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Ein neuer Legislativvorschlag auf EU-Ebene könnte das Recycling von Kunststoffen aus
Elektronikschrott (WEEE) unmöglich machen
Verantwortliches Recycling von WEEE-Kunststoffen muss in der EU gesichert werden

Kunststoffrecycling ist gut für Mensch und Umwelt - und unverzichtbar für die Zukunft. Im Vergleich zu neu hergestellten Kunststoffen spart eine Tonne Recyclingkunststoff drei bis vier Tonnen CO2. Außerdem werden nur zehn Prozent des Energiebedarfs benötigt, verglichen mit der Herstellung von jungfräulichen Kunststoffen aus Öl. Eine formale Lebenszyklusanalyse des Schweizer Forschungsinstituts EMPA zeigt, dass das Kunststoffrecycling sowohl bei der Verbrennung alter Kunststoffe als auch bei der Herstellung neuer Kunststoffe die beste Option darstellt. Intelligente Technologien sorgen dafür, dass die Kunststoffe mit gefährlichen Stoffen aus Altgeräten getrennt werden und in Verbrennungsanlagen zerstört anstatt wiederaufbereitet zu werden. Beispiele für diese gefährlichen Stoffe sind Cadmium in Altfarbstoffen oder bestimmte bromierte Flammschutzmittel, die nicht mehr zugelassen sind.

Das Gehäuse von alten CRT-Monitoren kann beispielsweise bis zu 150.000 ppm bromierte Flammschutzmittel (ppm = Teile pro Million) enthalten. Mit modernen Trenntechnologien können verantwortliche WEEE-Kunststoffrecycler diese E-Waste-Materialien recyceln, so dass die recycelten Kunststoffe nicht mehr als 1.000 ppm dieser Flammschutzmittel enthalten. EERA hat gerade den Link zur Broschüre veröffentlicht: Verantwortungsvolles Recycling von WEEE-Kunststoffen, die BFR enthalten.

Eine rechtliche Veränderung als Bedrohung.

Umso mehr sind wir bestürzt, dass ein aktueller Gesetzesentwurf auf EU-Ebene das Ende des Kunststoff-Recyclings aus Elektro- und Elektronik-Altgeräten in Europa bedeutet. Dies steht in krassem Widerspruch zu den angestrebten Zielen der Kreislaufwirtschaft oder den von der EU definierten ehrgeizigen Zielen für das Recycling von Elektro- und Elektronik-Altgeräten. Dennoch haben europäische Politiker einen Entwurf für ein Gesetzesänderungsgesetz mit unrealistischen Grenzwerten für einen bestimmten Stoff vorgelegt. Der Vorschlag ist durch wissenschaftliche Studien weder belegt noch durchführbar. Wenn Grenzwerte nicht messbar sind, können sie selbst von den innovativsten Kunststoffrecyclern nicht erreicht werden.

Neue EERA Broschüre über WEEE-Kunststoffe mit bromierten Flammschutzmitteln

Jährlich werden rund 3 Millionen Tonnen Kunststoff für neue Elektro- und Elektronikgeräte eingesetzt.

In den getrennt gesammelten Elektro- und Elektronikgeräteabfällen (WEEE) gibt es viele Arten von Kunststoff. Die häufigsten sind HIPS, ABS, PP und PC bzw. PC-ABS. Diese Kunststoffe können bromierte Flammschutzmittel (BFRs) enthalten. Einige dieser BFRs dürfen nicht mehr eingesetzt werden, da sie als besorgniserregende Stoffe eingestuft werden.

Die überwiegende Mehrheit der WEEE-Kunststoffe enthalten keine bromhaltigen Flammschutzmittel. Kunststoffe mit BFR’s werden typischerweise in Geräten verwendet, die Wärme erzeugen, wie zum Beispiel CRT-Fernseher und -Monitore, IT-Geräte wie Drucker oder Kopiergeräte und Kabel, Leiterplatten und Stecker.

EERA, der Verband der Europäischen Elektronik Verwerter hat jetzt eine Broschüre entwickelt, die auf einfache Weise beschreibt, wie Recycler von Elektro-Altgeräten diese gemischten Kunststoffe gemäß der WEEE- und POP-Verordnung behandeln sollten.

Kunststoffe in Elektro-Altgeräten

Etwa 1,2 Millionen Tonnen gemischte WEEE-Kunststoffe entstehen aus der getrennten Sammlung von Elektro-Altgeräten in Europa. Davon werden nur etwa 300.000 Tonnen an spezialisierte Recyclinganlagen wie MGG Polymers geliefert um dort zu Post-Consumer Recycled – PCR-Kunststoffe verarbeitet zu werden. Demnach werden etwa 75% der WEEE-Kunststoffe aus Europa exportiert und es ist nicht bekannt, wie viel als PCR-Kunststoffe daraus recycelt werden oder was mit den BFRs passiert. Die bessere Lösung ist die Verwertung in Europa auszuführen. Die komplexen Regeln in Europa machen das aber nicht leicht, vor allem weil die Regeln oft nicht einheitlich interpretiert werden. Daher hat der Europäische Recyclingverband für Elektro-Altgeräte EERA einen Behandlungsleitfaden aufgesetzt, der auf dem Cenelec Verarbeitungsstandard EN 50625 für die Verwertung von Elektro-Altgeräten basiert.

Viele Produktkategorien enthalten keine BFR’s oder nur Spuren dieser BFR’s. Die allgemeine Behandlungsvorschrift beschreibt, dass es bei einem Schwellenwert unter 2.000 ppm Brom keine Risiken gibt. Oberhalb des Schwellenwertes bedeutet, dass es verbotene Flammschutzmittel in der Kunststoffmischung gibt. Wenn bei Brom-Analysen festgestellt wird, dass mehr als 2000 ppm Brom vorhanden ist oder wenn keine Analysen gemacht werden, wird angenommen, dass die gesetzlich verbotenen BFRs vorhanden sein können. Dann ist eine weitere Trennung durch spezialisierte Kunststoffrecyclingwerke wie MGG Polymers erforderlich. In Österreich sind diese Kunststoffe notifizierungspflichtig. Weil MGG Polymers eine Vorabzustimmung für die Verarbeitung solcher Kunststoffe hat, sollten Notifizierungsanträge schnell bearbeitet werden können.

In dem Verwertungsprozess werden die Kunststoffe mit BFRs abgetrennt und zusammen mit den anderen nicht verwerteten Kunststoffen thermisch verwertet. Damit werden die verbotenen bromierten Flammschutzmitteln aus dem Materialkreislauf entfernt, eben wie es die Gesetze vorschreiben.

Klimawandel

Wenn alle Kunststoffe aus WEEE in Europa nach EN 50615-1 recycelt würden, würden geschätzte 2,5 Mio. MT. CO2 Emissionen pro Jahr eingespart im Vergleich zu der Produktion von neuen Kunststoffen. Gesetzeskonformes Recycling dieser Kunststoffe macht also sehr viel Sinn.

Für mehr Information über EERA: www.eera-recyclers.com

EERA befürwortet Veränderungen

Die EERA hat das dringende Thema auf ihre Tagesordnung gesetzt, um die europäischen Politiker davon zu überzeugen, dass Recycling unmöglich ist, wenn die Grenzwerte unter dem messbaren Bereich liegen. EuRIC (link) hat das gleiche getan. Die beiden Verbände fordern daher entweder, dass die Vorschläge zurückgezogen werden oder dass sie auf Werte überprüft werden, die messbar sind und mit anderen europäischen Rechtsvorschriften zu diesem Thema übereinstimmen. Die Position von EERA finden Sie hier: EERA

Für mehr Information über MGG Polymers: www.mgg-polymers.com
Bild: Haushaltgerät produziert mit PCR-Kunststoffen von MGG Polymers

erschienen am: 2018-07-10 im europaticker


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