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Untersagung der Benutzung von Grundwasser und Oberflächenwasser wegen PFC-Rückständen
PFC-Umweltskandal breitet sich aus: Nach Altötting nun auch Landkreis Pfaffenhofen betroffen

Der Umweltskandal um mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verseuchtes Grundwasser breitet sich von Altötting nach Pfaffenhofen aus. Im Gemeindegebiet Manching sind derzeit Westenhausen und Lindach von hohen PFC-Werten betroffen. Und auch in Baggerseen wurden die Stoffe inzwischen gefunden. Das Landratsamt Pfaffenhofen a.d.Ilm hat zur Untersagung der Benutzung von Grundwasser und Oberflächenwasser wegen PFC-Rückständen sowie zur Erfüllung abfallrechtlicher Grundpflichten am 11. Mai 2018 eine Allgemeinverfügung erlassen und bekannt gegeben, die am 14. Mai 2018 in Kraft getreten ist.

Die Allgemeinverfügung *) samt Rechtsbehelfsbelehrung und Lagekarten ist unter www.landkreis-pfaffenhofen.de veröffentlicht Das Landratsamt hat verboten, das Wasser für Felder und private Gemüsegärten zu verwenden. Als Quelle der Verseuchung gilt der örtliche Bundeswehrflughafen Manching.

Der Fliegerhorst Ingolstadt/Manching ist ein Militärflugplatz mit ziviler Mitnutzung. Er liegt zwischen den Gemeinden Manching und Ernsgaden im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, acht Kilometer südöstlich von Ingolstadt. Betreiber des Flugplatzes ist das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Ingolstadt. Die Wehrtechnische Dienststelle für Luftfahrzeuge (WTD 61) und das Musterprüfwesen für Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61 ML) nutzen diesen Flugplatz als Hauptbedarfsträger. Im Bereich von Airbus Defence and Space werden hier für die NATO alle europäischen AWACS-Maschinen, die deutschen Transall C-160, die deutschen Lockheed P-3 Orion sowie die deutschen Panavia Tornado überholt und eingeflogen. Zukünftig wird die Instandhaltung der deutschen Eurofighter Typhoon hinzu kommen, wie auch die Instandhaltung für den EuroHawk geplant war.

SPD-Verbraucherschützer Florian von Brunn verlangt vollständige Information der Bevölkerung in beiden Landkreisen noch vor der Landtagswahl

Der SPD-Umwelt- und Verbraucherschützer Florian von Brunn will verhindern, dass die Staatsregierung die Fälle - wie zuvor im Landkreis Altötting - herunterspielt und die Bevölkerung über die Gefahren der Chemikalien im Unklaren lässt. In einem parlamentarischen Antrag (PDF, 92 kB), den er diese Woche in den Landtag einbringen wird, verlangt von Brunn umfassend Auskunft über die Zustände vor Ort:

„Weil die Chemikalien so gesundheitsschädlich sind, haben die Menschen vor Ort ein Recht darauf, umfassend, schnell und vollkommen transparent über alle Fakten informiert zu werden. Außerdem muss sich die Staatsregierung darum kümmern, dass die Betroffenen auch angemessen von der Bundeswehr entschädigt werden. Bisher ist hier noch nicht viel passiert."

Der für Altötting zuständige SPD-Abgeordnete Günther Knoblauch besteht darauf, dass die Staatsregierung mit der Information nicht auf Zeit spielt: „Die Betroffenen brauchen diese Informationen jetzt - und nicht erst nach dem Landtagswahltermin im Oktober. Das gilt insbesondere für die Untersuchungen von Blut und Muttermilch im Landkreis Altötting.“

PFOA wurde von 1968 bis 2004 im Chemiepark Gendorf (Gemeinde Burgkirchen a. d. Alz) hergestellt und als Emulgator bei der Herstellung von Fluorpolymeren eingesetzt. Bis zum Jahr 2008 gelangte ein Teil der emittierten PFOA auch in die Luft. Durch Auswaschungseffekte und partikelgebundenen Transport erfolgte eine Deposition von PFOA auch in die Böden der Umgebung, so dass grundsätzlich nicht von punktuellen Belastungen, sondern von einer flächigen Betroffenheit auszugehen ist. Bei behördlichen Untersuchungen zeigte sich, dass die PFOA-Konzentrationen aufgrund von Auskämmeffekten der Bäume in der Streuauflage von Waldflächen deutlich höher sind als auf landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsgebieten.

Seit Ende Januar fanden im Gesundheitsamt Altötting die Blutentnahmen im Rahmen des Blutmonitorings auf PFOA, ADONA und sechs weitere perfluorierte Substanzen statt. Die Blutentnahmen sind nun abgeschlossen. Insgesamt gaben 973 Bürgerinnen und Bürger aus den Untersuchungsgebieten, Kastl und Tüßling (297 Teilnehmer), Burgkirchen (ohne Hirten) (124), Emmerting (230), Neuötting und Winhöring (108), Altötting (93) sowie Zweckverband Inn-Salzach (121) Blutproben ab, die nun am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht werden.

Aufgrund der hohen Zahl der Studienteilnehmer und der komplexen Analytik  werden die Ergebnisse und die wissenschaftliche Auswertung voraussichtlich erst im Herbst 2018 vorliegen. 

Untersuchung von Muttermilch auf PFOA für stillende Mütter aus Kastl und Tüßling

Stillende aus Kastl und Tüßling, die im Rahmen einer Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit den Gehalt ihrer Muttermilch an PFOA und anderen perfluorierten Substanzen (PFC) messen lassen möchten, sind eingeladen, sich ab Dienstag, den 05. Juni beim Gesundheitsamt Altötting unter der Telefonnummer 08671 502-907 zu melden.

Das Gesundheitsamt wird den interessierten Frauen kleine Gefäße für die Milchproben und - wenn benötigt - auch eine Milchpumpe zusenden.

Die Milchproben können dann in der Zeit vom 19. bis zum 28. Juni jeweils am Dienstag und Mittwoch zwischen 08.00 und 12.00 Uhr sowie 13.00 bis 17.00 Uhr sowie jeweils am Donnerstag von 13.00 bis 20.00 Uhr im Gesundheitsamt Altötting, Vinzenz-von Paul Str. 8  abgegeben werden.

An diesen Tagen können sich Stillende, die ihre Muttermilch untersuchen lassen, auch Blutproben zur Untersuchung auf PFOA und andere perfluorierte Substanzen im Gesundheitsamt nehmen lassen.

Das Ergebnis der Muttermilchuntersuchung soll den Stillenden mit einem Brief mitgeteilt werden. Zusätzlich wird den Teilnehmerinnen ein Beratungsgespräch am Gesundheitsamt angeboten werden, bei welchem dann das Ergebnis der Muttermilchuntersuchung besprochen werden kann.

Antragsentwurf PFC (PDF, 92 kB)

*) Zur Klarstellung weist das Landratsamt auf den einzig zulässigen Rechtsbehelf hin: Gegen die Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats nach ihrer Bekanntgabe Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht München erhoben werden. Die Frist endet am Donnerstag, 14. Juni 2018. Ein Vorverfahren beim Landratsamt gibt es hier nicht. Wegen der Anordnung der sofortigen Vollziehung entfaltet die Klage keine aufschiebende Wirkung. Die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage kann ebenfalls beim Bayerischen Verwaltungsgericht München beantragt werden. Einzelheiten ergeben sich aus der Rechtsbehelfsbelehrung in der Allgemeinverfügung

erschienen am: 2018-06-13 im europaticker


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