgebiet Reesholm nur abraten – natürlich zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz der Vögel und Tiere im Naturschutzgebiet. Bürgerinnen und Bürger wenden sich bitte direkt an die Schleswiger Stadtwerke unter der Telefonnummer 04621 801-462, die für die Reinigungsarbeiten zuständig sind.“, führt der Leiter des Fachbereiches Kreisentwicklung, Bau und Umwelt, Thorsten Roos, aus.

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erschienen am: 2018-05-15 im europaticker


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