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1 Mio. digitale Baumdaten erfasst - 23.000 Einzelbäume und 15.000 Baumgruppen auf Verkehrssicherheit geprüft
Grünflächen an 2.200 km Autobahnen und Schnellstraßen kontrolliert

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Bundesforste und ASFINAG nehmen zehntausende Bäume an Österreichs Straßen unter die Lupe

Sommerzeit = Reisezeit: Mit dem Beginn der Schulferien nähert sich das Verkehrsaufkommen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen seinem jährlichen Höhepunkt. In einem gemeinsamen Projekt zur Baumkontrolle sorgen die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) und die ASFINAG als Straßenerhalter dieser Tage für mehr „natürliche“ Verkehrssicherheit entlang der Hauptverkehrsrouten: „Wir sorgen nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen für die Sicherheit der Autofahrerinnen und Autofahrer, sondern auch dafür, dass die zehntausenden Bäume entlang unserer Straßen gesund und damit sicher sind“, erklärt ASFINAG-Geschäftsführer Josef Fiala. In ganz Österreich sind die Baum-Experten-Teams der Bundesforste seit mehreren Monaten im Einsatz. Bis dato wurden mehr als 23.000 freistehende Einzelbäume sowie etwa 15.000 Baumgruppen auf ihre Verkehrssicherheit laut ÖNORM überprüft. „Gerade in Zeiten des Klimawandels ist die regelmäßige Kontrolle der Standfestigkeit und Bruchsicherheit von Bäumen entlang von Wegen und Straßen unerlässlich“, so Rudolf Freidhager, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz der Bundesforste, die rund 15 Prozent der heimischen Wälder betreuen. „Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Stürme setzen Wald und Natur in den letzten Jahren verstärkt zu“, weiß Freidhager aus der Forstpraxis zu berichten. Die Arbeiten zur Ersterfassung aller straßenbegleitenden Grünflächen werden in diesen Wochen abgeschlossen. Für die kommenden zwei Jahre stehen weitere regelmäßige Baumkontrollen zur Verkehrssicherheit an.

High-Tech Baumbegutachtung für sichere Straßen

Auf einer Gesamtfläche von rund 5.300 Hektar begehen die ÖBf-Baumexperten jeden einzelnen mit Strauch- und Baumarten bewachsenen Grünstreifen neben Autobahnen und Schnellstraßen, jeden Kilometer entlang der Zu- und Abfahrten sowie sämtliche Rast- und Parkplätze. Der Zustand freistehender Einzelbäume und Baumgruppen wird zunächst visuell überprüft und beurteilt. Bei weiterem Abklärungsbedarf zur Stand- und Bruchfestigkeit kommt modernste Technik zum Einsatz: Mittels eines speziellen Messgerätes, eines sogenannten Resistographen, wird etwa anhand von Bohrungen der Widerstand des Holzes gemessen und daraus Rückschluss auf die Holzdichte gezogen. Die Festigkeit des Holzes kann durch Schalltomographie beurteilt werden und innovative Windreaktionsmessungen zeichnen die Baumbewegungen bei Starkwind digital auf. Die Baumbegutachtungsarbeiten bei Wind und Wetter direkt neben der Autobahn sind auch für die ÖBf-Expertinnen und Experten eine spezielle Herausforderung. Neben umfangreichem Fachwissen ist – vor allem bei starkem Verkehrsaufkommen – höchste Konzentration notwendig. In eigenen Sicherheitsschulungen wurden die ÖBf-MitarbeiterInnen auf die Einsätze vorbereitet.

Eine Million digitaler Baumdaten auf Knopfdruck

Mittels Tablet erfassen die ÖBf-Baumkontrollore direkt vor Ort knapp eine Million digitaler Baumdaten zu Art, Höhe, Vitalität oder eventuellen Krankheitssymptomen. Gespeichert werden diese für jedes einzelne Objekt in einem eigens für die ASFINAG entwickelten digitalen Baumkataster auf Basis modernster Software. „Damit haben wir alle Informationen zu unseren Waldflächen auf Knopfdruck verfügbar und wissen jederzeit über den Zustand und die Verkehrssicherheit zehntausender Bäume Bescheid“, so Fiala. Zeigt der Baum Anzeichen von Bruchgefahr empfehlen die ÖBf-Arboristen notwendige Sicherungsmaßnahmen: vom Entfernen abgestorbener Äste über Maßnahmen zur Baumkronensicherung bis hin zur Abtragung kranker und instabiler Exemplare. Im Sinne der Wegesicherung müssen unsichere Bäume im Abstand von einer Baumlänge plus fünf Meter zur Straße jedenfalls entfernt werden.

Artenvielfalt an der Autobahn

185 unterschiedliche Baumarten wachsen entlang Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen – der weitaus überwiegende Teil entfällt auf Laubbäume wie Buchen, Eichen, Linden, Ahorne und Eschen. Letzteren widmeten die ÖBf-Baumbegutachter besondere Aufmerksamkeit: In ganz Österreich gefährdet seit Jahren ein Pilz die heimischen Eschenbestände. Befallene bzw. bereits abgestorbene Exemplare müssen wegen Bruch- und Umsturzgefahr schnellstmöglich abgetragen werden. Nachgepflanzt wird von der ASFINAG bei Bedarf mit trockenheitsresistenten und standort-typischen Arten wie Eiche, Kirsche oder Bergahorn. „Gerade an sommerlichen Hitzetagen spendet das dichte Blätterdach der Laubbäume Schatten auf den Rastplätzen und kühlt durch Verdunstung von Wasser die Umgebungsluft“, so Freidhager.

Nachfrage nach Baumbegutachtung steigt

Der Bereich „Baumbegutachtung“ zählt zu den jüngeren Geschäftsfeldern der Bundesforste und verzeichnet in den letzten Jahren stetige Zuwächse – haftet doch der Eigentümer für die Verkehrssicherheit seiner Bäume. Für einen Laien sind erste Anzeichen von Verkehrsgefährdungen an Bäumen oft nur schwer zu erkennen. Diese zeigen sich etwa in Form von Pilzbefall im Stamm- und Wurzelbereich oder schlechter Belaubung. Der erfahrene Blick des Experten gibt Sicherheit über den tatsächlichen Zustand des Baumes. 
Bild: ÖBf-Baumexperte bei der visuellen Kontrolle von Bäumen entlang der Autobah ÖBf-Archiv/W. Voglhuber

erschienen am: 2018-07-10 im europaticker



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