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Mit Unverständnis reagiert bauforumstahl auf die Ausschreibung und Vergabe der Leverkusener Brücke

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Empfehlungen zur Ausschreibung und Vergabe von Großbrücken

„Bei der Ausschreibung und Vergabe der Leverkusener Brücke sind aus Sicht von bauforumstahl einige Abläufe schwer nachvollziehbar gewesen. Insgesamt scheint uns die Chancengleichheit für Stahlbauunternehmen aus Deutschland im Vergleich zur internationalen Konkurrenz, insbesondere aus China, nicht gegeben.“ kritisiert Dr. Bernhard Hauke, Geschäftsführer von bauforumstahl.

Wenn ein fairer Wettbewerb sichergestellt sei, wären die Angebote des deutschen Stahlbausektors absolut konkurrenzfähig. Wenn jedoch das Qualitätsniveau des Materials, der Ausführung und die Kosten der erforderlichen Logistik nicht nach den allgemein in Deutschland gültigen Vorschriften und Regelungen kalkuliert und bewertet werden und darüber hinaus Nachhaltigkeitsaspekte keine Rolle spielen, sei die Chancengleichheit der Anbieter nicht gewährleistet und damit die eingereichten Angebote der einzelnen Wettbewerber nicht vergleichbar.

„Wir plädieren deshalb für gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle bei der Ausschreibung und Vergabe von Großbrücken in Deutschland“, so Hauke.

Folgende Kriterien empfiehlt bauforumstahl bei der Ausschreibung und Vergabe von Großbrücken:

  1. Die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) und deren Randbedingungen sind bei den Ausschreibungen grundsätzlich zu berücksichtigen.
  2. Alle beteiligten ausführenden Firmen sind in der Angebotsabgabe verbindlich zu benennen und deren Qualifikation nachzuweisen. Dafür sind je nach Projektgröße vorauseilende Präqualifikationsverfahren mit anschließender Zulassung zum Wettbewerb hilfreich.
  3. Die Ausschreibungsunterlagen müssen vollständig sein und Auskunft über die Materialverteilung des Behördenentwurfs geben.
  4. Die ausgeschriebenen Arbeiten müssen vollständig beschrieben werden. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass die in Deutschland nach verbindlichen Vorschriften und DIN Normen geforderten Qualitäten, Materialien und Ausführungsmethoden festgelegt sind und durch eine Konformitätserklärung des Anbieters sichergestellt werden. Es muss in der Ausschreibung eindeutig und verbindlich festgeschrieben sein, dass nach der ZTV-ING (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten) von allen Bietern ausschließlich Q1-Material anzubieten und auszuführen ist. Nur so ist Wettbewerbsgleichheit garantiert und gleichzeitig die Sicherheit und Langlebigkeit unserer Großbrücken sichergestellt.
  5. Die Ausschreibung muss berücksichtigen, dass, wenn Stahlkonstruktionen außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums gefertigt werden, die dafür anfallenden erheblichen Mehrkosten bei der Überwachung nicht zu Lasten des Auftraggebers gehen, sondern auf den Auftragnehmer übergeleitet, oder zumindest bei der wirtschaftlichen Bewertung der Angebote berücksichtigt werden.
  6. Die Ausschreibung sollte auch die Nachhaltigkeit im Fokus haben und dabei eine entsprechende Bewertung und Gewichtung der Transportwege berücksichtigen. Nach Untersuchungen von BFS kommen bei Lieferungen aus Fernost alleine durch den Transport erhebliche zusätzliche Umwelteinwirkungen wie 42% CO2 und auch 35% mehr Energieverbrauch hinzu. In Deutschland orientiert sich die Industrie z.B. am BImSchG (Bundesemissionsschutzgesetz), dem CO2-Zertifikatshandel und hohen Sozialstandards. Im Ausland sind solche Regelungen meist unbekannt.

Umweltbelastung

Verglichen mit dem errechneten Primärenergiebedarf und dem Treibhauspotenzial pro Tonne Baustahl können bei langen Transportwegen, je nach Herkunftsland der Stahlerzeugnisse zusätzliche Umweltbelastungen von mehr als 30% auftreten (siehe Abbildung 1 und 2). Wegen dieser deutlichen Anteile müssen die Umweltdaten für lange Transportwege auch bei einer Ökobilanz für ein komplettes Bauwerk Berücksichtigung finden. Stahl, zumal Baustahl in hoher technischer Qualität und mit günstigen Umweltwerten, ist in Deutschland und Europa gut verfügbar. Unter Berücksichtigung der gerade beschriebenen zusätzlichen ökologischen Belastungen relativiert sich der vermeintliche ökonomische Vorteil von Importstahl aus anderen Regionen oft schnell. Besonders Baustahl aus Deutschland und Europa, der immer wieder rezykliert und damit zurück in den industriellen Kreislauf gegeben wird, ist somit de facto auch ein einheimischer Baustoff.

Was bedeutet Q1-Lieferanten nach DBS 918 002-02?

Q1-Lieferanten nach DBS 918 002-02 (DB Standard DBS 918 002-02, technische Lieferbedingungen für warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen für den Eisenbahnbrückenbau) erfüllen zusätzliche Anforderungen an das Material z.B. an die chemische Zusammensetzung (zur Vermeidung von fertigungsbedingten Schäden) an die Oberflächenbeschaffenheit (zur Vermeidung von Rissbildung bei Ermüdungslasten wie Fahrzeugverkehr) oder an die Kaltzähigkeit (zur Vermeidung von Materialschäden bei Temperaturen unter null Grad). Die Hersteller müssen die Erfüllung der zusätzlichen Anforderungen durch eine werkseigene Produktionskontrolle und die erforderlichen Prüfungen und Prüfnachweise statistisch dokumentieren und nachweisen. Nach DBS 918 002-02 dürfen standardmäßig nur noch Hersteller liefern, die über eine gültige Herstellerbezogene Produktqualifikation (HPQ-Zertifikat) verfügen. 
Q1-Grobbleche, wie sie für Großbrücken wie in Leverkusen verwendet werden, sind i.d.R. 15 – 20 Prozent teurer als Material ohne Q1-Anforderungen.
Die ZTV-ING nimmt für Straßenbrücken direkten Bezug auf die in der DBS 918 002-02 beschriebenen Anforderungen an  Q1-Lieferanten. 

erschienen am: 2018-01-10 im europaticker



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