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Der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer spricht im Interview über wirtschaftliche Herausforderungen der
Zukunft und zählt auf unternehmerische DNA, um sie bewältigen zu können
WK-Präsident Bodenseer: Es geht um Teamwork, nicht um Klassenkampf

wirtschaft.tirol: Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage?

Bodenseer:Die Konjunktur läuft auf Hochtouren. Das ist nicht selbstverständlich, auch wenn das viele zu vergessen scheinen. Ich brauche nur an die Wirtschaftskrise vor zehn Jahren zurückdenken – da war alles eher als sicher, ob sich der massive Knick in der Konjunkturkurve jemals wieder ausbügeln lassen würde. Auch gab es schon lange kein so wirtschaftsfreundliches politisches Klima mehr im Bund. Endlich kommen langjährige WK-Themen in Schwung. Und im Gegensatz zu früher wurde vieles nicht nur angekündigt, sondern ist bereits ganz konkret in Umsetzung – vom Vorrang für Beraten bei den Arbeitsinspektoraten über ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort bis hin zur Reduktion des Gold Plating und der Entrümpelung von Gesetzen.

Die Opposition sieht das aber ganz anders. Und kritisiert zudem viel Bemühen nach Harmonie innerhalb der schwarz-blauen Bundesregierung.

Es ist das Wesen der Opposition, Dinge zu hinterfragen. Wenn allerdings wie derzeit nichts, aber schon gar nichts, was die Bundesregierung anpackt, akzeptiert wird, dann wird das geradezu lächerlich. Und wer zu viel Harmonie kritisiert, der möge sich bitte in Erinnerung rufen, wie es in Österreich vor einem Jahr ausgesehen hat. Die Partnerschaft zwischen Schwarz und Rot war heillos zerrüttet, die Bürger hatten es satt, den ewigen öffentlichen Streitereien zuzusehen. Da ist mir ein bisschen zu viel Harmonie schon lieber. Es ist wie bei jeder Partnerschaft: Wer sich auf einen gemeinsamen Weg macht, darf sich nicht an jeder Ecke mit Grundsatzdiskussion aufhalten. Insbesondere, weil wir wesentlich mehr gemeinsame Probleme zu lösen haben, als es Trennendes zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen gibt.

Das wird aber von Arbeiterkammern und Gewerkschaften derzeit anders beurteilt.

Das ist mir nicht entgangen, aber das ist schade. Gerade in den vielen kleinen und mittleren Betrieben in Tirol geht es um Teamwork und nicht darum, den antiquierten Klassenkampf von früher ins Büro oder in die Werkstatt zu tragen. Nehmen wir als Beispiel die Flexibilisierung der Arbeitszeiten: Es nützt nicht nur dem Betrieb alleine, wenn er in der Lage ist, Auftragsspitzen zu bewältigen. Auch die Mitarbeiter sind froh darüber, wenn ihre Firma eine stabile Auftragslage hat. Mich ärgert, dass immer so getan wird, als ob die Wirtschaft generell 12-Stunden-Tage einführen wollte.

Wie beurteilen Sie die Situation in Tirol?

Wirtschaftlich liegt Tirol wieder einmal – etwa beim Wachstum – über dem Bundesschnitt. Und politisch bringt Schwarz-Grün II die Fortsetzung stabiler Verhältnisse – das ist für unsere Betriebe wichtig. Wir sind mit den Wirtschaftsgesprächen mit dem Land in eine neue Runde gegangen – so viel Abstimmung und Kommunikation ist nicht selbstverständlich. Aber es schafft gegenseitiges Vertrauen und die Basis für politische Entscheidungen mit Augenmaß.

Ist die Wirtschaftskammer für die aktuellen Herausforderungen gerüstet?

Ja – und zwar aus mehreren Gründen. Erstens haben wir die WK schon in den letzten Jahren laufend an die neuen Herausforderungen angepasst und unsere Leistungen weiterentwickelt, besonders in Tirol. Zweitens liegt es in unserer unternehmerischen DNA, das auch in Zukunft so zu betreiben. Und drittens wird diese Arbeit von den Mitgliedern positiv bewertet. Die Zufriedenheit mit unseren Dienstleistungen war noch nie so hoch wie jetzt. Die Unternehmer wissen genau, dass sie eine starke, solidarische Stimme brauchen. Und vielen Tirolerinnen und Tirolern ist ebenfalls klar: Für sichere Arbeitsplätze braucht es gesunde Betriebe.

Welche Schwerpunkte setzt die WK in nächster Zeit?

Ich werde den Fokus genau auf jene Themen legen, bei denen die größte Unsicherheit besteht: Digitalisierung, Fachkräftemangel, Verkehr, leistbares Wohnen und Wirtschaften. Hier sind neue Wege und Mut gefragt. Unternehmer sind es gewohnt, Schwierigkeiten offensiv anzugehen und sie Schritt für Schritt aus dem Weg zu räumen. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist jedenfalls keine Option.

erschienen am: 2018-06-11 im europaticker


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