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Nach Wisent-Abschuss: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein
WWF und Bündnisgrüne kündigen weitere Schritte an
Es war einmal ein Wisent

Vergangenen Herbst wurde der erste Wisent erschossen, der nach Ausrottung der Tierart in Deutschland, von alleine in die Heimat seiner Vorfahren zurückgekehrt war. Nur kurz nach dem Grenzübertritt von Polen nach Brandenburg hatte der Lebuser Ordnungsamtsleiter eine entsprechende Anordnung erteilt. Gegen ihn hat der WWF Deutschland im September 2017 Strafanzeige gestellt. Nun teilte die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) dem WWF mit, das Ermittlungsverfahren einzustellen. Die Naturschutzorganisation kündigte daraufhin in einer Stellungnahme weitere, juristische Schritte an.

Bündnisgrüne Fraktion wird Beschwerde gegen Einstellung von Strafverfahren einlegen

Nachdem im vergangenen Herbst Jagdpächter auf Anordnung des Ordnungsamtsleiters von Lebus (Märkisch-Oderland) einen streng geschützten Wisent erschossen hatten, stellte der Vorsitzende der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Axel Vogel Strafanzeige u.a. wegen Jagdwilderei in einem besonders schweren Fall. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat nun mitgeteilt, dass sie das Verfahren eingestellt hat. Unsere Fraktion wird gegen diese Entscheidung Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft einlegen.

Bekannt geworden ist heute zudem, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) auch ein von der Naturschutzorganisation WWF-Deutschland in Gang gesetztes Ermittlungsverfahren eingestellt hat. Auch der WWF kündigte weitere juristische Schritte an – geht rechtlich dabei aber einen anderen Weg als die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Der Wisent ist eine durch Artenschutzgesetze streng geschützende Tierart. Er ist das letzte noch in Europa vorkommende Wildrind, war zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Europa fast ausgestorben und kommt heute hauptsächlich in Osteuropa vor.

Das erschossene Tier war im Herbst von Polen nach Deutschland gekommen. Der Ordnungsamtsleiters von Lebus war von einer Bedrohungslage für die Bevölkerung ausgegangen. Unsere Fraktion hatte in ihrer Strafanzeige unter anderem darauf verwiesen, dass selbst wenn das der Fall gewesen sein sollte, mildere Mittel – wie ein Betäubungsgewehr - zum Einsatz hätten kommen müssen. Zwei solche Gewehre lagen in Frankfurt (Oder) bereit.

Die Begründung der Staatsanwaltschaft lautet, dass vom Wisent eine Gefahr für Menschen ausgegangen sei, dies rechtfertige den Abschuss. Diese Aussage scheint für den WWF eine Schutzbehauptung, war das Tier doch in Polen als besonders unauffällig bekannt. Zudem geht von Wisenten allgemein keine Gefahr für Menschen aus.

„Der Wisent ist eine bedrohte und streng geschützte Art und darf nicht mal eben so abgeschossen werden. Eine Gefahr für Menschen schien nicht ersichtlich. Der WWF wird daher gegen die Einstellung des Strafverfahrens beim zuständigen Generalstaatsanwalt Beschwerde erheben“, so Dr. Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz in Deutschland beim WWF.

Das erschossene Exemplar war zuvor über längere Zeit in Polen, in der Region westlich von Kostrzyn (Küstrin), gesichtet worden. Zwischenfälle oder Probleme hatte es dort nie gegeben. Im Gegenteil: Der Wisentbulle wurde dort zu einem lokalen Symboltier. Entsprechend groß war dort die Empörung über den Abschuss.

„Nach dem Abschuss zeigte sich das Umweltministerium in Potsdam entsetzt und empört. Umso unverständlicher, dass nun die eigenmächtige Aktion des für das besondere Artenschutzrecht nicht einmal zuständigen Ordnungsamtsleiters nicht zur Anklage geführt hat. Der Vorgang zeigt, die Bevölkerung braucht keinen Schutz für Wisenten, sondern Wisente brauche in Deutschland offenbar Schutz vor Behördenwillkür“, so Pretzell.

erschienen am: 2018-06-13 im europaticker


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