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Grüne warnen vor neuer Transitroute am Fernpaß
Positive Signale auf Bundesebene für Tschirganttunnel
Tirol: Zeitplan für den Fernpass-Scheiteltunnel steht

Beim heutigen Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer in Reutte präsentierte Landeshauptmann Günther Platter die Fortschritte zweier entscheidender Tiroler Verkehrslösungen der Zukunft: Den Fernpass-Scheiteltunnel und den Tschirganttunnel. „Eine bessere Anbindung des Außerferns an den Zentralraum Tirols ist und bleibt für uns ein verbindlicher Handlungsauftrag“, betonte LH Platter. Die in den vergangenen zwei Jahren durchgeführten Probebohrungen für eine Umsetzung des Fernpass-Scheiteltunnels bestätigten, dass der Bau eines 1.360 Meter langen Tunnels geologisch möglich ist. Pünktlich zum neuen Jahr steht nun auch der Zeitplan: Im Jahr 2018 werden die FachplanerInnen beauftragt, Einreichunterlagen zu erstellen. Nach anschließender Genehmigung und Ausschreibung der Bauleistung visiert der Landeshauptmann einen Spatenstich im Jahr 2021 sowie die Fertigstellung im Jahr 2025 an.

„Bei einer Investitionssumme von circa 100 Millionen Euro bedarf es einer umfangreichen qualitativen Vorbereitung. Wir dürfen aber keine Zeit mehr verlieren, um die Bevölkerung entlang der B 179 endlich zu entlasten. Die Zustände auf der gesamten Fernpassroute, besonders an den verkehrsreichen Tagen und Wochenenden, sind nicht mehr tragbar – die Verkehrs- und Versorgungssicherheit des Außerferns ist teils nicht mehr gegeben“, zeigt sich Tirols Landeshauptmann auch aufgrund der aktuellen Zahlen entschlossen: „Die Fernpassroute ist eine der am meist belasteten Straßen in Österreich, das zeigt auch die nationale Staustatistik“, sagte LH Platter.

Tschirganttunnel wieder in Reichweite

Mit dem Bau des Fernpass-Scheiteltunnels will LH Platter auch die Realisierung des Tschirganttunnels wissen: „Der Tschirgant dient als direkte Anbindung der Fernpassstraße von Nassereith nach Haiming. Sowohl an Werktagen als auch an den hochbelasteten Reiseverkehrstagen kann so eine deutliche Verlagerung der Verkehrsströme und damit eine massive Entlastung der Mieminger Straße sowie deren Ortsdurchfahrten erreicht werden. Bei meinem Treffen in Wien hat Bundesminister Norbert Hofer großes Verständnis für diese Problematik gezeigt und will die Wiederaufnahme des Tschirganttunnels in den Generalverkehrsplan umgehend prüfen.“ Konkret soll es sich beim Tschirganttunnel um einen einröhrigen über vier Kilometer langen Straßentunnel mit Gegenverkehr handeln. „Mit dem Bau des Fernpass-Scheitel- sowie dem Tschirganttunnel kann bei einer Fahrt von Reutte nach Innsbruck ein Fahrzeitgewinn von 13 Minuten erreicht werden. Mit einer geringeren Fahrtzeit und weniger Risiken für einen kilometerlangen Stau ist dies eine deutlich bessere Anbindung des Bezirks Reutte an den Zentralraum Innsbruck“, ist sich LH Platter sicher.

Fischer: "Das ist ein 100 Millionen Euro Risiko, das keine Entlastung und kaum Zeitersparnis bringt, aber die Gefahr auf noch mehr Verkehr"

In der heute neu entfachten Debatte über südhaftteure Tunnel im Außerfern warnen die Tiroler Grünen von einer neuen Transitroute am Fernpaß und stellen sich demonstrativ hinter die betroffene Bevölkerung und gegen den Platter-Plan. "Ein Straßentunnel bringt keine Entlastung am Fernpaß, sondern öffnet Tür und Tor für eine neue Transitroute durch Tirol. Das konterkariert unsere Bemühungen die Tiroler*innen vom Transit zu entlasten", kritisiert die Grüne Gesundheitssprecherin Gabriele Fischer den von Landeshauptmann Günther Platter in den Raum gestellten Bau des Fernpaß-Scheiteltunnels. Sie beruft sich dabei ausgerechnet auf eine Studie des Landes, in der das Risiko für die Öffnung der Strecke für den Schwerverkehr mit 30-40% eingeschätzt wird. Laut Studienautor Prof. Müller drohe, dass die rechtliche Grundlage für das derzeitige Schwerverkehr-Fahrverbot mit einer Tunnelvariante entzogen wird. "Das sind 40% zu viel Risiko", so Fischer.

100 Millionen Euro in die Hand zu nehmen um am Ende noch mehr Verkehr zu erhalten, sei eine Rechnung, die für die Tiroler Grünen in keinster Weise nachvollziehbar sei. "Auch das Zeitersparnis-Argument ist Augenauswischerei: gerade einmal 13 Minuten sind im Idealfall möglich. Mit der Öffnung für den Schwerverkehr wird das schnell gegen null schwinden", argumentiert die Grüne und legt nach: "Was wird denn die Folge eines Tunnels sein? Es werden noch mehr Urlauber diese Route im Navi auswählen. Dabei platzt die Strecke jetzt schon aus allen Nähten", so Fischer, die auch darauf hinweist, dass selbst alle Tunnel-Fans einschränken, dass der Scheiteltunnel nur dann sinnvoll sei, wenn es die klare Finanzierungszusage des Bundes für den viel teureren Tschirganttunnel gebe. Asfinag und Bund lehnten bisher jegliche Finanzierung ab.

Um den Menschen im Außerfern und an anderen überlasteten Verkehrsrouten eine Entlastung zu bringen, seien alle Anstrengungen in die Reduktion des Transits und des Individualverkehrs zu investieren. "Wer nach vorne schaut, der bietet schlaue Mobilitätskonzepte der Zukunft an, welche die Ohren und Lungen der Tiroler*innen genauso entlasten wie die Geldbörse", sagt Fischer. Die Grünen wollen die 100 Millionen Euro daher in die nächste Stufe der Öffi-Attraktivierung in Tirol investieren, die LHStv.in Ingrid Felipe in den vergangenen Jahren mit der Tarifreform, neuen Haltestellen und Park and Ride Anlagen konsequent vorangetrieben hat. "Der Weg, den wir in Tirol eingeschlagen haben und den wir weiter gehen wollen, liegt ganz klar in der öffentlichen Mobilität und nicht im Ausbau von Transitrouten. Deshalb haben wir auch eine Prüfung einer Bahnverbindung ins Außerfern im Landtag in Auftrag gegeben", erinnert Fischer an den breit getragenen Beschluss.

erschienen am: 2018-01-12 im europaticker

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