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Ohne Braunkohle keine sichere Energieversorgung – Heimischer Rohstoff wird noch Jahrzehnte gebraucht
GRÜNE: Die Tage der Braunkohle sind spätestens 2035 gezählt
Braunkohlentag: Reviere brauchen Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen für Strukturwandel

„Die heimische Braunkohle ist für eine sichere Energieversorgung in Deutschland noch auf Jahrzehnte unverzichtbar", betonte Dr. Helmar Rendez, neuer Vorstandsvorsitzende des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV), auf dem diesjährigen Braunkohlentag in Halle/Saale. Dr. Rendez wies darauf hin, dass die vorzeitige Stilllegung von weiteren Braunkohlenkraftwerken gravierende Auswirkungen auf Service- und Zulieferer-Unternehmen und ganze Wirtschaftsregionen haben würde. Denn: „Ein veränderter Brennstoffbedarf der Kraftwerke verändert den Tagebaubetrieb und hat Auswirkungen auf die Planungs- und Genehmigungsbedingungen in den Revieren mit weitreichenden Folgen für Kommunen und Regionen.“ Es stehe deshalb außer Zweifel, dass der politisch gewollte Strukturwandel in den Revieren in Zusammenarbeit mit den Braunkohlenunternehmen verlässlichere Chancen hat, als ohne eine Beteiligung der Menschen und Unternehmen, die hier seit Jahrzehnten wohnen und in der Braunkohle arbeiten.

Dr. Rendez verwies darauf, dass die Bundesregierung bei ihren energiepolitischen Entscheidungen wieder stärker das energiewirtschaftliche Zieledreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz betonen müsse. Ferner müsse sie ihre Zusicherung einlösen, Strukturbrüche in den Regionen zu vermeiden.

Bislang, so der DEBRIV, sei völlig unklar, wie die politischen Energiewende-Ziele einer Senkung der nationalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 und eines Anteils erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent mit den Anforderungen einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung in Einklang zu bringen seien. Hier müsse auch die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ bei der geplanten Folgenabschätzung der von ihr diskutierten Maßnahmen Lösungen aufzeigen.
Dr. Rendez: „Klar ist, dass die Braunkohle zuverlässig Strom und Wärme liefert, wohingegen die Erneuerbaren auf absehbare Zeit noch nicht in der Lage sein werden, die Verbraucher jederzeit und sicher mit Strom zu ver-sorgen sowie für die Sicherheit und Stabilität der Netze zu sorgen.“

„Die vier Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, in denen gegenwärtig Braunkohle gefördert wird, zeigen, wie man eine zuverlässige Energiepolitik gestaltet“, betonte Dr. Rendez. „Stimmen der Vernunft werden in den kommenden Wochen mehr denn je gebraucht“, erklärte der neue DEBRIV-Vorstandvorsitzende mit Blick auf die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung sowie die Neuausrichtung der nationalen Energie- und Klimapolitik.

GRÜNE: Die Tage der Braunkohle sind spätestens 2035 gezählt

Dorothea Frederking, energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zum erforderlichen Braunkohleausstieg in Sachsen-Anhalt: „Der Braunkohleausstieg ist Voraussetzung für wirksamen Klimaschutz. Wer an der Braunkohle festhält, riskiert einen Strukturbruch. Der Koalitionsvertrag macht klar: Der Braunkohleausstieg soll in Sachsen-Anhalt spätestens bis zum Jahr 2035 abgeschlossen sein. Es ist also Zeit genug, den Braunkohleausstieg schrittweise, planbar und sozialverträglich umzusetzen.“

„Der Strukturwandel für eine Zukunft ohne Braunkohle bietet sowohl gute Perspektiven für Klimaschutz und neue Arbeitsplätze als auch zur Profilierung des Chemiestandortes Mitteldeutschland.“

„Deshalb muss der Strukturwandel aktiv hin zu zukunftsfähigen Industriearbeitsplätzen gestaltet werden. Ein großes Potenzial haben wir in Sachsen-Anhalt mit der Chemieindustrie, die Hand in Hand mit der Energiewende gehen kann.“

„Beispielgebend ist die Fraunhofer Pilotanlage „Carbontrans“, die in Leuna errichtet werden soll. Statt Öl und Gas sollen Kunststoffabfälle als Primärrohstoffe beziehungsweise Kohlenstoffquelle für die chemische Industrie eingesetzt werden. In einer Vergasungsanlage werden diese Abfälle so behandelt, um daraus anschließend mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff erneut Kunststoffe CO2-arm zu synthetisieren. Diese zirkuläre Wirtschaft schafft hochwertige Arbeitsplätze in der Industrie.“

„Erneuerbare Energien liefern also nicht nur Energie, sondern aus ihnen werden auch Chemie-Rohstoffe. Das eröffnet neue Geschäftsfelder – zum Beispiel für den Verkauf von Kunststoffprodukten mit kleinem CO2-Rucksack.“

Hintergrund:

Im Koalitionsvertrag haben sich die CDU, SPD und Grüne darauf verständigt, in Sachsen-Anhalt spätestens mit der Auskohlung des bestehenden Tagebaus Profen aus der energetischen Nutzung der Braunkohle auszusteigen. Das wäre circa im Jahr 2035 der Fall. Dazu könnten zum Beispiel die kleinen und alten Kraftwerke mit sehr schlechtem Wirkungsgrad als Erstes abgeschaltet werden.


erschienen am: 2018-06-08 im europaticker


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