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Ökologische Landbau hat seit dem Jahr 2012 von 35 564 Hektar auf aktuell 57 400 Hektar
um mehr als 60 Prozent zugenommen
Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt stellt Sächsischen Agrarbericht 2018 vor

„Die Vielfalt an Rechts-, Erwerbs- und Betriebsformen zeichnet Sachsens Landwirtschaft aus“. Dieses Fazit zog Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt heute (12. Juni 2018) bei der Vorstellung des Sächsischen Agrarberichtes 2018 im Kabinett. „Diese Strukturen sind historisch gewachsen und  wettbewerbsfähig. Die jetzt bekannten Reformvorschläge für die europaweite Gemeinsame Agrarpolitik könnten unseren Landwirten schaden. Vor allem die Einführung einer Kappungsgrenze bei den Direktzahlungen ist eine klare Benachteiligung der Betriebe in Sachsen, die wir nicht hinnehmen“.

Sachsens Landwirtschaft ist aber nicht nur vielseitig strukturiert, sondern wirtschaftet auch immer mehr im Einklang mit der Natur. Zahlen aus dem aktuellen Agrarbericht belegen die hohe Bereitschaft der Landwirte zu freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen wie bodenschonenden, den Stoffaustrag mindernden Bewirtschaftungsverfahren. „In Sachsen werden 62 Prozent der Ackerfläche pfluglos und damit erosionsmindernd bestellt. Damit liegen wir deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 43 Prozent“, so der Minister weiter. In den letzten  fünf Jahren hat sich der Anwendungsumfang besonders umweltfreundlicher Bewirtschaftungsverfahren deutlich erhöht. Hervorzuheben sind dabei der Anbau von Zwischenfrüchten bzw. Untersaaten, der im Jahr 2012 auf 32 326 Hektar gefördert wurde und nunmehr auf 63 055 Hektar stattfindet. Die naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung stieg sogar von 4 223 geförderten Hektar im Jahr 2012 auf heute 33 422 Hektar.

Auch der ökologische Landbau hat seit dem Jahr 2012 von 35 564 Hektar auf aktuell 57 400 Hektar um mehr als 60 Prozent zugenommen. Fast 680 landwirtschaftliche Betriebe arbeiten ökologisch, das ist etwa jeder zehnte Landwirtschaftsbetrieb in Sachsen.

Schmidt würdigte das Engagement der Landwirte, das diese trotz der oft schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen. „Die Abhängigkeit der Landwirte von äußerlichen Gegebenheiten ist beachtlich. Das Wetter bleibt trotz aller neuer Technik ein entscheidender Faktor, dazu kommt eine immer stärkere Preisabhängigkeit vom Weltmarkt – verständlich, dass verlässliche Vorgaben durch die Politik erwartet werden“, so Schmidt.

Die wirtschaftliche Situation der sächsischen Landwirte ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, vor allem geprägt durch die Unsicherheiten, die die globalen Märkte mit sich bringen. Starke Preisschwankungen, zum Beispiel bei der Milch, sowie anhaltend hohe Preise für Betriebsmittel, also Treib- und Schmierstoffe, Energie sowie Dünger, verlangen das ganze Können der Unternehmen. Kostenmanagement, Marktbeobachtung und Vertragsgestaltung gehören zum Handwerkszeug - auch in der Landwirtschaft. Absehbar ist trotz einer leichten Zunahme der Anzahl der Ausbildungsverhältnisse bereits jetzt, dass es schwierig wird, die in den nächsten zehn Jahren aus dem Berufsleben ausscheidende Fachkräfte zu ersetzen.

„Ein immer wieder diskutiertes Thema möchte ich nicht ausklammern, und zwar die Bodenpreise“, betonte Minister Schmidt. „Bundesweit betrachtet gehört Sachsen zu den Ländern mit den niedrigsten Kauf- und Pachtpreisen für landwirtschaftliche Flächen. Nachdem die Preise über Jahre stetig gestiegen sind, lag der durchschnittliche Kaufpreis pro Hektar Landwirtschaftsfläche im Jahr 2017 in Sachsen mit 12 271 Euro um fünf Prozent unter dem des Jahres 2016“. Der Statistik liegen 1 595 Verkaufsverträge mit 5 267 Hektar Fläche zugrunde.

Nach den guten Erfahrungen mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) in der vergangenen Förderperiode (2007 bis 2013) hat der Freistaat Sachsen den Regionen für 2014 bis 2020 noch größere Gestaltungsmöglichkeiten in der regionalen Entwicklung eröffnet und mehr Verantwortung bei der Verwendung der Fördermittel übertragen. Bei der Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums setzt Sachsen wie kein anderes Bundesland auf das LEADER-Prinzip: Die Akteure im ländlichen Raum können nahezu flächendeckend die Vorteile eigenständiger Strategien einschließlich der Verantwortung für ihr Budget nutzen. Die Regionen erhalten dafür mit 427 Millionen Euro 40 Prozent der Mittel des sächsischen Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLR). Mit diesem hohen Anteil steht der Freistaat Sachsen europaweit an der Spitze. Über 1 500 Förderanträge mit einem Zuschussvolumen in Höhe von fast 100 Millionen Euro wurden bis Ende 2017 bewilligt.

Hintergrund:

Der Sächsische Agrarbericht 2018 zeigt die Entwicklung, den gegenwärtigen Stand und die wirtschaftliche Lage der Land- und Ernährungswirtschaft in Sachsen auf. In den einzelnen Kapiteln wird eingegangen auf die volkswirtschaftliche Einordnung des Wirtschaftsbereiches, den Grundstück- und Landpachtverkehr, die wirtschaftliche Situation der landwirtschaftlichen Unternehmen, Förderung und Direktzahlungen, die Erzeugung und Vermarktung sowie Ernährungswirtschaft, die Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Landwirtschaft und Umwelt sowie die ländliche Entwicklung. Der Sächsische Agrarbericht wird auf Beschluss des Landtages einmal pro Legislaturperiode als Printmedium veröffentlicht, sonst erfolgt die Bereitstellung von Daten und Fakten zur sächsischen Land- und Ernährungswirtschaft jährlich im Internet. Der Bericht ermöglicht Einschätzungen zur Wirksamkeit unternehmerischer sowie politischer Entscheidungen und ist Grundlage für künftige Weichenstellungen.

Agrarbericht 2018: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/30754

erschienen am: 2018-06-12 im europaticker


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