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Rana-Plaza-Beschwerde zeigt: Bessere Kontrollen in den globalen Lieferketten der Textilindustrie notwendig
Korruptionsvermeidung in der Bekleidungsindustrie: Szenarien aus Bangladesch

Die deutsche Nationale Kontaktstelle (NKS) für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine Abschlusserklärung im Rana-Plaza-Beschwerdeverfahren gegen den Prüfdienstleister TÜV Rheinland veröffentlicht. Transparency Deutschland begrüßt, dass die Erklärung sich für grundsätzliche und tiefergehende Veränderungen bei den Kontrollen, sogenannten „Sozialaudits“, ausspricht. Hierbei wird insbesondere die Erhöhung der Transparenz von Prüfberichten, die Einbeziehung der Einkäufer in die Prüfung, die verstärkte Nutzung unangekündigter Audits und die Beteiligung der Zivilgesellschaft genannt. 

Transparency Deutschland weist seit Jahren auf die häufig korruptionsgefährdete Rolle von Auditoren hin und hat in der gemeinsam mit Transparency Bangladesch erarbeiteten Broschüre „Undress Corruption“ entsprechende Szenarien beschrieben und Gegenmaßnahmen erläutert. Dazu gehört eine klare Null-Toleranzpolitik gegen jegliche Formen von Korruption und Bestechung der einkaufenden Unternehmen, die an die Unternehmen ihrer Lieferkette weitergegeben werden muss. Für Audits gilt, dass sie von einem wirksamen Feedbackprozess innerhalb der Textilfabrik begleitet und die Ergebnisse transparent kommuniziert werden müssen. Mit Hilfe der Einkäufer-Unternehmen sollten die Ergebnisse in Schulungen behandelt werden. Weiterhin ist es wichtig, dass kostenfreier Zugang zu einer anonymen Whistleblower-Hotline in Landessprache jederzeit einfach und geschützt erreichbar ist.

Transparency Deutschland setzt sich innerhalb des Textilbündnisses dafür ein, dass auf allen Stufen der Lieferkette Korruptionsbekämpfung und -prävention als Querschnittsaufgabe verankert wird, um zu verhindern, dass soziale und ökologische Standards unterlaufen werden. Unglücke wie das von Rana Plaza im Jahr 2013, bei dem mehr als 1200 Menschen starben, dürfen sich nicht wiederholen.

UNDRESS CORRUPTION. Korruptionsvermeidung in der Bekleidungsindustrie: Szenarien aus Bangladesch.

Die Broschüre Undress Corruption. Korruptionsvermeidung in der Bekleidungsindustrie: Szenarien aus Bangladesch ist ein Leitfaden für Akteure der internationalen Textilindustrie – für Produzenten, Zulieferer, Agenten und Auftraggeber. Die Broschüre umfasst 16 Fallbeispiele, die demonstrieren, an welchen Punkten entlang der Lieferkette Korruptionsrisiken lauern, wie konkreten Korruptionsfällen begegnet, aber auch Korruption präventiv verhindert werden kann. Die Broschüre wurde von dem Unternehmen C&A Mode finanziell unterstützt. 

Thema Lieferketten

Ziel des Projekts Lieferketten ist es, Korruptionsbekämpfung und -vermeidung als Querschnittsaufgabe im Management von Lieferketten zu verankern.

Forderungen
  • Im Bündnis für nachhaltige Textilien Korruptionsbekämpfung und -prävention im Rahmen der „ökonomischen Dimension“ als Querschnittsaufgabe zu verankern.
  • In Deutschland tätige Unternehmen zu überzeugen, einen Code of Conduct mit klarer Null-Toleranz-Politik gegen Korruption zu verabschieden, diesen im eigenen Unternehmen zu leben und entlang ihrer Lieferketten verpflichtend weiter zu geben.
  • Im Rahmen von Risiko-Analysen und Sorgfaltspflichtprüfungen (Due Diligence) entlang der Lieferketten das Korruptionsrisiko als Querschnittsaufgabe zu behandeln.
  • Schulungen und Trainings der eigenen Mitarbeiter und der Lieferanten zum Integritätssystem durchzuführen.
  • Anonyme Meldesystem und Whistleblower-Schutz entlang der Lieferketten zu gewährleisten
  • Audits und Berichterstattung unter Beteiligung von Gewerkschaften bzw. Arbeitnehmervertretungen, oder zivilgesellschaftlichen Organisationen zu erarbeiten und transparent zu kommunizieren.    
Hintergrund

Weltweiter Handel ist mit zunehmend stärker globalisierten Lieferketten verbunden. Produkte, die in Deutschland angeboten werden, haben teilweise eine weltumspannende Herkunft. Verbraucher wollen wissen, wo und unter welchen Bedingungen die Waren, die sie kaufen, hergestellt wurden. Menschenrechtsverletzungen, wie beim dramatischen Unglück in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, sind mit Reputationsverlusten der Unternehmen verbunden, die an Standorten produzieren lassen, an denen Arbeitsschutz- oder Umweltschutzbestimmungen missachtet werden.

Die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards entlang der Lieferketten wird in einer digitalisierten und vernetzten Welt unumgänglich. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Prävention und Bekämpfung von Korruption; denn durch Korruption kann die Implementierung von Arbeits- und Umweltschutzbestimmungen behindert oder sogar umgangen werden. Die Sicherstellung von integrem Geschäftsverhalten als Querschnittsaufgabe entlang der Lieferketten ist deshalb eine Grundvoraussetzung für “saubere“Lieferketten.

Abschlusserklärung der NKS Abschließende Erklärung der deutschen Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

anlässlich einer von
- European Center for Constitutional and Human Rights e.V. (im Folgenden bezeichnet als „ECCHR“), Berlin,
- Garment Workers Unity Forum, Dhaka/Bangladesch,
- Comrade Rubel Memorial Center,
- medico international e.V., Frankfurt am Main,
- FEMNET e.V., Bonn sowie
- Frau Raima Jahan, Herrn Mahmudul Hasan Hridoy, Frau Rikta Khatun Joshna, Frau Morjina Begum und Frau Jesmin Akhter (im Folgenden gemeinsam bezeichnet als „bangladeschische Beschwerdeführer“)
(im Folgenden gemeinsam bezeichnet als „die Beschwerdeführer“)
eingereichten Beschwerde gegen
- TÜV Rheinland AG, Köln (im Folgenden bezeichnet als „TÜV Rheinland“) sowie
- TÜV Rheinland India Pvt. Ltd, Bangalore/Indien (im Folgenden bezeichnet als „TÜV India“)
(im Folgenden gemeinsam bezeichnet als „die Beschwerdegegner“)

Die Beschwerdeführer und die Beschwerdegegner werden im Folgenden gemeinsam als „die Beteiligten“ bezeichnet.

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Quelle: Transparency International Deutschland e.V. (kurz: "Transparency Deutschland") arbeitet deutschlandweit an einer effektiven und nachhaltigen Bekämpfung und Eindämmung der Korruption. Dazu müssen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und Koalitionen bilden. Transparency Deutschland ist gemeinnützig und politisch unabhängig. Grundprinzipien sind Integrität, Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein über die schädlichen Folgen der Korruption zu schärfen und Integritätssysteme zu stärken.

erschienen am: 2018-07-11 im europaticker


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