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Sankt Georg steht nun auch als Patron für Flattertiere – Großkmehlener Kirche gibt der Fledermaus ein Haus
Kirche gibt der Fledermaus ein Haus

Die denkmalgeschützte Sankt-Georgs-Kirche in Großkmehlen beherbergt prächtige Schätze aus vielen Jahrhunderten. Seit der Jahrtausendwende ist ein weniger sichtbarer Schatz hinzugekommen: ein Wochenstubenquartier des sehr seltenen Großen Mausohrs. Unter kirchlicher Obhut wächst und gedeiht das Quartier mit Unterstützung von ehrenamtlichen Fledermausschützern stetig. Die Kirche hat sich die Verleihung der Ehrenplakette verdient, die ab kommenden Donnerstag (12. Juli) allen Vorbeikommenden die Botschaft vermittelt: „Wir geben der Fledermaus ein Haus“.

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger unterstützt die Aktion zum Fledermausschutz in Brandenburg: „Erfreulicherweise wächst die Zahl derjenigen, die Fledermäuse mögen und etwas für die lebhaften Flatterwesen im eigenen Wohnumfeld unternehmen möchten. Denn es hat sich längst herumgesprochen, dass Fledermäuse weder in die Haare fliegen noch Schäden an Gebäuden machen, sondern als ,biologische Schädlingsbekämpfer‘  sogar sehr nützliche Tiere sind. So kann eine einzige Fledermaus in nur wenigen Monaten bis zu 60.000 Mücken vertilgen!“

Landesweit gibt es 19 besetzte Wochenstuben des Großen Mausohrs Myotis myotis, eine im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (FFH-RL) aufgeführte Art. Im Durchschnitt leben 2.000 adulte Weibchen der größten und schwersten heimischen Fledermausart in Brandenburg.

Das Wochenstubenquartier des Großen Mausohrs in Großkmehlen ist übrigens seit 1985 bekannt und wird von Anfang an engagiert von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin im Fledermausschutz Gisela Uhl betreut. Zuerst befand sich die Wochenstube im Schloss des Ortes, bis 1998 dort eine große Rekonstruktion mit Dachumdeckung begann. Durch Trennwände geschützt, hielten die Mausohren drei Jahre trotz Baulärm und Luftzug in ihrem angestammten Quartier aus. Dann verließen sie das Schloss und siedelten unter anderem in die gegenüberliegende Kirche um. Aufmerksame Angestellte der evangelischen Kirche und Mitglieder des NABU beobachteten den Umzug der Mausohren, deren Haupthangplatz sich seitdem im Kirchturm befindet.

Aktuell hat sich der Bestand von anfangs 120 auf nunmehr rund 400 Tiere (adulte und juvenile) erhöht. Die Wochenstube hat eine sehr hohe Bedeutung für die Region, ist sie doch eines der wenigen Reproduktionszentren der Art in Südbrandenburg. Deshalb wurde die Kirche mit dem Schloss Großkmehlen als FFH-Gebiet (DE 4648-305) an die Europäische Union gemeldet.

Die optimalen Bedingungen des Kirchenbaus und die unverändert sehr gute Zusammenarbeit mit den kirchlichen Angestellten bewogen die Mitglieder des NABU dazu, einen Antrag auf Verleihung der Plakette „Wir geben der Fledermaus ein Haus“ an das Landesamt für Umwelt zu stellen. Mit der Verleihung der Fledermausplakette des Landes Brandenburg an die Kirche Großkmehlen wird diese Auszeichnung zum zweiten Mal im Landkreis Oberspreewald-Lausitz verliehen.

Urkundlich erwähnt wurde hier eine Kirche erstmals 1205. Das Kirchenschiff wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Um das Jahr 1618 sowie in Jahren von 1716 bis 1718 wurde umgebaut. Dabei wurde das Kirchenschiff durch zwei Anbauten zur Kreuzform erweitert. Der Umbau erfolgte übrigens nach einem Gutachten von George Bähr, dem berühmten Baumeister der Dresdner Frauenkirche.

Aktion „Wir geben der Fledermaus ein Haus“

Erstmals wurde die Auszeichnung „Wir geben der Fledermaus ein Haus“ 2009 an das „Haus der Athleten” in Potsdam verliehen. Seither folgten 18 weitere Auszeichnungen. Fledermäuse sind in Deutschland in ihrer Wohn- und Lebensweise von Menschen abhängig. Viele Arten suchen sich als Ersatz für felsige Gebirge oder sommerwarme Höhlen ihre Verstecke an Bauwerken. Sie besiedeln vorzugsweise Dachböden und Spaltenquartiere. Durch Modernisierungen an Hausfassade oder Dachstühlen sind allerdings viele Quartiere verloren gegangen. Abhilfe können künstliche Nisthilfen bieten.

Siehe hierzu: Nachtschwärmer – Fledermausschutz  in Brandenburg, herausgegeben vom brandenburgischen Agrar- und Umweltministerium 2008

Derzeit nur als PDF über die Homepage des Ministeriums:

www.mlul.brandenburg.de/n/nachtschwaermer.pdf

Informationen zur gemeinsames Aktion des Umweltministeriums Brandenburg und des Landesumweltamts Brandenburg und zum Antragsverfahren:

www.lfu.brandenburg.de/info/fledermausschutz

erschienen am: 2018-07-11 im europaticker


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