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Verbandsgemeinde Alzey-Land: Führt die mögliche Streichung von Sonderbauflächen für
Windenergie zu Serienstraftaten im Natur- und Artenschutz?

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Geldgier macht Menschen offensichtlich zu Vogelmördern - NATURSCHUTZINITIATIVE erstattet Anzeige

„Wozu die bundesweite Förderung des Ausbaus von Windkraftanlagen (WKA) führt und was das für den Natur- und Artenschutz bedeutet, lässt sich aktuell in der Verbandsgemeinde Alzey-Land (VG) beobachten“, erklärte Harry Neumann, Landesvorsitzender der NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI).

In der VG ist derzeit ein Flächennutzungsplan (FNP) für die Ausweisung neuer Sonderbauflächen für Windenergieanlagen in Planung und Abstimmung. Gegen die Ausweisung neuer Sonderbauflächen regt sich zunehmend Widerstand aus der Bevölkerung. So ergab die letzte Offenlage des Planungsstandes zahlreiche Stellungnahmen, die sich kritisch über die Ausweitung von WKA im Gebiet Alzey-Land äußerten. Ein wesentliches Thema sind hierbei die Konflikte mit dem Artenschutz. Seltene Vögel, wie z.B. Rotmilan, Schwarzmilan, Rohrweihe, Wiedehopf oder Kiebitze sowie alle Fledermäuse sind durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt.

Bei besonders durch Windkraft gefährdeten Arten ist rechtlich verankert, dass dort, wo diese Arten ihre Brutstätten haben, keine Windindustrieanlagen gebaut werden dürfen. Die von der Verbandsgemeinde nun zusätzlich geplanten Sonderbauflächen grenzen unmittelbar an wichtige Hauptvogelzugrouten oder an ausgewiesene Naturschutzgebiete. Aufgrund der hohen Zahl an Windrädern in der VG stehen nur noch wenig Flächen zur Verfügung und diese sind entsprechend hoch konfliktbelastet. Daher lehnte die NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI), der Fachbeirat Naturschutz bei der Kreisverwaltung Alzey sowie weitere Naturschutzverbände und Institutionen in der letzten Offenlage der Planung die Ausweisung von weiteren Sonderbauflächen für Windenergie ab.

So auch die Konzentrationszone 3 (K3) bei Bechtolsheim und dem unmittelbar angrenzenden Naturschutzgebiet „An der Pommermühle“. Seit geraumer Zeit werden dort durch ehrenamtliche Aktive der NI regelmäßige Brutvorkommen, Revier- und Jagdaktivität von Rot- und Schwarzmilan sowie der Rohrweihe dokumentiert. Bei „K3“ überschneiden sich Brutstätte und Nahrungshabitat mehrerer streng geschützter Arten sowie wichtige Vogelzugrouten.

Die Mitglieder des Hauptausschusses der VG Alzey-Land wurden erneut in der Sitzung Anfang Juni über diese erhebliche akute Gefährdung windkraftsensibler Arten informiert. Darüber hinaus läuft momentan ein von der Verbandsgemeinde in Auftrag gegebenes ornithologisches Gutachten, dessen Resultate abgewartet werden müssen, bevor eine Entscheidung bezüglich K3 gefällt werden könne. Dies bekräftigte Oberbürgermeister Unger in der Verbandsgemeinderatssitzung von 18.06.2018. Außerdem stellte er in Aussicht, dass möglicherweise K3 bei Bestätigung der Hinweise auf diese streng geschützten Arten ganz aus dem FNP herausfallen könnte.

Fassungslos und mit Erschrecken stellt die NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI) fest, welche Auswirkungen diese mögliche Streichung von K3 mit sich bringt. Denn seit genau dieser VG Ratssitzung häufen sich die Indizien zu Serienstraftaten in dem Gebiet. So wurde durch die unermüdliche Vor-Ort Präsenz von Mitgliedern der NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI), bereits die Zerstörung eines nahe gelegenen Mäusebussard-Horstes incl. Totfund eines noch flugunfähigen Jungvogels dokumentiert. Dieses sowie die ebenfalls im Juni dokumentierten Störungen an den Brutplätzen der Rot- und Schwarzmilane wurden von der NI bei der Kreisverwaltung (KV) Alzey-Worms zur Anzeige gebracht. Von anderer Seite wurde vor wenigen Tagen der KV Alzey-Worms eine Zerstörung eines Rohrweihen-Brutplatzes gemeldet.

“Wir sind davon überzeugt, dass es sich hierbei nicht um eine Kette von zufälligen Ereignissen handelt. Ganz offenkundig fühlen sich einzelne Personen bemüßigt, aktiv Brutstätten zu zerstören und Vögel zu vergrämen oder umzubringen, um ihr singuläres Wirtschaftsinteresse durchzusetzen“, erklärte Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.

Die Häufung der Vorfälle im unmittelbaren Umfeld von K3 wurde von der NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI) über die Kreisverwaltung zur Anzeige gebracht. Das Umweltdezernat der Kriminalpolizei Worms ermittelt nun, um die Zusammenhänge zu klären.

Harry Neumann, Landesvorsitzender der NATURSCHUTZINITIATIVE e.V. (NI) und Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI weisen darauf hin, dass solche Meldungen fast wöchentlich in ihrem Verband eingehen. Sie können auch die Gründe nennen:

 „Dieser Konflikt zwischen Artenschutz, missgeleiteter und ideologisch motivierter „Klimaschutzpolitik“, wird durch die bundesweite Subventionierung des Windkraftausbaus, von dem im Wesentlichen die Windkraftprojektierer, -betreiber und Grundstückseigener profitieren, befeuert. Die wirtschaftlichen Interessen sind so groß, dass mancher nicht vor einer Straftat zurückschreckt.“

„Diese Straftaten sind zudem sinnlos“, möchte Biologe Vollmer potenziellen Straftätern zu bedenken geben. „Alle Horste sind von uns oder von den erhebenden Büros an den Kreis und das Landesamt für Umwelt gemeldet und sind damit über mindestens drei Jahre als gesetzlich geschützte Niststätte anerkannt. Solche Straftaten dürften hingegen das letzte Ratsmitglied von der Fragwürdigkeit weiterer Windpark-Ausweisungen überzeugen.“

„Wir fordern daher den Verbandsgemeinderat auf, die Ausweisung der Fläche „K3“ aufzugeben, da deren Ausweisung offensichtlich auf Straftaten beruhen würde“, erklärten Harry Neumann und Immo Vollmer.

erschienen am: 2018-07-09 im europaticker



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