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Laut Gutachten ist Weiterbetrieb von Tegel auf Zeit möglich
Ingo Senftleben: Wir dürfen einen Kollaps des Luftverkehrs nicht riskieren

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CDU-Brandenburg rückt von Tegel-Schließung ab

Laut eines Gutachtens des Parlamentarischen Beratungsdienstes des Landtags Brandenburgs, ist eine befristete Offenhaltung des Flughafens Tegel auch nach Inbetriebnahme des BER möglich. Die CDU-Fraktion hatte das Gutachten in Auftrag gegeben und fordert nun von der Landesregierung die notwendigen Schritte einzuleiten. Laut Ingo Senftleben, dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion, gehe es darum einen reibungslosen Flugverkehr abzusichern, bis am BER ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stünden.

Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ ist neben dem Flughafen Schönefeld einer der beiden internationalen Verkehrsflughäfen im Großraum Berlin. Im Jahr 2016 wurden hier rund 21,3 Millionen Fluggäste abgefertigt. Gemessen am Passagieraufkommen lag der Flughafen damit an vierter Stelle in Deutschland (hinter Frankfurt am Main, München und Düsseldorf) und an 26. Stelle im europäischen Vergleich (siehe: Liste der größten Flughäfen in Europa). Betreiber des Flughafens ist die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH (BFG), eine Tochtergesellschaft der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB).

Im Zuge der geplanten Fertigstellung des Ausbaus des Flughafens Schönefeld zum Flughafen Berlin Brandenburg sollte der Flughafen Tegel als letzter Berliner Verkehrsflughafen ursprünglich am Abend des 2. Juni 2012 geschlossen werden. Im Januar 2013 wurde bekannt, dass der neue Flughafen Berlin Brandenburg aus verschiedenen Gründen bis auf Weiteres nicht eröffnet werden kann, sodass der Flughafen Tegel vorerst in Betrieb bleibt. Der Flughafen Tegel liegt elf Kilometer nordwestlich des Berliner Stadtkerns im Ortsteil Tegel des Bezirks Reinickendorf, 37 Meter über dem Meeresspiegel. Die Hauptzufahrt zu den Flughafenanlagen Tegel-Süd, über die der gesamte zivile Luftverkehr abgewickelt wird, liegt jedoch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Während der sowjetischen Blockade West-Berlins richtete die französische Besatzungsmacht zusammen mit US-amerikanischen Spezialisten und deutschen Arbeitskräften zur Unterstützung der Berliner Luftbrücke in 90 Tagen einen neuen Flugplatz ein. Auf dem Gelände in Tegel wurde sechs Wochen nach dem Beginn der Blockade ab dem 5. August 1948 mit dem Bau der damals längsten Start- und Landebahn Europas mit einer Länge von 2428 Metern begonnen; die notwendigen Gebäude und Hallen wurden zunächst als Provisorien mit einfachsten Mitteln errichtet. Am 5. November 1948 landete mit einer Douglas C-54 das erste Flugzeug auf dem erst Anfang Dezember offiziell eingeweihten Flughafen.

„Gebaut wurde der BER für 22 Millionen Passagiere, doch schon heute haben wir 34 Millionen Passagiere. Deshalb plant die Flughafengesellschaft hektisch provisorische Erweiterungen in Industriebauweise und die Offenhaltung von Schönefeld Alt. Doch selbst diese Maßnahmen können mit der Passagierentwicklung kaum mithalten: Das Projekt ist auf Kante genäht. Unklar ist auch, ob die Verkehrsanbindung an den neuen Flughafen chronisch überlastet sein wird. Ist Tegel einmal geschlossen, bedroht jede Verzögerung beim Ausbau des BER die Stabilität des Luftverkehrs am Standort Berlin-Brandenburg. Das volkswirtschaftliche Risiko ist immens. Deshalb müssen wir alles unternehmen, um einen Kollaps des Luftverkehrs nach der Eröffnung des BER zu verhindern.“

Senftleben kündigte entsprechende parlamentarische Initiativen an. Das Zeitfenster sei nicht groß, so der CDU-Fraktionsvorsitzende, sobald der Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion beschlossen sei, gebe es keinen Spielraum mehr. „Tegel kann länger offengehalten werden, als uns die Landesregierung bisher weismachen wollte. Die notwendigen Schritte dafür müssen aber schnell eingeleitet werden. Wir sind uns mit der Berliner CDU einig, in unseren Ländern die Initiative zu starten, den Landesentwicklungsplan so zu ändern, dass eine befristete Offenhaltung Tegels möglich wird. Es ist eine Frage der Vernunft, diese Option als Absicherung zu behalten. Wir wollen, dass der BER ein wirtschaftlicher Erfolg werden kann. Dafür müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen und dürfen nicht nach dem Prinzip Hoffnung arbeiten.“

Franz Wiese: „Hört doch endlich auf mit der unsäglichen Diskussion: Lasst den Flughafen Tegel einfach solange auf, wie wir ihn brauchen.“ 

Ein parlamentarisches Gutachten des Landtages Brandenburg zeigt auf, dass der Flughafen Tegel nicht innerhalb von sechs Monaten nach Inbetriebnahme des BER geschlossen werden muss. Er könnte länger geöffnet bleiben.

Dazu erklärt der AfD-Landtagsabgeordnete Franz Wiese, Mitglied im BER-Sonderausschuss des Landtages Brandenburg: „Die Mehrheit der Berliner will Tegel offenhalten, das meist aus sentimentalen oder sehr praktischen Gründen, denn der Stadtflughafen ist für alle prima zu erreichen. Aber es gibt auch ganz objektive Gründe dafür, ihn nicht zu schließen. Der BER wird – egal wann er eröffnet – zu klein sein. Er wird vermutlich in absehbarer Zeit das stetig steigende Fluggastaufkommen nicht allein bewältigen können. Deshalb werden wir Tegel noch lange brauchen. Und deshalb ist das Gutachten des Parlamentarischen Beratungsdienstes auch bewusst unkonkret. Es sagt nämlich nicht wann Tegel geschlossen werden müsste, es sagt nur, dass das eben nicht, wie bisher von Rot-Rot und Rot-Rot-Grün propagiert, innerhalb von sechs Monaten nach der BER-Eröffnung geschehen muss. Und hier rate ich nun zu einem Schlussstrich unter die Diskussion: Warten wir ab, ob und wenn ja, wann, der BER seinen ersten Flieger sieht. Und wenn der neue Flughafen dann angelaufen ist, sich tatsächlich als tauglich erwiesen hat, schauen wir auf die Fluggastzahlen. Kann er das Aufkommen allein bewältigen, denken wir ganz unaufgeregt über eine Schließung von Tegel nach, wenn nicht, dann nicht. Ich plädiere dafür, die Emotionalität aus der Diskussion herauszunehmen und nur auf die Fakten zu schauen und bin mir sicher, noch viele Jahre in Tegel einchecken zu können.“

Hintergrund

Das Gutachten zeigt auf, dass durch eine Anpassung des Landesentwicklungsplans ein befristeter Parallelbetrieb Tegels nach Eröffnung des BER möglich ist. Der Landesentwicklungsplan wird gerade von den Landesregierungen Berlin und Brandenburg erarbeitet und soll 2019 in Kraft treten.
Bildrechte: Avda / www.avda-foto.de

erschienen am: 2018-07-12 im europaticker



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